Wales

Garagenbesitzer verkauft Banksy-Werk für sechsstellige Summe

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Wenn Banksy auf deiner Garage ein Werk sprüht, kann das Fluch und Segen sein: Nach stressigem Rummel hat ein walisischer Stahlarbeiter ein Wandbild des Streetart-Künstlers für eine sechsstellige Summe verkauft

Der Käufer und Galerist John Brandler aus der südostenglischen Grafschaft Essex will das Kunstwerk zunächst mindestens für zwei Jahre in Port Talbot lassen, um den Tourismus in der strukturschwachen Industriestadt anzukurbeln, wie britische Medien am Freitag berichteten. Zudem erwäge er eine Ausstellung mit weiteren Werken des anonymen Künstlers. "Wenn wir alle zusammenarbeiten, denke ich, dass wir Menschenmassen nach Port Talbot bringen können", wurde Brandler zitiert.

Das Graffiti war kurz vor Weihnachten an der Garagenwand eines Stahlarbeiters aufgetaucht. Darauf zu sehen ist ein kleiner Junge mit einem Schlitten, der mit ausgebreiteten Armen und herausgestreckter Zunge vermeintliche Schneeflocken auffängt. Blickt man um die Ecke, wird klar, dass es sich nicht um Schnee, sondern um einen Ascheregen aus einem brennenden Container handelt, der auf den Jungen herabrieselt. In Port Talbot steht das größte Stahlwerk Großbritanniens.

20.000 Menschen sollen schon zur Garage gepilgert sein, um sich das Werk anzusehen, einige davon mit Hammer und Meißel ausgestattet, um es abzuklopfen. Für den Garagenbesitzer Ian Lewis war dieser Andrang "sehr surreal und stressig." Deshalb sei er jetzt sehr erleichtert, so der Arbeiter, dass er dieses "Gewicht auf seinen Schultern" los sei.

Laut Brandler habe Lewis höhere Angebote abgeschlagen und sei nur deshalb auf seine Offerte eingegangen, weil das Werk so in Talbot bleibe. Der Galerist will es aber an einem anderen Ort, ins Zentrum der Stadt bringen, wo der Besucheransturm niemanden störe.

Die Behörden in Japan rätseln unterdessen, ob ein zum Jahresende in Tokio aufgetauchtes Graffiti ebenfalls aus Banksys Hand stammen könnte. Das Werk an einem Bahnhof der japanischen Hauptstadt zeigt eine Ratte mit Regenschirm und Tasche. "Wir haben dieses Bild einer hübschen Ratte gefunden, bei dem es sich um ein Werk von Banksy handeln könnte", schrieb die Gouverneurin der Präfektur Tokio, Yuriko Koike, am Donnerstag bei Twitter. Sie mutmaßte, es könne sich um ein Geschenk des Künstlers an die Stadt handeln.

Eigentlich sei Graffiti-Sprühen inakzeptabel, zitierte die japanische Nachrichtenagentur Kyodo am Freitag einen Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Sollte es sich aber um ein authentisches Werk des Künstlers handeln, müsse es bewahrt und geschützt werden.

Banksys Identität gibt weiter Rätsel auf. Bekannt ist, dass er aus Bristol stammt und Ende der 90er-Jahre nach London kam. Einen Namen machte er sich mit seinen gesellschaftskritischen und meist kontroversen Motiven. Seine Graffitti erscheinen meist überraschend, manchmal gibt er Hinweise auf seine Urheberschaft.

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