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Lina Scheynius

Warm und nackt

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Wie ein persönliches Fototagebuch lesen sich die Arbeiten der schwedischen Fotografin Lina Scheynius. Der Kamera vertraut sie intime Momente mit sich selbst, ihren Freunden und Liebhabern an

Ein verschwitztes, von Rosenblüten überlagertes Gesicht, eine reife, faltige Brust, ein blutigverschmiertes Kondom: Die 35mm-Fotografien von Lina Scheynius sind zwar explizit, dabei aber ruhig und natürlich. Mit zarten, ausschnitthaften Kompositionen führt sie den Blick sensibel über die nackten, im warmen Sonnenlicht erscheinenden Körper, ihre Formen, Falten und Flecken. Über ihre Social-Media-Kanäle veröffentlicht Scheynius viele besondere und gewöhnliche, dunkle und strahlende fotografische Erinnerungen unmittelbar aus ihrem privaten Leben.

Damit bringt sie auch das Bestreben ihrer Generation, Persönliches täglich teilen zu wollen, auf den Punkt - und weist doch mit ihrer Fähigkeit zur Abstraktion weit über eine Nabelschau hinaus. Es ist, als verschleierten diese Bilder alles und enthüllten doch das Entscheidende. Sie zeigen einen Zustand, einen Gedanken, einen Moment, abstrahieren aber von Ort und Zeit und letztlich, bei aller Subjektivität, auch von der einzelnen Person. Ihr Blick ist dabei erkennbar weiblich. Nacktheit und Verführungskraft werden zwischen Männern und Frauen gleichberechtigt verteilt.

Scheynius wurde 1981 in Vänersborg im Südosten Schwedens geboren und lebt derzeit in London. Nachdem sie sich zunächst als Model erprobte, entschied sie sie schließlich für den Platz hinter der Kamera. Seit 2007 veröffentlicht sie ihre Fotos in Form von "Diaries" auf ihrer Website, in den letzten Jahren auch auf Instagram sowie seit 2008 in jährlich erscheinenden, limitierten Fotobüchern. Einem breiten Publikum zeigte sie ihre Arbeiten außerdem 2012 mit ihrer Fotokolumne im "Zeit Magazin". Die Galerie Tanja Wagner widmet Lina Scheynius nun die Einzelausstellung "Body". Wir zeigen vorab einige Fotos in der Bildstrecke oben.

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