Medienschau

"Die Rede vom Global South ist eine schreckliche Vereinfachung der Weltgesellschaft"

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Berlin setzt seinen Ruf als Künstlerparadies aufs Spiel, Christian Jankowskis Hommage an Harald Falckenberg und eine Polemik gegen den Gebrauch des Begriffs "Globaler Süden" in der Kunstwelt: Das ist unsere Presseschau am Mittwoch

Debatte

Von Documenta bis Venedig-Biennale: Der Begriff "Globaler Süden" ist zum Buzzword in der Kunstwelt geworden. Für was er steht, versucht der Politikwissenschaftler Claus Leggewie in der "taz" zu klären - und verfällt dabei in Polemik: "Die Rede vom Global South ist eine schreckliche Vereinfachung der Weltgesellschaft, die innergesellschaftliche Ungleichheiten im 'Norden' wie im 'Süden' ignoriert und wichtiger noch: aktuell in der Fixierung auf historische Kolonialverhältnisse die Brisanz aktueller imperialistischer Aggressionen verkennt. In der heutigen Weltgesellschaft steht nicht der reiche, schuldig gewordene Norden gegen den armen, unschuldig gebliebenen 'Süden', es stehen rund um den Globus autokratische und diktatoriale Regime." Warum ist der Begriff dennoch in der Kunstwelt so beliebt? Darauf hat Leggewie mehr als eine Antwort: "Die Gründe sind vielfältig. Zum einen fühlen sich Kunstschaffende immer schon und zumal bei Groß­ereignissen wie Biennalen zu politischen Stellung- und Parteinahmen berufen. Sich provokant in aktuelle Streitfälle einzumischen, ist ein legitimes Merkmal engagierter oder politischer Kunst, doch geht diese Einmischung oft leider einher mit einer stupenden Ahnungslosigkeit über geschichtliche Zusammenhänge, gesellschaftliche Komplexität und kulturelle Ambiguität und motiviert eine vorlaute Parteinahme, die in krassen Fällen den reaktionären Spruch ins Gedächtnis rufen könnte, Künstler sollten bilden und nicht reden."

Verliert Berlin seinen Ruf als Künstlerparadies? "Der Arm-aber-sexy-Charme der Hauptstadt sorgte einst international für ein extrem gutes Image", schreibt Jens Blankennagel in der "Berliner Zeitung". "Tausende Künstler und solche, die es werden wollten, pilgerten aus aller Welt in die Stadt der billigen Mieten, der verrückten Clubs und der großen Freiheiten. Doch die Zeiten sind vorbei, die Clubs darben, wurden oder werden genauso weggentrifiziert wie all das Bunte und Außenseiterische, das sich einst in den rumpeligen Hinterhöfen von Kreuzberg oder Prenzlauer Berg eingerichtet hatte. Heute zieht Berlin weniger Künstler an, dafür Start-ups." Als jüngsten Fall dieser Entwicklung sieht Blankennagel die Bedrohung der B.L.O.-Ateliers in Lichtenberg. 

Ausstellung

Der Berliner Künstler Christian Jankowski hat die von Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner finanzierte Potsdamer Villa Schöningen in einen Trödelladen verwandelt, und Peter Richter ist in der "SZ" so großzügig, dass er verschweigt, dass der Schweizer Künstler Christoph Büchel etwas ganz Ähnliches gerade mit der Fondazione Prada in Venedig getan hat (die Überschrift der Büchel-Besprechung in der "SZ" war: "Alles muss raus"; die Überschrift von Richters Jankowski-Besprechung: "Muss alles raus?"). In der Villa Schöningen ist der Hausstand des kürzlich verstorbenen Sammlers Harald Falckenberg zu sehen. "Jankowski, dem spät berufenen, lebensfrohen Sammler genauso zugetan wie dieser ihm, hat nun also das Haushaltsauflösungsunternehmen 'Rümpelwelt' beauftragt, sich nicht Falckenbergs Kunstsammlung, sondern seines Hausstands anzunehmen. Denn die Witwe verlässt die gemeinsame Wohnung und zieht in eine kleinere." Laut Richter ist die Ausstellung "ein banger Kommentar zu den Hinterlassenschaften, die im eigentlichen Sinne zur Sammlung Falckenberg gehören: 45 ausgewählte Werke aus der rund 2400 Stücke umfassenden Riesenkollektion werden zeitgleich im oberen Stockwerk der Villa Schöningen gezeigt." Und diese "Riesenkollektion" könnte bald in alle Winde zerstreut werden, weil Hamburg sich nie zu einem Ankauf hat durchringen können, obwohl die städtischen Deichtorhallen die Sammlung Falckenberg in den Phönix-Hallen seit Jahren verwalten. In Springers "Welt" rezensiert Marcus Woeller die Ausstellung im Haus des Springer-Chefs.

Museum

Das Kunstmuseum Wolfsburg feiert 30-jähriges Bestehen und inszeniert Kunst aus Geschichte und Gegenwart. Direktor Andreas Beitin erzählt im NDR-Interview über seine ersten Besuche im Kunstmuseum Wolfsburg und die neue Ausstellung.

Film

Schauspieler Daniel Brühl wird im neuen Film von Cannes-Gewinner Ruben Östlund mitspielen. Das Management des 45-Jährigen bestätigte am Mittwoch einen entsprechenden Bericht des Magazins "Screen". Weitere Rollen sollen die Hollywoodstars Kirsten Dunst und Keanu Reeves übernehmen. Östlund, der 2022 die Goldene Palme für seine Satire "Triangle of Sadness" gewann, hatte das Projekt bereits angekündigt. Der Film "The Entertainment System is Down" soll von einem Langstreckenflug erzählen, bei dem das sogenannte In-flight Entertainment ausfällt. Also etwa Filme, die Passagieren normalerweise während langer Flüge bereitgestellt werden. Die Leute im Flugzeug müssten sich deswegen dem "Horror" aussetzen, gelangweilt zu sein, schrieb "Screen". Die Dreharbeiten sollen demnach Anfang 2025 starten. Brühl ist bald auch in der Serie "Becoming Karl Lagerfeld" zu sehen, die am 7. Juni auf Disney+ startet.