Interview mit Star-Regisseur Bong Joon Ho

Regisseur Bong Joon Ho: "In Korea passieren schockierende und krasse Dinge"

Regisseur Bong Joon Ho hält die "Goldene Palme" für den Film "Parasite" bei den 72. Filmfestspielen von Cannes
Foto: Petros Giannakouris/AP/dpa

Regisseur Bong Joon Ho hält die "Goldene Palme" für den Film "Parasite" bei den 72. Filmfestspielen von Cannes 

In "Parasite" greift der südkoreanische Regisseur Bong Joon Ho erneut das Thema Kapitalismus und Klassenkampf auf. Diesmal dreht sich sein Film um zwei Familien, die eine ist reich, die andere arm - ihre Begegnung endet in einem blutigen Gemetzel. In einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur während des Filmfestes in Cannes geht Bong auf die koreanische Gesellschaft ein und darauf, wie wichtig oder unwichtig ihm Juroren und Kritiker sind

Mit "Parasite" haben Sie eine weitere Gesellschaftsanalyse gedreht. Diesmal nicht als Monsterfilm wie in "The Host", sondern als Thriller und Satire in einer realen Welt. Hoffen Sie damit, mehr zu bewegen?

Südkorea hat sich in den vergangenen Jahren wirtschaftlich stark entwickelt. Dadurch ist auch der Unterschied zwischen Arm und Reich immer größer und sichtbarer geworden. Das trifft weltweit zu, nicht nur auf Südkorea. Als Filmschaffende haben wir die Möglichkeit, dies zu zeigen.

Der Film fängt mit viel schwarzem Humor an und endet in einem Gemetzel. Eine Gewalt, die sich auch in der heutigen südkoreanischen Gesellschaft widerspiegelt?

In Korea passieren schockierende und krasse Dinge. Auch diese Story ist extrem. Doch entspringen viele dieser Geschichten auch meiner Vorstellungskraft. Die südkoreanische Gesellschaft ist besser als ich.

In Ihrem Film schleicht sich eine arme Familie bei einer reichen ein und räumt langsam alle anderen aus dem Weg. Wie sind Sie auf die Geschichte gekommen?

Das war 2013. Damals stand der Titel noch nicht fest. Die beiden Familien waren gleichgewichtig. Dann begann sich der Fokus langsam auf die arme Familie zu verschieben und ich entschied mich für diesen Titel. Aber wer hier der Parasit ist, hängt auch von der Sichtweise ab. Auch die reiche Familie kann der Parasit sein, denn sie zieht Nutzen aus der körperlichen Arbeit der Armen.

In Ihrem Film kommen doch aber eher die Armen schlecht weg?

Nicht unbedingt. Sie sind nicht Schuld daran, dass sie arm sind. Mir geht es um keine Schuldzuweisung, sondern um die Frage, was man besser machen könnte.

Wie wichtig ist Ihnen die Wahrnehmung der Filme durch Juroren, Kritiker und das Publikum?

In erster Linie mache ich Filme, die ich sehen will. Da ich auch ein sehr menschliches Wesen bin, ist mir die Reaktion der anderen aber nicht gleichgültig.