Alexanderplatz

DDR-Fries am ehemaligen Pressecafé Berlin freigelegt

Am einstigen Pressecafé am Berliner Alexanderplatz ist nach fast 30 Jahren wieder ein Wandfries von Künstler Willi Neubert zu sehen

Das Werk mit dem Namen "Die Presse als Organisator" entstand zwischen 1969 und 1973 im Auftrag des Berliner Verlages, welcher zu diesem Zeitpunkt noch im zum Café gehörigen Gebäudekomplex am Alexanderplatz saß. Es sollte die Verlags- und Redaktionsarbeit thematisieren und steht im Kontext mit den Wandbildern am nahen Haus des Lehrers und dem Haus des Reisens.

Diese "gehören zu den herausragenden Arbeiten baugebundener Kunst in der DDR. Ihre Schöpfer, die vielfach ausgezeichneten 'Staatskünstler' Walter Womacka und Willi Neubert, sind untrennbar mit der Bildenden Kunst der DDR der 1960er- und frühen 1970er-Jahre verbunden; sie haben insbesondere auch die Geschichte der Kunst am Bau der DDR wesentlich mitgeprägt. Die Bildwerke sind integrale Bestandteile der bildkünstlerischen Konzeption für den Alexanderplatz; als solches reihten sie sich zur Zeit ihrer Erbauung harmonisch in die gesamte künstlerische Gestaltung des neuen Stadtzentrums der DDR-Hauptstadt ein" – so steht es im Bericht des Landesdenkmalamtes Berlin von 2013.

Dennoch wurde der Fries 1992 wenig malerisch hinter einem Holzverschlag und der Leuchtreklame einer Steakhouse-Kette verborgen, die den Flachbau pachtete. Die Verdeckung ist durchaus politisch zu lesen – das sozialistisch geprägte Wandbild sendete in der frisch wiedervereinigten Bundesrepublik eine eher ungern gesehene Botschaft. 2015 kam aber, motiviert durch die Planungen zur Umgestaltung des Alexanderplatzes und mit dem vorangegangen Gutachten des Landesdenkmalamts als Grundlage, der Beschluss, die gesamte Baueinheit inklusive Kunstwerk unter Denkmalschutz zu stellen. Im folgenden Jahr kaufte das Immobilienunternehmen Tishman Speyer das Gebäude und begann mit umfangreichen Renovierungen, die auch nach dem Weiterverkauf an die GEG German Estate Group AG, Frankfurt, fortgeführt wurden. Nach Fertigstellung sollen die Räumlichkeiten wieder an Unternehmen vermietet und das Pressecafé erneut von Gastronomen betrieben werden.

Teil der Renovierungen war auch die detailgetreue Restauration des Wandfrieses, welches nun endlich von Neuem in seiner vollen Pracht enthüllt wurde. So kann man die 76 Meter langen und 3,50 Meter hohen Darstellungen jetzt vor Ort betrachten. Zu sehen sind unter anderem technische redaktionelle Abläufe, ein Porträt von Karl Marx und Journalisten mit Druckerzeugnissen in ihren Händen.