"War und ist Unrecht"

Humboldt Forum überarbeitet Planungen mit Benin-Bronzen

Drei Bronzen aus dem Benin in Westafrika
Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Drei Bronzen aus dem Benin in Westafrika 

Kaum etwas im Berliner Humboldt Forum ist so umstritten wie die geplante Ausstellung von Benin-Bronzen. Die Kunstschätze gelten als Raubgut aus Kolonialzeiten. Der Druck auf Museen und Regierung steigt

Die umstrittene Präsentation der als Raubgut der Kolonialzeit geltenden Benin-Bronzen setzt die zuständige Stiftung Preußischer Kulturbesitz und das als Ort vorgesehene Berliner Humboldt Forum weiter unter Druck. Das Forum will seine Planungen weiter überarbeiten. Die Präsentation befinde sich in der Abstimmung, hieß es am Dienstag beim Humboldt Forum. Sicher sei, dass das Unrecht thematisiert werde.

Die Stiftung führt nach eigenen Angaben "aktive Gespräche mit den zuständigen Akteuren in Nigeria, um eine Lösung für die Benin-Bronzen in der Sammlung des Ethnologischen Museums zu finden". Die Objekte seien nach damaliger rechtlicher Lage zwar legal erworben worden, stammten aber größtenteils aus den britischen Plünderungen des Jahres 1897. "Das war und ist Unrecht!", hieß es am Dienstag auf dpa-Anfrage. Eine Entscheidung über Rückgaben treffe der Stiftungsrat.

Das Ethnologische Museum der Stiftung verfügt über rund 530 historische Objekte aus dem Königreich Benin, darunter etwa 440 Bronzen. Die geplante Präsentation im Humboldt Forum steht im Zentrum der Diskussion um die Folgen des Kolonialismus und Restitutionen.

Rückgaben von Objekten grundsätzlich nicht ausgeschlossen

Im Humboldt Forum werde rund die Hälfte der Objekte gezeigt, so die Stiftung zu den Planungen. Die auf zwei Säle aufgeteilte Präsentation werde sich sowohl mit der Geschichte des Königreichs Benin, der Eroberung des Königreichs durch englische Truppen als auch mit der Provenienz der Objekte aus Benin kritisch auseinandersetzen. "Gerade aufgrund der aktuellen Diskussion halten wir es für unverzichtbar, dieses Thema dort zu adressieren. Das schließt Rückgaben auch von dort ausgestellten Objekten grundsätzlich nicht aus." Zu keinem Zeitpunkt sei die Rede davon gewesen, dass im Humboldt Forum nur noch Repliken gezeigt werden sollten.

"Die Aufarbeitung des Kolonialismus ist ein klarer Auftrag", hatte Hartmut Dorgerloh, Generalintendant des Humboldt Forums, zuletzt im Gespräch mit der dpa betont. Er teile auch die Einschätzung, dass es zu Rückgaben kommen müsse, hieß es nun zudem.

Stiftungspräsident Hermann Parzinger verwies zuletzt auf internationale Kontakte. "Das besprechen wir im Rahmen der Benin-Dialog-Gruppe gemeinsam mit anderen Museen, die Benin-Bronzen in ihren Sammlungen haben, und mit unseren Partnern in Nigeria und Benin-City selbst", hatte er der dpa gesagt.

Stiftung und Bundesregierung können Restitution nicht mehr verweigern

In Benin-City solle ein Museum errichtet werden. "Wir unterstützen das, etwa durch Leihgaben. Aber es muss auch zu Rückgaben kommen, da bin ich ganz sicher. Das muss auf Grundlage eines Dialogs geschehen, bei dem gemeinsam überlegt wird, welche Dinge sollten zurückkehren, welche hierbleiben", so Parzinger.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters setzt auf einen offenen Prozess. "Wenn am Ende einer solchen Debatte etwa um die Benin-Bronzen Rückführungen stehen, könnten in den Ausstellungsräumen im Humboldt Forum Leerstellen bleiben, die den Besucherinnen und Besuchern diesen bisher vernachlässigten Teil unserer Geschichte vor Augen führen", hatte die CDU-Politikerin zuletzt der dpa gesagt.

Das rund 680 Millionen Euro teure Zentrum für Kultur, Kunst und Wissenschaft nutzen neben der Stiftung das Land Berlin und die Humboldt-Universität. Gezeigt werden Exponate aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien sowie Objekte zur Geschichte Berlins.

Der Hamburger Geschichtsprofessor und Afrikawissenschaftler Jürgen Zimmerer sprach am Dienstag von einem "Schabowski-Moment der deutschen Restitutionsdebatte". Das Tor sei offen "und am Ende wird Reisefreiheit für die Benin-Bronzen stehen". Stiftung und Bundesregierung könnten sich einer Restitution nicht mehr verweigern. "Der Imageschaden wäre auch international noch größer als er durch den bisherigen Umgang mit der Frage des kolonialen Erbes eh schon ist", sagte Zimmerer der dpa.