Tipps & Termine

Wohin am Wochenende?

Die Kunst der Woche in Baden-Baden, Berlin, Dresden, Frankfurt, Ludwigshafen, Lüttich, New York, Rom und Sindelfingen


Nicolas Party in Baden-Baden

Einerseits kennt der Schweizer Nicolas Party sich exzellent in der Malereigeschichte aus. Andererseits nimmt er Abstand von klassischer Tafelmalerei, indem er seine monumentalen und immersiven Malereien direkt und temporär auf die Wände bringt. So werden auch die Wandbilder für das Museum Frieder Burda in Baden-Baden nur für die Dauer der Ausstellung existieren. Farbintensive Bildräume laden zum Flanieren ein. Flankiert werden die Murals von neuen Gemälden auf Kupfer, die an Reisealtäre erinnern. 

"When Tomorrow Comes", Museum Frieder Burda, Baden-Baden, 4. November bis 3. März 2024

Nicolas Party "Waterfall" 2023
Foto: Adam Reich, Nicolas Party

Nicolas Party "Waterfall" 2023 


Filmplakate in Berlin 

Berlinale-Chef Carlo Chatrian ist dabei, auch Schauspielerin Jasmin Tabatabai hat ein Plakat ausgesucht - für die Ausstellung "Großes Kino. Filmplakate aller Zeiten" haben 26 Gäste aus der Film- und Kinowelt ihr Lieblingskinoplakat gewählt. In Zusammenarbeit mit der Berlinale und der Deutschen Kinemathek stellt das Kulturforum Berlin etwa 300 originale Filmplakate aus den 1900er bis 2020er Jahren aus.

Chatrian entschied sich für das Plakat der 2011 entstandenen Dokumentation "Pina" über die Arbeit von Tanzikone Pina Bausch. Tabatabai wählte das Plakat des Trash-Klassikers "The Rocky Horror Picture Show" aus dem Jahr 1975. Die Gründe für die Auswahl der jeweiligen Plakate erläutern die 26 Gäste aus der Film- und Kinobranche in kurzen Interviews, die sich Besucherinnen und Besucher auf dem zur Ausstellung passenden Audioguide anhören können.

Ein Highlight der Ausstellung ist außerdem das französisches Originalplakat des deutschen Stummfilmklassikers "Metropolis" aus dem Jahr 1927. Die 300 Plakate stammen aus der etwa 5000 Stück umfassenden Sammlung Grafikdesign der Kunstbibliothek, wie Moritz Wullen, Direktor der Kunstbibliothek, am Mittwoch sagte. 

"Großes Kino. Filmplakate aller Zeiten", Kulturforum Berlin, bis 3. März 2024

Filmplakat "Das Schweigen der Lämmer" 1991
Foto: BLT Communications, Das Schweigen der Lämmer, 1991, © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Dietmar Katz

Filmplakat "Das Schweigen der Lämmer" 1991


Mexikanisches Totenfest in Berlin

Im Humboldt Forum werden die Toten gefeiert. Im Rahmen der Ausstellung "Un_endlich. Leben mit dem Tod" hat der Verein Calaca eine Version des mexikanischen Totenfests Fiesta de Día de Muertos organisiert. Bei dem Fest mit einem Markt rechnen die Veranstalter bis Sonntag mit etwa 8000 Besucherinnen und Besuchern.

Auch viele mexikanische Familien kämen in dieser Zeit vorbei, sagte Vorstandsmitglied Eleonore Häring de Vàzquez. Menschen würden Fotos von Verstorbenen oder Gegenstände mitbringen, die die Toten mochten. Einige Kinder hätten sogar Fotos ihrer verstorbenen Meerschweinchen dabei.

Das Humboldt Forum sowie dort gezeigte Objekte sind auch wegen ihrer kolonialen Vergangenheit umstritten. Entsprechend habe es auch Zweifel im dem 1995 gegründeten Vereins gegeben. Die Kuratoren entschieden sich trotzdem, eine Einladung des Humboldt Forums anzunehmen.

Keine Einigung gab es beim Wunsch des Vereins, vier mexikanische Artefakte aus der Sammlung des Ethnologischen Museums zu zeigen. Im Rahmen der Ofrenda genannten Totenmesse werden nun Pappversionen etwa von den Steinskulpturen eines Jaguars oder eines Regengottes gezeigt.

