Rassismusstreit

Martin Parr tritt nach Vorwürfen als Festival-Direktor zurück

Martin Parr 2014 beim Bristol Photo Festival
Foto: Pete.M.Boyd, CC BY-SA 4.0

Martin Parr 2014 beim Bristol Photo Festival

Der Fotograf Martin Parr ist wegen eines Rassismusstreits von seiner Position als künstlerischer Leiter eines neuen Fotofestivals in Bristol zurückgetreten

Parr wird für ein Vorwort kritisert, das er 2017 für die Neuauflage des Fotobuches "London" des italienischen Fotografen Gian Butturini geschrieben hat. Zu den Bildern in dem 1969 erstmals veröffentlichten Band gehört die Aufnahme einer schwarzen Frau, der eine Fotografie eines Gorillas in einem Käfig im Londoner Zoo gegenübergestellt ist. Parr hatte diese Gegenüberstellung in seinem Vorwort nicht thematisiert.

Laut "Guardian" entschuldigte sich der bekannte britische Fotograf am Dienstag dafür und sagte, es sei für alle das Beste, sein Amt beim Bristol Photo Festival niederzulegen. Er werde das Honorar, das er für das Verfassen der Einführung des Buches erhalten habe, für wohltätige Zwecke spenden und er habe darum gebeten, dass die Bücher aus dem Verkauf genommen und vernichtet werden.

"Es ist mir zutiefst peinlich, dass ich in meinem Vorwort zum Nachdruck des Buches eine rassistische Gegenüberstellung von Bildern übersehen habe", so der 68-Jährige. "Während meiner gesamten langen Karriere habe ich unterrepräsentierte und aufstrebende Fotografen unterstützt. Die Martin-Parr-Stiftung ist eine Wohltätigkeitsorganisation, die gegründet wurde, um die Fotografie ins rechte Licht zu rücken, jungen und aufstrebenden Fotografen eine Plattform zu geben und die Arbeit von Künstlern aus allen Bereichen zu fördern. Die Fotografie sollte für alle da sein. Diese Werte sind mir sehr wichtig."

Die Vorwürfe gegen Parr wurden bereits vergangenes Jahr anlässlich seiner Ausstellung in der Londoner National Portrait Gallery laut. Die Initiatorin des Protestes, die Londoner Studentin Mercedes Baptiste Halliday, begrüßte Parrs Entscheidung zum Rücktritt: "Es zeigt, dass Kampagnen und Kritik das System tatsächlich demontieren können", sagte sie dem "Guardian". Sie begann ihre Kampagne, als ihr ihr Vater das Butturini-Buch zu ihrem 18. Geburtstag schenkte, ohne von dem strittigen Bildern zu wissen. "Ich war total angewidert und empört darüber", so Halliday.

Als Reaktion auf die Kritik haben inzwischen auch Fotostudenten der Universität Bristol eine Jahresendausstellung in der Parr-Stiftung abgesagt.