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Wohin am Wochenende?

Die Kunst der Woche in Erfurt, Köln, Leipzig, Mannheim, New York, Nürnberg, Potsdam und Salzburg


René Burri in Erfurt

Der Blick des berühmten Schweizer Fotografen René Burri (1933-2014) auf "Die Deutschen" ist Thema einer Ausstellung in der Kunsthalle Erfurt. Weltbekannt wurde er unter anderem mit Porträts von Künstlern wie Pablo Picasso (1881-1973) oder Jean Tinguely (1925-1991).

Burris Werkserie "Die Deutschen" wurde erstmals Anfang der 1960er-Jahre als Buch veröffentlicht. Burri hielt dafür die Kamera auf Ost- wie Westdeutschland. "Er ordnete und mischte seine ausgewählten Motive, stellte bewusst das eine neben das andere und kam so diesem geteilten Land und seinen Menschen erstaunlich nahe", schrieb dazu Kurator Daniel Blochwitz.

Burri zählt zu den bekanntesten Fotojournalisten des 20. Jahrhunderts. Viele Jahre war er Mitglied der berühmten Fotoagentur "Magnum". Besonders seine 1963 entstandenen Aufnahmen vom rauchenden Ernesto Che Guevara - dem damaligen kubanischen Industrieminister - fanden weite Verbreitung.

"René Burri: In Deutschland", Kunsthalle Erfurt, bis 11. Februar 2024

Bilder in der Ausstellung „René Burri: In Deutschland“ in der Erfurter Kunsthalle
Foto: Martin Schutt/dpa

Bilder in der Ausstellung „René Burri: In Deutschland“ in der Erfurter Kunsthalle


Art Cologne in Köln

Gut 1000 zeitgenössische und klassische moderne Kunstwerke können Besucher in den kommenden Tagen auf der Art Cologne betrachten und kaufen. Mit rund 170 Galerien sei man wieder so groß wie vor der Pandemie, sagte der Direktor der Kunstmesse, Daniel Hug. Die Messe ist bis Sonntag geöffnet.

"Man spürt in der Branche, dass das Interesse an Malerei wieder zunimmt", sagte Hug dem "Handelsblatt". "Sehr präsent sind Kunstwerke von Künstlerinnen sowie von LGBTQ, von Stimmen außerhalb des eurozentrischen Spektrums." Auch gegenständliche Malerei kehre zurück, NFT-Kunst habe sich dagegen verlangsamt.

Bei der renommierten Kunstmesse werden Preise bis zu knapp einer Million Euro aufgerufen. Mit der Kategorie "Kunst unter 5000 Euro" gibt es aber auch vergleichsweise erschwingliche Werke. Erstmals in diesem Jahr können sämtliche Kunstwerke auch schon im Vorfeld in einem Online-Katalog betrachtet werden.

Die Art Cologne ist die älteste Kunstmesse der Welt und gilt als größte deutsche Kunstmesse. Sie ging aus dem 1967 gegründeten Kölner Kunstmarkt hervor.

"Art Cologne", Köln, bis 19. November 

Einblick in die Kunstmesse "Art Cologne" 2022
Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Einblick in die Kunstmesse "Art Cologne" 2022


Evelyn Richter in Leipzig

In einer mehr als 50 Jahre umspannenden Schaffenszeit dokumentierte Evelyn Richter (1930–2021) ostdeutsche Lebenswelten kritisch wie empathisch. Die Ausstellung im MdbK Leipzig ist keine reine Retrospektive zur Fotografin, die hier vor allem als Fotobuchkünstlerin vorgestellt wird, sondern bezieht ihre Weggefährtinnen mit ein. Und auch die Fotografinnen Ursula Arnold und Eva Wagner-Zimmermann, die mit Richter an der HGB Leipzig studiert haben, und die Bildhauerin Christa Sammler sind mit Werken in der Ausstellung vertreten. 

"Evelyn Richter. Ein Fotografinnenleben", Museum der Bildenden Künste, Leipzig, bis 17. März 2024

Eva Wagner-Zimmermann, Angelika Dürrast, Evelyn Richter und Urula Arnold im Einsatz, Leipzig, 1953/54, Privatbesitz
Foto: Nachlass Eva Wagner-Zimmermann

Eva Wagner-Zimmermann, Angelika Dürrast, Evelyn Richter und Urula Arnold im Einsatz, Leipzig, 1953/54, Privatbesitz


Anna Uddenberg in Mannheim

Flughafenlounge? Fitnessstudio? Bootcamp für Manager? Humorvoll wie gnadenlos blicken die Werke der Schwedin Anna Uddenberg auf Fragen von Körperlichkeit, Gender und Warenästhetik im Zeitalter von Social Media und neoliberaler Selbstoptimierung. In der Kunsthalle Mannheim sind mittels 3-D-Drucker produzierte Objekte zu sehen, die wie Koffer, Möbelstücke oder Work-out-Apparaturen dazu angetan sind, menschliche Körper in bestimmte Haltungen und Posen zu zwängen. 

