Courbet-Zensur

Gericht weist Klage gegen Facebook ab

ANZEIGE

Ein französisches Gericht hat die Klage des Lehrers Frédéric Durand gegen Facebook abgewiesen. Das soziale Netzwerk hatte dessen Profil gesperrt, nachdem er Gustave Courbets Gemälde "L'Origine du monde" hochgeladen hatte

Der Lehrer, der 2011 die berühmte Abbildung des weiblichen Genitalbereichs aus dem Jahr 1866 gepostet hatte, wollte Facebook wegen Zensur belangen und 20.000 Euro Schadenersatz von dem kalifornischen Internetriesen. Das Gericht sah jedoch nicht genug Beweise, dass die Löschung des Kontos aufgrund des Postings erfolgt ist. Außerdem sei der Schaden nicht groß gewesen, da Durand problemlos ein neues Konto einrichten konnte.

Der Lehrer sah indes im Löschen seiner Timeline einen Schaden, da er dort seine Liebe zur Kunst dokumentiert habe wie in einem Tagebuch. Auch sei sein Ruf durch die Löschung beschädigt worden, so seine Anwältin zu "Artnet News", da er öffentlich als jemand beurteilt wurde, der "nicht anständig genug" sei für die sozialen Medien.

Delphine Reyre, Facebooks PR-Chefin in Frankreich und Europa, sagte am Dienstag in einem Statement: "Wir nehmen die Entscheidung von heute zur Kenntnis und wollen alle daran erinnern, dass 'Der Ursprung der Welt' ein Gemälde ist, das einen absolut zulässigen Ort auf Facebook hat."

Facebook hatte sich fünf Jahre vor dem Gerichtstermin gedrückt mit der Begründung, dass das Pariser Gericht nicht zuständig sei. Der Lehrer habe die Nutzungsbedingungen eines kalifornischen Unternehmen akzeptiert, also müsse die Verhandlung in den USA stattfinden. Erst 2016 kamen Richter und ein Berufungsgericht zu dem Schluss, dass ein Verbraucher sich an die Justiz an dem Ort wenden könne, an dem er zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses oder des strittigen Vorgangs wohnhaft gewesen sei.

"L’Origine du monde" ("Der Ursprung der Welt") entstand als Auftragsarbeit für den türkischen Kunstsammler Khalil Bey. Es gehört heute dem Musée d’Orsay in Paris.

Drucken

Weitere Artikel aus Interpol