Aktion des Zentrums für Politische Schönheit

Große Resonanz auf "Schülerwettbewerb" gegen Diktaturen

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In einem bayernweiten Schüler- und Studentenwettbewerb sucht das Künstlerkollektiv Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) junge Menschen, die in Diktaturen Flugblätter gegen das Regime verteilen. Die Resonanz auf die Aktion ist groß

Für eine neue, am Montag gestartete Aktion hat sich das ZPS als "Bayerisches Staatsministerium für Bildung, Kultur und Demokratie" ausgegeben und in erfundenen Beiträgen die Minister für Inneres, Joachim Herrmann, und Bildung, Ludwig Spaenle (beide CSU), zitiert. In einem bayernweiten Schüler- und Studentenwettbewerb werden junge Menschen gesucht, die in Diktaturen Flugblätter gegen das Regime verteilen.

Hintergrund ist das 75. Jubiläum der Studentengruppe Weiße Rose und des Widerstands der Geschwister Scholl gegen die Nazi-Diktatur. Die ersten vier "Flugblätter der Weißen Rose" schrieben und verbreiteten Hans Scholl und Alexander Schmorell zwischen dem 27. Juni und dem 12. Juli 1942. Je 100 Stück schickten sie an Schriftsteller, Professoren, Buchhändler aus München und Umgebung, aber auch an Freunde und Studienkollegen.

Schon nach einem Tag hätten sich 30 Kandidaten gemeldet, die gerne reisen würden, sagte Ruch. "Wir werden überrannt. Damit hatten wir nicht gerechnet. Die Gesellschaft ist besser, als wir uns je hätten träumen lassen." Die Gruppe musste sich in einer fulminanten Pressekonferenz auch Kritik stellen. Die Aktion könne bei den Jugendlichen falsche Vorstellungen wecken und sie in schwierige Situationen bringen.

Das echte Innenministerium reagierte wenig amüsiert. "Die ganze Aktion ist absurd und rechtfertigt keine Urkundenfälschung", sagte ein Sprecher. Gerade habe ihn eine besorgte Mutter angerufen: Ihre Tochter habe sich bei der Aktion angemeldet, "weil sie ein iPad gewinnen kann". Das ist der erste von "100 tollen Preisen". Auch beim Sophie-Scholl-Gymnasium in München stieß die Aktion auf wenig Gegenliebe. Das ZPS wurde vom Rektor des Schulhofs verwiesen.

Wie auch immer - die Zahl der Freiwilligen, die mitmachen und in eine Diktatur fahren wollen, steigt stündlich. Am Dienstagnachmittag lag sie laut Homepage bei 68. Der Stuttgarter Student Jannik W. hat sich für die Türkei gemeldet. "Ich finde es erschreckend, dass ein Land, das kurz vor dem EU-Eintritt stand, sich in so kurzer Zeit derart verändern konnte", sagt er über seine Motivation. Er wird die Fahrt in Wirklichkeit wohl kaum antreten, nicht zuletzt sitzen mehrere Deutsche in der Türkei in Haft. Aber er spielt die Inszenierung mit sichtlicher Freude mit, hat für den Auftritt in München Vorlesungen geschwänzt und sagt ernst: "Ich freue mich, dass das Bildungsministerium mir die Möglichkeit zu der Reise gibt."

Die Gruppe hatte bereits mehrfach mit provokanten Kunstaktionen Schlagzeilen gemacht, unter anderem mit einer eBay-Versteigerung von Kanzlerin Angela Merkel. Im vergangenen Jahr sollten sich bei einer anderen Aktion Flüchtlinge vermeintlich Tigern zum Fraß vorwerfen, falls ausgewählte Syrer nicht per Flugzeug einreisen dürften.

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