Die Ausstellung "Un_endlich. Leben mit dem Tod" befasst sich unter anderem mit verschiedenen Vorstellungen vom Tod. Sterbeexpertinnen und -experten aus zwölf unterschiedlichen Kulturkreisen berichten von ihren Erfahrungen. Als "finaler Moment" dienen Kabinen, in denen aus wissenschaftlicher Sicht erläutert wird, was mit dem Tod passiert.

Zudem wird etwa die Versorgung in einer Leichenhalle rekonstruiert oder die Analyse gefundener Gegenstände ertrunkener Flüchtlinge gezeigt. Auch übergeordnete Themen wie das Aussterben von Pflanzen und Tierarten wird thematisiert.

Fiesta de Día de Muertos, Humboldt Forum, Berlin, bis 5. November


"Revolutionary Romances" in Dresden

Eine Fotoserie von Vietnamesen im DDR-Alltag, gezeichnete Schiffe auf einem Fluss in China oder eine zu Kunst gemachte Unterhose - die Ausstellung "Revolutionary Romances" spürt bis Anfang Juni 2024 globalen Kunstgeschichten in der DDR nach. Im Albertinum wird nach Angaben der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) vom Freitag der Fokus auf ein bisher kaum erforschtes Kapitel der Kunst in der DDR gerichtet.

Ausgehend vom Sammlungsbestand und ergänzt um ausgewählte Leihgaben wird nach künstlerischer Praxis, Themen und Motiven gefragt. Zu sehen sind Werke aus den 1950er bis 1990er Jahren aus der DDR, Kuba, Chile, Vietnam, Indien, Irak, Libyen, Mosambik und Myanmar. Dazu gehören Darstellungen von Idealen und Ikonen des sozialistischen Internationalismus, Bilder der Solidarität, künstlerischer Protest gegen Krieg und Gewalt in Asien, Afrika und Lateinamerika, kubanische Revolutionsgrafik, Reisebilder, Mail Art sowie Diplomarbeiten ausländischer Studenten. Internationale zeitgenössische Positionen und Auftragsarbeiten hinterfragen die einstigen Ideale und Widersprüche in der Gegenwart.

Die Schau sei eine erste Annäherung, "fragend, forschend und selbstkritisch" an ein Feld, dessen Bearbeitung erst am Anfang stehe, so die SKD. Es brauche daher weitere Forschung, um die Kunstgeschichte der DDR im globalen Kontext diskutieren zu können.

"Revolutionary Romances", Albertinum, 4. November bis 2. Juni 2024

Ausstellungsansicht "Revolutionary Romances? Globale Kunstgeschichten in der DDR"
Foto: Oliver Killing, Courtesy SKD

Ausstellungsansicht "Revolutionary Romances? Globale Kunstgeschichten in der DDR"


Renaissance-Malerei in Frankfurt

Die Entwicklung der Renaissance im Norden steht im Mittelpunkt einer Ausstellung, die im Frankfurter Städel gezeigt wird. Zu sehen gibt es beeindruckende Arbeiten von Hans Holbein dem Älteren oder Hans Burgkmair, aber natürlich auch von Hans Holbein dem Jüngeren, der laut Museum "als einer der größten deutschen Renaissance-Maler der Zeit" gilt und diese Kunst europaweit bekannt gemacht hat.

Ein klarer Höhepunkt der am Donnerstag beginnenden Ausstellung ist die "Madonna des Bürgermeisters Jacob Meyer zum Hasen" (1526-1528), ein Meisterwerk des jüngeren, 1497 geborenen Holbein. Damit ist das berühmte Gemälde - eine Leihgabe aus der Sammlung Würth - nach mehr als zehn Jahren wieder in Frankfurt zu sehen.

Die rund 180 Werke umfassende Schau präsentiere "eine neue, ganz einzigartige Malerei, die vor mehr als 500 Jahren im Norden Europas an der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit entstanden ist", erklärte Museumsdirektor Philipp Demandt. Gezeigt werden die großen deutschen Renaissance-Maler und ihre Vorbilder. So treten berühmte Gemälde von Holbein dem Älteren, Burgkmair oder Holbein dem Jüngeren in einen Dialog mit Werken von Albrecht Dürer, Jan van Eyck oder Donatello.

Einen Ausgangspunkt habe die Renaissance in Augsburg genommen, das um 1500 als eines der führenden Kunstzentren nördlich der Alpen galt, erläuterte der Kurator der Ausstellung, Jochen Sander. So beginnt auch die Schau selbst mit einem Blick auf die Stadt Augsburg, zu erleben auch in digitaler Form.

