"Es kotzt uns an"

Künstler protestieren gegen Diskriminierung

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Nach einer Podiumsdiskussion in den Münchner Kammerspielen wird dem Kurator Kasper König Rassismus vorgeworfen. Nun haben Künstlerinnen und Künstler einen Protestbrief gegen Diskriminierung im Kunstbetrieb verfasst

"Es kotzt uns an/We are sick of it" ist die Überschrift, unter der Künstler einen offenen Protestbrief verfasst haben. Die Erklärung umfasst drei Kritikpunkte: Erstens werde denen, die Rassismus ansprechen, Aggressivität vorgeworfen. Zweitens seien Institutionen zwar bedacht darauf, sich kritische Diskurse anzueignen, allerdings ohne sie praktisch umzusetzen. Der dritte Punkt zielt auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen im Kunstbetrieb, und darauf, wie Machtstrukturen wirksam werden. Unterschrieben wurde der Protestbrief von Dutzenden Künstlern, darunter die diesjährigen Ars-Viva-Preisträger Cana Bilir-Meier, Keto Logua und Niko Abramidis, der Documenta-14-Kurator Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, Şirin Şimşek sowie Nural Moser, aber auch von Netzwerken und Hochschulinitiativen. 

Ein Vorfall in den Münchner Kammerspielen lieferte den Grund für die Stellungnahme. Am 12. November war die Künstlerin Cana Bilir-Meier zu einer Podiumsdiskussion mit dem Kurator Kasper König eingeladen. Bilir-Meier ist selbst die Enkelin von türkischen Gastarbeitern, und in ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit dieser Herkunft. Auf der Bühne hat König unter anderem von "aggressiven Typen" im migrantischen Milieus in Berlin-Kreuzberg gesprochen. Im Anschluss an die Diskussion schrieb die Künstlerin einen Facebook-Post, in dem sie Königs Verhalten scharf angriff. Der Kurator hat sich für seine Äußerung in einem handschriftlichen Brief bei Bilir-Meier entschuldigt. 

Bilir-Meier sagte dem Deutschlandfunk im Interview, der Rassismus im Kunstbetrieb gehe über diesen Vorfall hinaus. Das sei kein Ausrutscher gewesen, vielmehr sei das Problem in die Struktur von Kunstinstitutionen implementiert. So sei beispielsweise abhängig von Herkunft und Geschlecht, wer leitende Positionen bekleidet und wer in prekären Verhältnissen arbeitet. Institutionen würden zwar kritische Positionen von außen einladen, sobald es aber an die Substanz gehe, blieben die alten Strukturen bestehen. Die Künstlerin sagte aber auch, bloße Empörung sei nicht das Mittel der Wahl. Stattdessen müsse man an Veränderungen im Betrieb arbeiten.

Hier eine Aufzeichnung der Diskussion in den Kammerspielen:

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