OMA-Umbauprojekt

Neue Rolltreppe im Berliner KaDeWe eröffnet

Das Berliner Traditionskaufhaus KaDeWe wird gerade vom Architekturbüro OMA umgestaltet. Eines der Herzstücke des Unterfangens ist jetzt eröffnet: eine spiralförmige Rolltreppe mit Holzverkleidung

Wenn das KaDeWe zur Eröffnung seiner neuen Rolltreppe zu einer Modenschau einlädt, fließt viel Champagner und die Berliner Prominenz putzt sich heraus. Ob Jörg und Maria Koch vom Label 032c, deren Mode nun auch im neuen Designer-Bereich des Edelkaufhauses an goldenen Stangen präsentiert wird, Schauspielerinnen wie Iris Berben, Berlins Regierender Bürgermeister oder ehemalige Germanys-Next-Topmodell-Teilnehmerinnen.

Fragt sich, was bei der pompösen Einweihung der neuen Rolltreppe des historischen Gebäudes spannender war: die vielen, aufwendig gestylten Menschen oder das neue "Designerstück" als architektonisches Highlight Berlins, wie Michael Müller es bei der feierlichen Einweihung vergangene Woche bezeichnete. "Es ist nicht nur eine Rolltreppe. Es ist stil- und hausprägend", so der Noch-Bürgermeister.

Das Projekt und der umfassende Renovierungsplan des Hauses wird von dem renommierten Design- und Architekturbüro OMA (Office for Metropolitan Architecture) unter der Leitung von Ellen van Loon realisiert. 1998 kam van Loon zu OMA und hat seitdem Bauprojekte wie die Fondation Galeries Lafayette (2018) in Paris, die Qatar National Library (2017), oder De Rotterdam, das größte Gebäude in den Niederlanden (2013) geleitet. Das vom Architekten Rem Koolhaas in Rotterdam gegründete Büro ist bekannt für seine konzeptuell durchdachten Gebäude und hat immer wieder auch im Designbereich Expertise gezeigt, mit Events wie der Prada Fashionweek 21 Women’s and Men’s Show, der Bvlgari Fine Jewelry Show 2021 (ebenfalls unter van Loons Leitung) oder der Gestaltung des Off-White Flagship Stores in Paris.

Den Umbau des KaDeWe umschreibt OMA so: "Unser Vorschlag für die Umgestaltung des KaDeWe ist taktisch. Anstatt das bestehende Gebäude als eine einzige Masse zu behandeln, zielt das Projekt darauf ab, es in vier Quadranten aufzuteilen, jeder mit unterschiedlichen architektonischen und kommerziellen Qualitäten, die auf verschiedene Zielgruppen abzielen: klassisch, experimentell, jung, generisch, etc...; vier Kaufhäuser unter einem einzigen Dach, die die ursprüngliche Masse in kleinere, leicht zugängliche und navigierbare Komponenten aufteilen - ähnlich wie verschiedene städtische Sektoren, die in ein einheitliches Stadtgefüge eingebettet sind."

Müller bricht das in seiner Rede in bürgermeisterhafter Manier herunter und spricht vom KaDeWe als "ein Stück Berlin, das sich immer weiterentwickelt". Der gesamte Umbau durch OMA und die Renovierungsarbeiten sollen bis 2023 fertiggestellt werden.

Im Gesamtgefüge des Kaufhauses hält sich die Treppe eher dezent zurück und entfaltet ihre volle Wirkung erst, wenn man unmittelbar davor steht. Dennoch, oder gerade deshalb, lohnt es sich, für ein komplexes archtiektonisches Erlebnis beim nächsten Luxus-Einkaufsbummel die Etagen auf diesen rollenden Stufen zu wechseln.