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Urban Artist Gjennestad über den Kunstmarkt

Zwischen Straße und Galerie

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Street-Art ist heute auch ein Business: Der Londoner Händler Steve Lazarides zum Beispiel hat gerade angekündigt, den Preis für eine Leinwand von Banksy auf 2,5 Millionen Dollar zu treiben. Wir fragten den in Berlin lebenden Norweger Anders Gjennestad, wie bei ihm Urban Art und Galerie zusammenkommen

Herr Gjennestad, in welchem Verhältnis stehen für Sie Arbeiten, die Sie für den Kunstmarkt produzieren, und Urban Art im klassischen Sinne, die auf der Straße, für die Straße entsteht?
Ich schneide meine Schablonen nach eigenen Fotos mit der Hand und nutze sie dann mehrfach: dreimal für Werke, die ich in Galerien präsentiere, und meistens
nur einmal draußen an den Wänden verlassener Häuser. Ich ziehe viel Energie und Inspiration aus der Arbeit draußen fürs Malen im Atelier. Ich arbeite nie auf konventionellen Untergründen wie Leinwand oder Papier, sondern sprühe meine Figuren auf Objekte, die ich an verlassenen Orten finde: Bretter, Schilder, Türen.

Wann waren Sie zuletzt draußen mit Ihren Stencils?
Vor ein paar Wochen. Ich sprühe nie auf der Straße, sondern fahre mit Freunden in die Berliner Umgebung zu ehemaligen Fabriken, leer stehenden Häusern. Ich mag es, wie die alten Mauern eine Geschichte erzählen.

Auf Ihrer Website unterteilen Sie Ihre Arbeiten nach den Kategorien "drinnen" und "draußen". Könnte man dazu auch sagen: Werke, mit denen Sie Geld verdienen, und Werke, die kein Geld bringen?
Nein, der Unterschied liegt vor allem in der Größe der Arbeiten und in ihrer Umgebung. Draußen male ich auf Oberflächen, die verfallen, die sich im Laufe der Zeit verändern. Für meine Galeriearbeiten achte ich dagegen darauf, dass die Materialien, die ich nutze, nicht noch weiter verwittern.

Seit wann verdienen Sie Geld mit Ihrer Kunst?
Seit ungefähr zehn Jahren. Damals hat mich eine Galerie in Oslo zu einer Ausstellung eingeladen – und der Verkauf lief gut. Seitdem kann ich mich auf meine Kunst konzentrieren. Vorher habe ich Geld damit verdient, für Musikvideos oder Werbespots zu malen. Jetzt entscheide nur noch ich über meine Arbeit – das genieße ich sehr. Ich bin in der glücklichen Position, mir ein Atelier, die Materialien, die Infrastruktur für meine Kunst leisten zu können. Ansonsten denke ich gar nicht so viel über Geld nach.

Im vergangenen Jahr haben Sie sich für ein Kunstprojekt auf Sumatra engagiert, das auf Umweltzerstörungen durch Palmölplantagen aufmerksam macht.
Die Initiative "Splash & Burn" in Indonesien hat ein Freund von mir, der Künstler Ernest Zacharevic, gestartet. Er ist bekannt für seine Murals und lebt in Malaysia. Auch dort sind die Probleme durch den Palmölanbau zu spüren: Der Regenwald wird abgeholzt, bedrohte Tiere verlieren ihre Lebensräume. Darauf macht "Splash & Burn" mit Kunst im öffentlichen Raum aufmerksam. Künstler wie Axel Void, Isaac Cordal, Pixel Pancho und ich unterstützen das gern mit unserer Arbeit.

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