Gerichtsprozess

Ex-Olympiasieger Armin Hary streitet um angeblichen Da Vinci

Foto: dpa
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Ex-Olympiasieger Armin Hary am Montag im Oberlandesgericht München

Als Sprinter schrieb Armin Hary Sportgeschichte - vor Gericht absolviert er dagegen einen Marathon. Seit 30 Jahren streitet er mit einem Galeristen um ein angebliches Werk von Leonardo da Vinci. Im Ziel ist er noch lange nicht

Wem gehört der Da Vinci? Und ist es überhaupt einer? Ein komplizierter Streit um ein angebliches Werk von Leonardo da Vinci ist am Montag vor dem Oberlandesgericht München (OLG) gelandet. Ex-Olympiasieger Armin Hary (81) und seine Familie streiten schon seit Jahrzehnten mit einem Galeristen um die "Verkündigungsmadonna". "Seit 30 Jahren geht das schon", sagte Hary. "Ich bin Geschäftsmann, aber so etwas habe ich noch nie erlebt."

In den 1980er-Jahren hatte der Galerist der Familie des früheren Leichtathletik-Stars, der 1960 mit einem kuriosen 100-Meter-Weltrekord Sportgeschichte schrieb, das Ölgemälde zugesichert. Er konnte Schulden, die er aus einem Bilderverkauf bei der Familie hatte, nicht bezahlen. Mit dem Gemälde sollten die ausstehenden Zahlungen beglichen werden. Das Bild wurde aus konservatorischen Gründen in den Münchner Pinakotheken eingelagert. Er habe es verkaufen wollen, sagte Hary. "Das sollte meine Altersvorsorge sein."

Der Galerist ist sich sicher, dass das Gemälde, das er einst für 3800 D-Mark kaufte, von dem Renaissance-Maler da Vinci stammt und damit Millionen wert ist - viel mehr als die Schulden von damals von 390 000 D-Mark. Von 450 Millionen Euro sprach der Anwalt des Galeristen vor Gericht. "Der Kopf ist schöner als die Mona Lisa", sagte Hary.

Unter Kunstexperten ist die Ansicht, dass es sich um einen Da Vinci handelt, umstritten. Es könnte beispielsweise auch von einem Schüler des Meisters stammen. Der Galerist bestreitet, dass die Familie Hary rechtmäßiger Eigentümer des Bildes ist.

Das Gericht versuchte am Montag zunächst, die Chronologie der Ereignisse zu ordnen. Es geht dabei auch um alte Mahn- und Pfändungsbescheide, eine einstweilige Verfügung und im Grunde die Frage, wem die Madonna denn nun gehört. "Die Streitigkeiten beginnen vor mehr als 30 Jahren", sagte die Vorsitzende Richterin. "Die Beurteilung des Falles wird auch dadurch erschwert, dass wir teils überlagernde Geschehnisse haben."

Auch weil das alles so kompliziert ist, wurde eine Entscheidung am Montag auf Ende 2019 vertagt. Bis dahin sollen die Streit-Parteien sich noch ergänzend zur Sache äußern - und auch noch mal überlegen, ob das Bild nicht verkauft werden soll.