Bezirksamt Lichtenberg verspielt kulturelles Kapital

Haubroks Berliner "Fahrbereitschaft" von Schließung bedroht

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Die "Fahrbereitschaft" des Sammlers Axel Haubrok in Berlin-Lichtenberg ist eines der innovativsten Kunstprojekte der Stadt. Doch eine ignorante Bezirkspolitikerin lässt es an die Wand fahren

In Lichtenberg, auf einem Gelände, das früher die Fahrbereitschaft der Stasi beherbergte, zeigt das Ehepaar Haubrok hochkarätige Ausstellungen aus seiner Sammlung, und es bietet Künstlern und Kreativen auf dem Gelände dringend benötigte Atelierräume zu sehr moderaten Mieten. So ist es Axel Haubrok gelungen, in dem Berliner Stadtteil ein ein vitales Kunstzentrum zu schaffen – ein Musterbeispiel privaten Engagements, und nichts weniger als ein Lebenswerk für das Ehepaar Haubrok.

Seit langem führt Haubrok allerdings Auseinandersetzungen mit dem Stadtentwicklungsamt des Bezirksamts Lichtenberg, das die Nutzung des Gewerbegeländes für Ausstellungen nicht tolerieren möchte. Und jetzt kam ein weiterer Bescheid. "Rechtzeitig vor der Eröffnung des Gallery Weekends hat mir das Stadtentwicklungsamt des Bezirksamt Lichtenberg bei Androhung einer Strafe von 500.000 Euro untersagt, weitere Ausstellungen durchzuführen", erklärt der schockierte Axel Haubrok. Im amtlichen Schreiben heißt es: "Diese Art der Veranstaltungen - Kunstaustellungen/Galerien, etc. -  sind auf o. g. Grundstück bauplanungsrechtlich nicht zulässig und damit auch nicht genehmigungsfähig." Die gerade eröffnete Ausstellung "paperwork" wäre demnach die letzte in Lichtenberg.

Verantwortlich ist offenbar Bezirksstadträtin Birgit Monteiro (SPD), die über ihren Referenten verlauten lässt, Ausstellungen seien in dem betreffenden Gewerbegebiet nicht zulässig. "Der Sinn dieser eingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten ist, dass das produzierende Gewerbe als der Arbeitsplatzmotor in Berlin geschützt wird. Ausstellungen in einem Gewerbegebiet bringen erhebliche Nachteile für die emissionsintensiven Gewerbe im Umfeld. Es ist mit erheblichen Bodenwertsteigerungen zu rechnen, so wie es in den Innenstadtbezirken bereits erfolgt ist ('Gentrifizierung'). Das Bezirksamt sieht sich hier in der Pflicht, die vorhandenen Arbeitsplätze zu schützen", so schreibt Monteiros Referent an Monopol.

Dem Gentrifizierungsvorwurf setzt Haubrok entgegen, dass er selbst auf dem Gelände die niedrigen Mieten für die Ateliers garantiert. Wenn er und auch seine Mieter allerdings nicht mehr ausstellen dürfen, wären die Künstler und Kreativen allerdings die billigen Räume wohl bald los.

Der Berliner Kultursenator Klaus Lederer kritisierte im Interview mit Monopol das Vorgehen des Lichtenberger Bezirksamtes scharf: "Direkt vor dem Gallery Weekend diese Anordnung herauszuschicken, ist eine Provokation, so gießt man Öl ins Feuer", sagt er. Er unterstütze die "Fahrbereitschaft" voll und ganz. Jedes Gewerbe müsse seine Produkte auch ausstellen dürfen, und das Amt habe durchaus Spielräume. Er sei allerdings als Kultursenator in dem Fall nicht weisungsbefugt. Er werde sich aber dafür einsetzen, dass das Problem kooperativ gelöst werde.

Wer genau aber der offenbar kunstfeindlichen Lichtenberger Bezirksstadträtin Birgit Monteiro beibringen kann, welches kulturelle Kapital sie da gerade verspielt, ist komplett unklar. Es könnte sein, dass hier eine ignorante Bezirkspolitikerin ein Projekt buchstäblich an die Wand fahren lässt, nach dem sich jenseits der Grenzen Lichtenbergs viele Leute die Finger lecken.

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