Künstlerin Fudakowski über ihre "Ex-hibition"

"Absoluter Albtraum"

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Die Künstlerin Kasia Fudakowski hat in Köln eine "Ex-hibition" mit Arbeiten von Exfreunden kuratiert

Kasia Fudakowski, mindestens vier Ihrer Exfreunde waren Künstler. Zufall oder Faible?
Ich habe mal gehört, dass durch die Säure bei der Arbeit in einer Ananaskonservenfabrik die Fingerabdrücke verschwinden. Deshalb versuchen viele Menschen, die untertauchen müssen, dort einen Job zu bekommen.

Was ist denn der Vorteil einer Beziehung zwischen Künstlern?
Dass man mit ihren Arbeiten Ausstellungen kuratieren kann.

Der Nachteil?
Dass sie nicht immer mitmachen wollen.

Wie ist die Idee zur "Ex-hibition" entstanden?
Als mich die Galeristin Laura Henseler einlud, eine Ausstellung unter dem Titel "Body" zu kuratieren, war ich erst mal unsicher. Ich hatte einerseits Probleme mit dem Konzept der Künstlerin als Kuratorin. Andererseits würde ich doch höchstwahrscheinlich aus persönlichen, finanziellen und praktischen Gründen nur befreundete Künstler einladen. Aber welche? Und würde sich meine Beziehung zu den Nicht-Eingeladenen verändern? Ich stellte mir bereits eine Albtraum-Ausstellung vor, mit der ich gegen meine guten Absichten eine sehr komplizierte, privat-professionelle Situation schaffen würde. Doch plötzlich war ich genau daran interessiert. Mir wurden die ganzen Vorschriften und Tabus für Kuratoren bewusst, und ich fühlte mich von diesen No-Gos angezogen wie die Motten vom Licht. Ich fragte mich: Was ist die absolute Albtraumsituation, mit der sich jeder identifizieren kann? Alle deine Exfreunde in einem Raum!

Anlässlich der vergangenen Documenta und der Venedig-Biennale wurde diskutiert, ob Kuratoren ihre Partner in Ausstellungen zeigen sollten. Was meinen Sie?
Meine eigenen Schwierigkeiten damit, diese Frage zu beantworten, machten einen Großteil der Motivation für diese Ausstellung aus. In der Kunstwelt geht es, vielleicht mehr als in anderen Bereichen, um persönliche Beziehungen. Und gerade jetzt sollte man sich fragen, ob das eigentlich eine gute oder schlechte Sache ist: Während eine solche Beziehung auf gegenseitiger Anziehung und Wertschätzung beruht, könnte man dahinter auch Vetternwirtschaft, Verschwörung und natürlich Befangenheit vermuten. Die Ausstellung ist ein Art Experiment. Ich wollte auf der einen Seite sehr offen mit den Gründen für die Auswahl der Künstler umgehen, aber ihnen in der Wahl der Arbeiten freie Hand lassen. Nur so war ich in der Lage, mit meiner Rolle als Kuratorin zu spielen, ohne dass ich das auf Kosten der eingeladenen Künstler mache.

Zwei der insgesamt vier von Ihnen angeschriebenen Exfreunde haben auf Ihre Einladung gar nicht reagiert.
Dafür gibt es viele mögliche Gründe. Ich weiß zumindest, warum ich auf so eine Anfrage nicht antworten würde! Ich respektiere ihre Entscheidungen.

Wie machen Sie ihre Abwesenheit in der Ausstellung präsent?
Durch meine Briefe an sie. Hinweise auf ihre Identität sind aber geschwärzt.

Im Pressetext heißt es, dass das kuratorische Konzept eine "Doppelmoral" beinhalte. Worin besteht die?
Würde man die Geschlechter in diesem sehr fragwürdigen, heteronormativen Experiment umdrehen – ein männlicher Kurator lädt seine Exfreundinnen ein –, wäre das heute undenkbar. Auf der anderen Seite ist es auch sehr ungewöhnlich, dass eine Frau ihre ehemaligen Partner so öffentlich auflistet. In unserer Gesellschaft klammert man sich noch sehr an den relativen Wert von weiblicher Jungfräulichkeit zu männlicher Eroberung.

Haben Ihre Exfreunde Ihre Arbeit beeinflusst? Sie ihre?
Klar. Da sind wir wieder bei dem Ananaskonservenfabrik-Phänomen.

Und gibt es etwas, das die Arbeiten Ihrer Exfreunde aus Ihrer Sicht verbindet?
Ich.

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