Anna Uddenberg "Premium Economy", Kunsthalle Mannheim, bis 21. April 2024

Anna Uddenberg, "Continental Breakfast", 2023, Ausstellungsansicht Meredith Rosen Gallery, New York
Foto: Courtesy Meredith Rosen Gallery, New York

Anna Uddenberg, "Continental Breakfast", 2023, Ausstellungsansicht Meredith Rosen Gallery, New York


Kunst und Unsichtbarkeit in New York

Manche möchten sich verstecken. Andere wollen von der Gesellschaft wahrgenommen werden. Die Gruppenschau "Going Dark" im New Yorker Guggenheim Museum untersucht das Spannungsverhältnis zwischen dem Wunsch nach Sichtbarkeit und dem Gegenteil: unsichtbar sein zu wollen. Kunstschaffende, so die Ausstellungsthese, verfolgen die gegenläufigen Ziele mit ähnlichen Mitteln, sie platzieren ihre Figuren im tiefen Schatten oder verschleiern die Wahrnehmung. Über 100 Werke von 28 Künstlerinnen und Künstlern sind zu sehen, darunter Sandra Mujinga, Faith Ringgold, Lorna Simpson oder Charles White. 

"Going Dark: The Contemporary Figure at the Edge of Visibility", Guggenheim Museum, New York, bis 7. April 2024

Sandra Mujinga, "Spectral Keepers", 2020
Foto: Courtesy Sandra Mujinga

Sandra Mujinga, "Spectral Keepers", 2020


Queere Kunst in Nürnberg

Feuerrote Haare, experimentelles Make-up, erotisch aufgeladene Bühnenshows: Der von David Bowie verkörperte Außerirdische Ziggy Stardust stand Pate für eine Gruppenschau um queere Identitäten in der Kunsthalle Nürnberg. In den Gemälden, Zeichnungen, Fotografien, Videoarbeiten, Skulpturen oder Installationen von 30 Kunstschaffenden geht es nicht zuletzt um den für die queere Community zentralen Dualismus aus politischem Kampf und Pop und Glamour. Neben jungen Kunstschaffenden sind auch Ikonen wie Katherine Bradford, Felix Gonzalez-Torres, Keith Haring, Cindy Sherman und Andy Warhol vertreten. 

"Who´s afraid of Stardust?", Kunsthalle Nürnberg, bis 11. Februar 2024

Katherine Bradford, "Sportsmen with Colored Socks", 2020
Foto: Jens Ziehe

Katherine Bradford, "Sportsmen with Colored Socks", 2020


Edvard Munch in Potsdam 

"Munch. Lebenslandschaft" ist der Titel und Programm der neuen Ausstellung im Potsdamer Museum Barberini. "Bei Munchs Bildern war die Natur stark eingebunden und Mit-Akteur", sagt Direktorin Ortrud Westheider. "Mit den Landschaften von Munch haben wir zum ersten Mal die Idee verbildlicht, dass im Kreislauf der Natur alles miteinander zusammenhängt." Zudem habe Munch über die Landschaften Gefühle sichtbar gemacht.

Zu erleben ist das etwa bei dem bekanntesten Werk des norwegischen Malers Edvard Munch (1863-1944): "Der Schrei". Es ist in der Ausstellung als frühe Lithographie zu sehen, die im Deutschen den Titel "Geschrei - Ich fühlte das große Geschrei durch die Natur" trägt.

Von Samstag, 18. November, bis zum 1. April sind im Museum Barberini 116 Werke des norwegischen Meisters zu sehen - Gemälde, Lithographien und Zeichnungen. In der ersten Ausstellung zu seinen Landschaftsdarstellungen geht es um die Naturräume Wald, Garten und Feld und die Sommerfrische am Strand. Dabei zeigt das Titelbild der Ausstellung "Sommernacht am Strand" eher die düsteren Stunden, wenn der Mond sich in den Wellen spiegelt.

In einem eigens geschaffenen "Raum im Raum" präsentiert das Museum Entwürfe von Munch, die in Deutschland zuletzt vor mehr als 100 Jahren bei der Ausstellung der Berliner Secession gezeigt wurden. Der große Erfolg der unvollendeten Skizzen auf der Berliner Ausstellung überzeugte dann eine Jury, so dass Munch die Bilder für die Aula der Osloer Universität malen durfte.

Die monumentalen Entwürfe mit bis zu sechs Metern Länge thematisieren die Interaktion zwischen Mensch und Natur und die Erforschung der Natur durch den Menschen. Das größte Gemälde zeigt die Sonne als Quell eines Lebens, die auch auf weitere Werke abstrahlt.

"Munch. Lebenslandschaft", Museum Barberini, Potsdam, 18. November bis 1. April 2024

Pressetermin im Museum Barberini, Vorstellung "Munch. Lebenslandschaft"
Foto: Jens Kalaene/dpa

Pressetermin im Museum Barberini, Vorstellung "Munch. Lebenslandschaft"


Maria Bartuszová in Salzburg

In Naturbeobachtungen, persönlichen Erfahrungen und Transformationsprozessen fand die tschechische Bildhauerin Maria Bartuszová (1936–1996) die Inspiration für ihre abstrakten Skulpturen. Das Museum der Moderne in Salzburg präsentiert nun die erste Werkschau der Künstlerin im deutschsprachigen Raum. Gezeigt werden ihre taktilen Skulpturen und großformatigen Reliefs – eine seltene Gelegenheit, Bartuszovás in Westeuropa noch wenig bekanntes Schaffen zu entdecken. 

"Maria Bartuszová", Museum der Moderne, Salzburg/ Möchsberg, bis 7. Januar 2024

Maria B, "Untitled", 1970
Foto: Museum der Moderne Salzburg

Maria Bartuszová, "Untitled", 1970