München

Die Lage ist ernst am Haus der Kunst

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Das Haus der Kunst in München sagt "aus Kostengründen" die wichtigen Retrospektiven von Joan Jonas und Adrian Piper ab und zeigt stattdessen nach Immendorff eine große Lüpertz-Schau. Trifft der kaufmännische Direktor Bernhard Spies nach dem Weggang von Okwui Enwezor die richtigen Entscheidungen? Ein Kommentar

Der Künstler Markus Lüpertz, an seinem Stock mit Totenkopf-Knauf als einer der letzten Vertreter der Gattung "Malerfürst" erkennbar, macht sich anderen gern selbst zum Geschenk – gefragt und ungefragt. In Karlsruhe stattet er jetzt anlässlich des 350. Stadtjubiläums sowie des eigenen 75. Geburtstages sieben U-Bahnhaltestellen großflächig mit Keramiken aus, die die biblische Schöpfungsgeschichte darstellen. Dass Kritiker wie der ZKM-Direktor Peter Weibel solche christliche Symbolik nicht unbedingt geeignet halten für die Ausstattung des öffentlichen Raumes des 21. Jahrhunderts, ficht ihn nicht an, und auch nicht der Protest gegen die Tatsache, dass der Oberbürgermeister die Entscheidung für dieses Werk geschickt an den üblichen mit Kunst im öffentlichen Raum befassten Gremien der Stadt vorbei lenkte. Bezahlt werden die Großkeramiken, die der Staatlichen Majolika Keramik Manufaktur die Bilanzen aufbessern, von privaten Sponsoren.

Doch offensichtlich wollte Lüpertz seinen Geburtstag gern noch ausgiebiger feiern: mit einer Retrospektive in einem großen deutschen Ausstellungshaus zum Beispiel. Und siehe da: Im Ausstellungsprogramm des Münchner Haus der Kunst taucht sein Name auf, ab September soll die von der freien Kuratorin Pamela Kort betreute Schau "Die Zone der Malerei" den Ostflügel des Hauses bespielen.

In der Januarausgabe von Monopol und jetzt ausführlich in der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstagausgabe) weist der Kritiker Jörg Heiser darauf hin, dass die Lüpertz-Schau eine Lücke füllt, die durch eine Absage entstanden ist: Eigentlich hatte Okwui Enwezor, als Direktor des Hauses der Kunst im vergangenen Juni krankheitsbedingt ausgeschieden, die große Retrospektive von Adrian Piper aus dem New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) übernehmen wollen. Doch der kaufmännische Direktor Bernhard Spies, der im Haus der Kunst jetzt die Entscheidungen trifft, hat die Ausstellung abgesagt, genau wie 2018 die Joan Jonas Ausstellung aus der Londoner Tate. Zur Begründung hieß es, das Haus habe nicht über entsprechende liquide Mittel verfügt, um die Ausstellungen durchzuführen. Erstaunlich nur, wundert sich Heiser, dass entsprechende Mittel für eine Lüpertz-Ausstellung dagegen vorhanden sind.

Seine Recherche führt ihn zu dem Kunstmanager Walter Smerling, Chef der Stiftung für Kunst und Kultur e.V. Bonn, der das Geld für die Lüpertz-Schau aufzutreiben plant. Smerling, ursprünglich Journalist, heute als schwer durchschaubare Figur zwischen Management, Kunstberater und Kurator aktiv, hat 2009 unter anderem die Großausstellung "60 Jahre, 60 Werke" im Berliner Gropius-Bau  kuratiert, die in Kooperation mit der Bild-Zeitung die Geschichte der Bundesrepublik populistisch als Abfolge von Meisterwerken feierte, hervorgebracht von einer westdeutschen Männerriege. Und 2012 brachte er die Kritiker in Rage, als er an der damals noch von Robert Fleck geleiteten Bundeskunsthalle in Bonn eine Anselm-Kiefer-Schau nur mit Werken aus der Privatsammlung des umstrittenen Sammlers Hans Grothe organisierte. Grothe hatte sich vorher unbeliebt gemacht, weil er Leihgaben aus dem Bonner Kunstmuseum abgezogen und versilbert hatte. Und wer war Geschäftsführer an der Bundeskunsthalle, als Smerling die skandalöse Kiefer-Ausstellung kuratierte? Bernhard Spies.

Die Lage ist ernst am Münchner Haus der Kunst. Noch ist das Gesamtprogramm durchaus von der "reichhaltigen Diversität" geprägt, wie es in der Jahresvorschau angekündigt wird: Geplant sind unter anderem Ausstellungen von El Anatsui, Miriam Cahn und Theaster Gates, im Januar beginnt die Saison mit einer Installation von Raphaela Vogel. Aber mit den Absagen an die Tate und an das MoMA hat das Haus innerhalb kurzer Zeit gleich die zwei wichtigsten internationalen Museen düpiert. Ein neuer Direktor und ein neues Konzept sind nicht Sicht – stattdessen stehen nun Walter Smerling und Markus Lüpertz vor der Tür. Das Münchner Haus der Kunst hat lange an seinem internationalen Ruf als erstklassiges Ausstellungshaus gearbeitet. Es sollte ihn nicht verspielen.

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