Art-Cologne-Chef Hug im Interview

"Künstler brauchen Galerien"

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Seit 2009 leitet der Amerikaner Daniel Hug die Art Cologne – und verteidigt das klassische Galeriengeschäft gegen die neuen Player im Auktionsmarkt

Herr Hug, die Art Cologne wird 50. Was waren aus Ihrer Sicht die wichtigsten Wendepunkte in der Geschichte der Messe?
Tja, wo soll man da anfangen? Zum Glück geben wir jetzt zusammen mit dem Verlag Walther König und dem Zentralarchiv des internationalen Kunsthandels ein Buch heraus, in dem Jahr für Jahr die Geschichte der Messe erzählt wird, vom Kölner Kunstmarkt, wie sie anfangs hieß, bis zur Art Cologne.

Ikonisch das Bild, auf dem Joseph Beuys und andere Künstler Einlass zum Kölner Kunstmarkt begehren.
1969 fand die Messe in der Kölner Kunsthalle und im historischen Festhaus Gürzenich statt, und zur Vorbesichtigung waren keine Künstler eingeladen. Die klopften dann während der Pressekonferenz an die Tür, bis Rudolf Zwirner, Miterfinder der Messe, die Tür öffnete. Vergessen Sie nicht, dass die Art Cologne die erste Kunstmesse der Welt war. Da musste viel Pionierarbeit geleistet werden. Nicht nur am Anfang, auch noch später, in den 80er-Jahren etwa mit der Einführung der New Positions, der Förderkojen für junge Künstler.

Sie haben die Art Cologne 2009 übernommen. Haben Sie sich gefragt, ob Sie die Messe regionaler aufstellen sollten?
Aber die Art Cologne hatte immer auch einen regionalen Fokus! Im ersten Jahr waren es 18 deutsche Galeristen. Zwirner, der die amerikanische Pop-Art in Deutschland vertrat, wollte natürlich nicht Leo Castelli einladen, der einen besseren Zugang zu Pop-Art-Exponaten hatte. Heute kommt zwar fast die
Hälfte aller Teilnehmer der Art Cologne aus dem Ausland. Viele der ausstellenden deutschen Galerien vertreten aber auch Künstler, die ebenfalls von amerikanischen Galerien repräsentiert werden. Es macht keinen Sinn, dass wir jetzt all diese Amerikaner auch noch nach Köln holen.

Aber zu Ihren größten Innovationen zählt, dass Sie die amerikanische Galeristenvereinigung Nada mit ins Boot geholt haben. Hat sich das bewährt?
Mein Vorgänger Gérard Goodrow hatte den Open Space geschaffen, eine Art Messe in der Messe. Den Bereich fand ich am interessantesten, wollte aber die dort ausstellenden Galerien lieber auf die Hauptmesse bringen. Mit der Nada habe ich einen Dialog geschaffen mit jüngeren Galerien aus den USA. Das klappt gut.

Wie schauen die internationalen Galeristen auf die Art Cologne?
Es hat sich herumgesprochen, dass sich die Verkäufe im Verhältnis zu den Standkosten auszahlen, besonders wenn zwei Galerien sich einen Stand teilen oder sie in der Sektion New Contemporaries ausstellen mit den Förderkojen für junge Galerien. Es gibt Sammler in Deutschland, die sehr engagiert sind, was junge Kunst betrifft.

Welche Verschiebungen auf dem Kunstmarkt haben Sie in den Jahren als Messechef beobachten können?
Als ich nach Köln kam, schwächelte der Markt für Kunst der klassischen Moderne, und die Preise für deutsche Nachkriegskunst stiegen rasant. 2009 konnte man auf der Art Cologne ein Nagelbild von Günther Uecker noch für 40.000 Euro kaufen, ein paar Jahre später waren es dann schon 800.000, und jetzt kosten gute Exponate über eine Million. Der Markt für Gegenwartskunst hat sich nach dem Einbruch 2008 schnell erholt. Vor zwei Jahren dann musste man sich wundern, dass ein abstraktes Bild von einem gehypten Jung star für den gleichen Preis verkauft wurde wie ein Bild von einem Künstler der klassischen Moderne.

Dahinter stecken Käufer, die mit der Kunst spekulieren. Können deren Aktivitäten die Arbeit von Galerien und Messen gefährden?
Spekulanten gab es immer, die gehören dazu. Es ist nur mit dem Internet alles schneller geworden. Aber letztlich geht es ja nicht nur um Bilder, sondern Künstler brauchen Ausstellungen – also Galerien. Und es sind auch die Kunsthändler, die private sales organisieren, ein Geschäft, in das die Auktionshäuser
drängen, weil es so einträglich ist. Das sieht man etwa daran, dass Sotheby’s für 85 Millionen Dollar die Kunstberatungsfirma von Amy Cappellazzo gekauft hat. Auktionshäuser kaufen mittlerweile auch direkt bei Künstlern Gegenwartskunst, sind dann aber auf den Auktionen gefloppt. So macht man das eben nicht. Das sollte man den Galerien überlassen.

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