"Unter den Künstlern dieser Zeit stechen die Kollegen und Konkurrenten Holbein der Ältere und Burgkmair der Ältere besonders hervor", erklärte Sander. "Ihre Werke stehen beispielhaft für die unterschiedlichen stilistischen Möglichkeiten der Renaissance-Malerei im Norden und beeinflussten auch nachfolgende Künstlergenerationen, wie die Werke von Holbein dem Jüngeren zeigen." Wie wegweisend dessen Auseinandersetzung mit der Kunst aus Augsburg war, lasse sich eindrücklich in seinem Frühwerk nachvollziehen.

"Holbein und die Renaissance im Norden", Städel Museum, Frankfurt am Main, bis 18. Februar 2024


Performa in New York

Zur zehnten internationalen Performa-Biennale sind ab Anfang November knapp drei Wochen lang Kunstperformances überall in New York City zu sehen. Einige der internationalen Künstlerinnen und Künstler, die für die Biennale Arbeiten produzieren, beispielsweise Marcel Dzama, Julien Creuzet oder Haegue Yang, arbeiten sonst selten mit performativem Schwerpunkt. Der Berliner Architekt Assaf Kimmel entwarf den diesjährigen kobaltblauen Performa-Hub, der sich an einer belebten Kreuzung zwischen Lower Manhattan, Broadway und Canal befindet. In dem modular aufgebauten Mehrzweckraum finden unter anderem Klanginstallationen, Künstlergespräche und Theateraufführungen statt. In der von Defne Ayas und Kathy Noble organisierten Veranstaltungsreihe "Protest and Performance: A Way of Life" werden Auftragsarbeiten gezeigt, die sich mit politischer Performance und den Überschneidungen zu Protestbewegungen auseinandersetzen. Zu den teilnehmenden Künstlern gehören Gregg Bordowitz und Pamela Sneed, Lonnie Holley, Göksu Kunak, Louis Chude-Sokei und Rabih Mroué. 

Performa-Biennale, verschiedene Orte in New York, bis 19. November


Ars-Viva-Preis in Ludwigshafen

Atiéna R. Kilfa beschäftigt sich in Fotos, Skulpturen und Videos mit der Wahrnehmung medialer Bilder. Daniel Lie schafft Zeichnungen, Installationen und Performances, die von Bakterien, Pflanzen oder Mineralien bevölkert sind. Caner Teker setzt sich in Performances und vor dem Hintergrund der Familiengeschichte mit der Verschränkung von Identität, Arbeit und Postmigration auseinander. Die Gruppenausstellung im Ludwigshafener Wilhelm-Hack-Museum stellt die drei Kunstschaffenden vor, die mit dem Ars-Viva-Preis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft im BDI ausgezeichnet wurden. 

"Ars Viva Preis", Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen, bis 10. Dezember


Bill Viola in Lüttich

Der US-Amerikaner Bill Viola gehört weltweit zu den anerkanntesten Videokünstlern - seine Werke werden in den größten Museen gezeigt. In Lüttich ist nun die erste Ausstellung von internationaler Tragweite in Belgien zu sehen. Unter dem Titel "Bildhauer der Zeit" zeigt das Museum La Boverie Werke aus den Jahren 1992 bis 2014 - den drei repräsentativsten Jahrzehnte des Künstlers.

Zwischen Lüttich und dem 72-jährigen Viola besteht eine besondere Beziehung. Der Künstler wurde 2010 zum Ehrendoktor der Universität ULiège ernannt, wo er auch Seminare und Workshops gab. Insgesamt sind 18 Werke in der Schau zu sehen, darunter die riesige Video- und Toninstallation "Tristan’s Ascension". Das mystische Werk dauert zehn Minuten und zeigt den Körper eines Mannes, der unter einem Wasserfall langsam ins Unendliche aufsteigt.

Viola, der als Pionier der Videokunst gilt, interpretiert in seinen Arbeiten die Zyklen von Leben, Tod und Wiedergeburt. Seine Bilder nennt er "visuelle Gedichte". Die letzte und jüngste Arbeit "Mary" des Künstlers stammt aus dem Jahr 2016, wie seine Frau Kira Perov sagte. Viola, der seit Jahren unter gesundheitlichen Problemen leidet, hat die Videodarstellung der Schmerzensmutter Maria als Dauerinstallation für die St. Paul’s Kathedrale in London geschaffen.

Für die riesigen Videoinstallationen der Schau, die bis zum 28. April läuft, musste das Museum für moderne und zeitgenössische Kunst teilweise völlig umgestaltet werden. 

