"Hutbürger"-Meme

Höan Sie auf misch zu zeischnen!

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Den performativen Selbstwiderspruch des LKA-Mitarbeiters, der bei einer Dresdner Demo ein Fernsehteam an seiner Arbeit hinderte, treibt das Internet mit zahlreichen Karikaturen und Memes immer weiter auf die Spitze. Eine Twitter-Schau

Der Mann hatte sich vor einer Woche an einer Demonstration der AfD und der Pegida-Bewegung beteiligt und sich verbal heftig gegen Filmaufnahmen für ein ZDF-Politikmagazin gewehrt. Daraufhin kontrollierte die Polizei die Journalisten und hielt sie etwa eine Dreiviertelstunde fest. 

Der performative Widerspruch - also der "Widerspruch zwischen Inhalt und Gelingensbedingungen der Sprechhandlung" (Duden) -, den der inzwischen "Hutbürger" getaufte Demonstrant aufführte, indem er mit der Aufforderung "Hören Sie auf mich zu filmen!" direkt auf die Kamera zulief und vor ihr stehenblieb, anstatt weiterzugehen, fasziniert Karikaturisten, Satiriker und Meme-Bauer.

Dass der Mann ein Mitarbeiter des LKA Sachsen ist, wie dann herauskam, ließ die Diskussion um die rechte Unterwanderung von Sachsens Polizei erneut aufflammen. Der Karikaturist AD Karnebogen hat sich daraufhin ein neues Dienstwappen ausgedacht: 

Das Wappen ist auch schon Teil von Graffiti:

Das Hashtag #Pegizei trendete am Mittwoch bei Twitter. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer twitterte daraufhin zurück: Er halte den Hashtag für unverantwortlich. Um selbst nicht in einem performativen Widerspruch zu gelangen, setzte er vor das Wort keine Raute.

Mit seinem ikonischen Stil - Angelhut in Deutschlandfarben, rote Weste, Matrix-Brille und kariertes Hemd - und seiner vollkommenen Germanness macht es der Hutbürger Karikaturisten natürlich leicht. 

Wenn alle auf jemanden eindreschen, setzt das in der Mediendynamik sofort Gegenbewegungen in Gang: Die Häme über den Hutbürger sei grob und herablassend. Als Antwort darauf ist wohl der Post des Satirkers Jan Böhmermann zu verstehen:

Das immerhin wurde im Verlauf der Diskussion um den Hutbürger geklärt: Laut § 22 Kunsturhebergesetz gilt zwar das Recht am eigenen Bild, jedoch nicht bei Bildern "von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen, an denen die dargestellten Personen teilgenommen haben." Dass der Demonstrant zu einer breiten Aufklärung um diesen Sachverhalt beigetragen hat, ist ein weiterer schöner performativer Widerspruch in diesem Fall.

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