Umstrittenes Projekt

Ilya Khrzhanovsky wird "DAU" nun in Paris umsetzen

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Nachdem in Berlin die Genehmigung verweigert wurde, soll das umstrittene "DAU"-Kunstprojekt des russischen Filmemachers Ilya Khrzhanovsky nun in Paris realisiert werden — anders und kleiner als geplant

Die Geschichte der Arbeit von Ilya Khrzhanovsky scheint eine Geschichte der verweigerten Genehmigungen zu sein. Nachdem der russische Künstler eigentlich geplant hat, in Berlin einen Teil der Straße Unter den Linden abzusperren, um dort in einem Karree aus Betonmauern eine fiktive Welt entstehen zu lassen, wurde das Projekt nicht genehmigt. Im Zentrum des Kunstprojekts  mit dem Titel "DAU Freiheit" sollte ein Film über den sowjetischen Physiker und Nobelpreisträger Lew Dawidowitsch Landau (1908-1968) stehen, "DAU" im Titel steht kurz für Landau. Wer teilnehmen wollte, so der Plan, sollte ein Visum kaufen, um an der Fiktion teilzunehmen und Teil der nachgebauten Filmwelt zu werden. 

Nun wird das Projekt in zwei Theatern im Zentrum von Paris umgesetzt. Die beiden einander gegenüberliegenden Theater unweit der Seine stammen beide aus dem Jahr 1864 und sollen 400 Besuchern Zugang zu Khrzhanovskys immersiver Installation bieten. Die Teilnehmer sollen das Kunstwerk rund um die Uhr erleben. Eines der beiden Häuser, das Théâtre du Châtelet, wird gerade saniert, und die engen Gänge des Verwaltungstrakts sollen dunkelrot gestrichen werden, um an die Interieurs der Stalin-Zeit zu erinnern.

In einzelnen Kompartimenten werden 13 Langfilme des 43-jährigen Regisseurs zu sehen sein, die Khrzhanovsky zwischen 2009 und 2011 gedreht hatte. Sie spielen im stalinistischen Russland und behandeln das Leben von Lew Dawidowitsch Landau, das Voice-Over kommt von französischen Schauspielern wie Isabelle Adjani, Gérard Depardieu oder Isabelle Huppert. Außerdem sollten die beiden Theater von einer Brücke verbunden sein, die die Place du Châtelet überspannt. Aber es sieht so aus, als würde es für diese Konstruktion von den Behörden keine Genehmigung geben. 

Die Anmeldung zur Teilnahme ist bereits offen. Das Projekt findet vom 24. Januar bis 17. Februar statt. 

 

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