"Sculptor of Time", La Boverie, bis 28. April 2024

Videokunst-Ausstellung von Bill Viola in Lüttich
Foto: Sabine Glaubitz/dpa

Videokunst-Ausstellung von Bill Viola in Lüttich


100 Jahre M.C. Escher in Rom 

Der niederländische Künstler M.C. Escher beeinflusst bis heute Popkultur und Werbung. Auch Mick Jagger stellte an den "Lieben Maurits" einst eine Anfrage zur Gestaltung eines Plattencovers. Escher erteilte ihm jedoch eine Absage.

Rom - Auf den Monat genau hundert Jahre ist es her, dass M.C. Escher (1898-1972) nach Rom kam. Nun wird der "Zeichner des Unmöglichen" in der italienischen Hauptstadt mit einer großen Ausstellung geehrt. Im Palazzo Bonaparte, einem Palast im historischen Zentrum, sind bis April nächsten Jahres 300 Werke des Niederländers zu sehen. Viele sind Klassiker geworden: Vögel, die zu Fischen werden, Treppen, die ins Unendliche gehen, Hände, die sich gegenseitig zeichnen. Ein Schwerpunkt liegt darauf, wie das Schaffen von M.C. (für Maurits Cornelis) Escher durch Italien geprägt wurde.

Der Niederländer - geboren 1898 in Leeuwarden, ganz im Norden seines Heimatlandes - kam schon in seiner Kindheit in den Süden, zusammen mit den Eltern. Nach der Schule und einem schnell abgebrochenen Architekturstudium reiste er mehrere Male allein durchs Land. Im November 1923 zog er nach Rom. Zusammen mit seiner Frau Jetta wohnte er im Stadtteil Monteverde Vecchio, oberhalb des Zentrums auf der anderen Seite des Tibers. In den Häusern dort lässt sich leicht nachvollziehen, wie die Leidenschaft für schier endlose Treppen entstand.

Im obersten Stock seines Hauses in der via Proerio zeichnete Escher eines seiner bekanntesten Bilder: ein Selbstbildnis mit Glaskugel in der Hand. In der Spiegelung sieht man einen sehr korrekt gekleideten Herrn mit Bart in seinem Atelier. Mehr als zehn Jahre verbrachten die Eschers in Rom, auch zwei Söhne kamen dort zur Welt. Mitte der 1930er zogen sie in die Schweiz, später nach Belgien und dann zurück in die Niederlande. Dort starb Escher 1972.

In der Ausstellung sind auch ein Spiegelkabinett im Escher-Stil und ein Nachbau des Ateliers in der via Proerio zu sehen. Zudem wird gezeigt, wie der Niederländer bis heute Popkultur und Werbung beeinflusst. Zu den Exponaten gehört auch ein Brief, mit dem er 1969 den Rolling Stones eine Absage erteilte: Mick Jagger hatte den "Lieben Maurits" gefragt, ob er das Cover für die Stones-Platte "Let it Bleeed" entwerfen wolle. Der Brief mit dem Nein an Jaggers Agenten schloss mit den Worten: "Bitte teilen Sie Herrn Jagger mit, dass ich für ihn nicht Maurits bin, sondern ganz herzlich: M.C. Escher".

"Escher", Palazzo Bonaparte, Rom, bis zum 1. April 2024

Journalistin besichtigt eine Installation in der Ausstellung des niederländischen Künstlers Maurits Cornelis Escher in Rom
Foto: Alessandra Tarantino/AP/dpa

Journalistin besichtigt eine Installation in der Ausstellung des niederländischen Künstlers Maurits Cornelis Escher in Rom 


Doug Aitken in Sindelfingen

Entfremdung, Isolation und die komplexen Beziehungen zwischen Mensch, Natur und Technik sind zentrale Themen im Werk von Doug Aitken. Im Schauwerk in Sindelfingen sind neben Lichtskulpturen verschiedene Videoinstallationen des US-Amerikaners zu sehen. Das jüngste Mehrkanal-Video "Wilderness“ (2022) zeigt Alltagsszenen am Strand zwischen Morgenrot und Anbruch der Nacht – von Aitken zu Beginn der Coronapandemie in der Nähe seines Hauses in Los Angeles gefilmt. Die KI-generierte Musik und die Montage vermitteln ein diffuses Gefühl von Bedrohung. 

"Return To The Real", Schauwerk Sindelfingen, bis 1. April 2024

"All doors open" 2019
Foto: Courtesy Doug Aitken

"All doors open" 2019