Nachlass-Sicherung

Deutsches Fotoinstitut: Kommission empfiehlt Essen als Standort

Essener Wahrzeichen: Die Zeche Zollverein
Foto: Thomas Wolf / Wikimedia Commons

Essener Wahrzeichen: Die Zeche Zollverein

Kommt das nationale Fotoinstitut nach Düsseldorf oder doch nach Essen? Eine Expertenkommission hat sich für die Ruhrgebietsstadt ausgesprochen. Düsseldorfs Oberbürgermeister hält jedenfalls dagegen

Nach Meinung einer Expertenkommission sollte das geplante neue Bundesinstitut für Fotografie in Essen angesiedelt werden. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) will mit einer solchen Einrichtung dafür sorgen, dass zum Beispiel Nachlässe wichtiger Fotografinnen und Fotografen in Deutschland gesichert werden.

Schriftlich beworben hätten sich Düsseldorf, Essen und Ulm. "Im Ergebnis sprechen sich die Profis hier für Essen aus", sagte Grütters am Dienstag in Berlin. Sie hatte das Gremium im Sommer berufen.

Die Kommission favorisiert damit einen anderen Standort als in einem Parlamentsbeschluss angedacht. Der Haushaltsausschuss des Bundestags hatte im November 41,5 Millionen Euro für den Bau eines Fotoinstituts eingestellt - mit dem Standort Düsseldorf. Stadt und Land sicherten damals eine Kofinanzierung zu.

"Ein bisschen irritierend"

Der Beschluss sei eine "unerwartete Schützenhilfe", aber auch "ein bisschen irritierend" gewesen, sagte Grütters. Der Ausschuss habe leider nicht das Expertenvotum abgewartet, das bedauere sie. Sie halte es bei Projekten, für die Bundesgelder ausgegeben werden sollten, für seriös, die Meinung von Experten zu hören,

Grütters kündigte an, eine Machbarkeitsstudie für den Standort Essen in Auftrag zu geben. Aus Sicht der Kommission eignet sich die Stadt, weil sich dort bereits mehrere Einrichtungen mit Fotografie beschäftigen. Ein Gelände gebe es auf dem Campus Zeche Zollverein.

Grütters sagte, sie habe mit NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) gesprochen und sei zuversichtlich, dass sie die zugegebenermaßen "etwas knifflige politische Aufgabe" lösen könnten.

In einer Stellungnahme äußerte sich Pfeiffer-Poensgen erfreut darüber, dass nun feststehe, dass das künftige Deutsche Fotoinstitut nach Nordrhein-Westfalen komme. "Sowohl Essen als Empfehlung der Experten-Kommission wie auch Düsseldorf sind hervorragende Orte für ein solches nationales Institut", hieß es. Man werde das Gutachten jetzt sorgfältig auswerten und zügig mit dem Bund in Gespräche zum weiteren Vorgehen einsteigen.

Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) verwies auf einen "eindeutigen Beschluss" des Haushaltsausschusses des Bundestages und einen einstimmigen Beschluss des NRW-Landtags, dass das Fotoinstitut in Düsseldorf geschaffen werden solle. "Dies sollte in einer Demokratie mehr zählen, als die Empfehlung einer Expertenkommission", sagte Geisel. Wer bereits getroffene Beschlüsse wieder infrage stelle, gefährde die zügige Umsetzung des Projekts. 

"Über die Empfehlung freuen wir uns sehr", erklärte die Sprecherin der Stadt Essen, Silke Lenz. "Mit den Institutionen Museum Folkwang, Ruhr Museum, der Krupp-Stiftung und der Folkwang Universität der Künste gibt es eine große Expertise und ein großes Know-how in Essen und natürlich bereits eine hervorragende Sammlung an Fotografien, unter anderem der Industriefotografie."