Hochschule in Berlin

Angeblich sexistisches Gedicht wird doch übermalt

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Nach Studenten-Protesten gegen ein angeblich sexistisches Gedicht von Eugen Gomringer wird die Alice Salomon Hochschule in Berlin-Hellersdorf eine Fassade neu gestalten. Der Dichter ist empört

Der Akademische Senat beschloss am Dienstag mehrheitlich, dass ab Herbst 2018 Verse der neuen Poetik-Preisträgerin Barbara Köhler auf die Hauswand im Stadtteil Hellersdorf gemalt werden. Künftig soll alle fünf Jahre der Text eines neuen Poetik-Preisträgers an der Fassade stehen.

Studierende empfanden den Inhalt von Gomringers Gedichts "avenidas" als diskriminierend. Moniert wird unter anderem "ein Mann, der auf die Straßen schaut und Blumen und Frauen bewundert". Das reproduziere eine "klassische patriarchale Kunsttradition", in der Frauen ausschließlich die schönen Musen seien.

Gomringer selbst erlebe die Forderung nach einer Entfernung der Inschrift so, als wolle man eine ganze Lyrikreihe und Kunst "wegsäubern", sagte er in einem Interview. "Diese Gendersprache und politische Korrektheit, das hat eigentlich mit diesem Gedicht, meine ich, gar nichts zu tun", sagte der Autor.

In Briefen hätten sich auch Frauen positiv über das Gedicht geäußert. Die Auswahl des Textes habe die damalige Hochschulleiterin getroffen. Der Geschäftsführer des Kulturrats, Olaf Zimmermann, sagte der dpa: "Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass eine Hochschule, die selbst Nutznießer der Kunst- und Wissenschaftsfreiheit ist, dieses Recht dermaßen mit Füßen tritt."

Die Bildungseinrichtung will Gomringers Wunsch entsprechend auf einer Tafel in Spanisch, Deutsch und Englisch an das Gedicht und die Debatte darum erinnern. Die staatliche Alice Salomon Hochschule ist eine Hochschule für Soziale Arbeit, Gesundheit und Erziehung.

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