Alfredo Jaar

Ein Quadratmeter Gefängnis

Im nordenglischen Yorkshire Sculpture Park stehen seit dieser Woche neun Stahlzellen im Wald und Wasser. Der chilenische Künstler Alfredo Jaar will, dass Besucher darin über das Privileg der Freiheit nachdenken

Die Aktion war lebensgefährlich. Trotzdem fragte der 1956 in Santiago de Chile geborene Alfredo Jaar nach der Gefühlslage seiner Landsleute und platzierte den Satz "Sind Sie glücklich?" im öffentlichen Raum. Nachdem Jaar 1981 das von einer Militärjunta regierte Land verlassen hatte, stellte der Wahl-New-Yorker immer wieder Fragen nach der Wirklichkeit und Wirkung von Bildern.

So zeichnet er mit Neonarbeiten Flüchtlingsrouten nach, hat für den chilenischen Pavillon auf der Venedig-Biennale ein Modell der Giardini wie Atlantis in trübem Wasser untergehen und wieder auftauchen. Seine Projektion "One Million Points of Light" zeigt schlicht eine glitzernde Meeresoberfläche, doch die Million, so der Begleittext, bezieht sich auch auf all die Menschen, die als Sklaven über den Atlantischen Ozean verschleppt wurden.

Im Yorkshire Sculpture Park im nordenglischen Wakefield wurde jetzt eine neue monumentale Arbeit des Künstlers enthüllt: "The Garden of Good and Evil" besteht aus neun Stahlzellen, die im Wald und im See installiert sind. Sie sollen an die "Black Sites" der CIA erinnern, geheime, inoffizielle US-Gefängnisse auf fremden Staatsgebiet. Alle Zellen sind ein Quadratmeter groß, ein Verweis auf das Gedicht "One Square Metre of Prison", 1986 von Mahmoud Darwish verfasst. Der palästinensische Dichter und Aktivist verbrachte einen großen Teil seines Lebens im Gefängnis, auch in Einzelhaft.

Yorkshire Sculpture Park sind die Besucher eingeladen, in diesen Zellen und mit diesen Zeilen "über das Konzept und das Privileg von Freiheit" nachzudenken, wie es im Pressetext heißt. Wie frei sind wir? Auf wessen Kosten? Und sind wir glücklich?