Steuerhinterziehung

Galeristin Boone muss ins Gefängnis

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Die New Yorkerin Mary Boone prägte in den 80ern das neue Image der internationalen Kunstgalerie als kommerzielles Unternehmen. Steuerbetrug in Millionenhöhe bringt die einflussreiche Galeristin nun für 30 Monate ins Gefängnis

Richter Alvin K. Hellerstein entschied am Donnerstagnachmittag, dass die 67-Jährige die nächsten 30 Monate im Gefängnis verbringen und im Anschluss 180 Sozialstunden ableisten muss. Vergangenen September gab sie zu, die Finanzbehörden zwischen 2009 und 2011 mit Gewinnen in Millionenhöhe hintergangen zu haben, Gewinne, die von ihrer gleichnamigen Galerie erzielt worden waren.

Die Staatsanwaltschaft beschuldigte die Galeristin, die mit Künstlern wie Julian Schnabel und Jean-Michel Basquiat zur einflussreichsten Kunsthändlerin des New Yorks der 80er-Jahre wurde, 2012 private als geschäftliche Ausgaben deklariert zu haben und so für 2011 statt 1,2 Millionen Dollar nur 335 Dollar Steuern auf ihren eigentlichen Gewinn von 3,7 Millionen Dollar bezahlt zu haben. Sie hatte unter anderem die millionenteure Renovierung ihrer Wohnung als geschäftliche Ausgabe angegeben. In ihrer Steuererklärung gab Boone so einen Verlust von 52.000 Dollar an, statt den Gewinn von 3,7 Millionen.

Ihre Steuererklärung sei mehr "von impressionistischer als von realer Kunst inspiriert", sagte der Staatsanwalt, "ein Mix aus Lügen und falschen Angaben, um drei Millionen Dollar Steuerlasten zu sparen."

Ihre Anwälte baten zunächst darum, dass die Galeristin, die schon früher wegen Betrugsvorwürfen vor Gericht stand, unter Hausarrest gestellt werde und 1000 Sozialstunden ableiste, statt eine Gefängnisstrafe verbüßen zu müssen. Ihre schwere Kindheit - unter anderem ist ihr Vater gestorben, als sie drei Jahre alt war - habe zu psychischen Problemen, Alkohol- und Drogenabhängigkeit und einem Selbstmordversuch geführt. Permanente Angst vor dem sozialen Abstieg verbunden mit posttraumatischen Symptomen trotz ihres geschäftlichen Erfolgs seien Resultat der Armut in Boones Kindheit. Um das Gesuch zu stützen, hatten die Anwälte hundert Aussagen von Freunden und Bekannten der Kunsthändlerin vorgebracht, darunter vom Künstler Ai Weiwei und dem Kunstsammler Peter Brant.

"Ich fühle mich wie eine Aussätzige", sagte Mary Boone vor der Urteilsverkündung. "Ich verspreche, dass ich der beste Mensch sein werde, der ich sein kann, dass ich Gutes tun werde und andere Leben positiv beeinflussen werde." Sie entschuldigte sich beim Gericht, bei ihrer Familie und ihren Kollegen. Boone kündigte an, dass sie bei verschiedenen Organisationen zurücktreten werde, unter anderem bei der Art Dealers Association of America.

Mary Boone machte während des Kunstmarktbooms in den 80er-Jahren nicht nur ein Vermögen mit neoexpressionistischen Gemälden, sondern prägte auch das neue Image der internationalen Kunstgalerie als kommerzielles Unternehmen: "Die Vorstellung, dass in einer erfolgreichen Galerie nicht mehr humanistische Werte, sondern Geschäftsinteressen, Ellbogenmentalität und ein untrügliches Gespür für erfolgreiche Trends dominieren, verbindet man ursprünglich mit Mary Boone", schrieb der britische Kunstkritiker Matthew Collings einmal in Monopol. Und weiter: "Einschüchternd, kalt und befremdlich ist er, dieser neue Typus der Galerie, der seitdem überall auf der Welt zur Norm wurde – schon im Eingangsbereich fühlt man sich mehr wie in einer Firmenlobby als in Kunsträumen. Dabei ging es gar nicht so sehr darum, abschreckend zu wirken, sondern den Reichen zu signalisieren, dass ihre Wertmaßstäbe hier akzeptiert seien. Aufgrund ihres persönlichen Erfolgs und ihrer Unterstützung feministischer Künstlerinnen wie Barbara Kruger ist Boone aber auch, das gilt es anzuerkennen, die Verkörperung des Erfolgs von Frauen in der New Yorker Kunstwelt."

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