Schlagring zum Keksausstechen

Grobe Weihnacht!

In Weihnachtsritualen mischen sich Erinnerungen an Gewalt mit dem Hunger nach Frieden. Peter Zizkas Schlagring mit einer Plätzchenausstechform bringt diese Ambivalenz auf den Punkt

Weihnachten ist das Fest der Geschenke – und der Strafen. Der Weihnachtsmann hat nicht nicht nur seinen Gabensack dabei, sondern auch die Rute, den strengen Knecht Ruprecht oder den noch unheimlicheren Krampus. Erst vor wenigen Tagen wurde in Bad Tölz eine dieser prügelnden Schreckgestalten wegen überzogener Brutalität angezeigt, die offenbar nicht mehr allein durch das Ritual zu rechtfertigen war. 

Der Ethnologe Thomas Hauschild zeigt in seinem großartigen Buch "Weihnachtsmann. Die wahre Geschichte" wie in solchen Figuren und Heischebräuchen die Erfahrungen von und die Angst vor Gewalterfahrungen weiterlebt, auch wenn die in der heutigen Waren-Weihnacht von Konsum überdeckt sind. Das Kunstwerk "Schlagende Verbindung" vom Frankfurter Objektkünstler und Designer Peter Zizka erinnert an diesen Hintergrund: Das Objekt aus dem Jahr 2008 besteht aus einem Schlagring, auf dem eine Plätzchenausstechform montiert ist. 

Bizarrer Prozess um "Schlagende Verbindung"

Um dieses Objekt wird seit einiger Zeit vor Gericht gestritten. Zizka hatte im März 2018 eine Vortragsreise nach Dubai angetreten, zu der er auch "Schlagende Verbindung" mitnahm. Das Werk wurde auf dem Frankfurter Flughafen sichergestellt. Das Amtsgericht verurteilte den 58-Jährigen wegen eines Verstoßes gegen waffenrechtliche Vorschriften zu 1000 Euro Geldbuße. 

Im Mai diesen Jahres wurde Zizka vom Vorwurf des illegalen Waffenbesitzes freigesprochen, die Oberstaatsanwaltschaft legte daraufhin Revision ein. Anfang Dezember nun wurde dies am Oberlandesgericht in Frankfurt verhandelt. Noch einmal wurde um die Frage gestritten, ob das Waffengesetz das Grundrecht auf Kunstfreiheit dominiert und wo die Gefährdung der öffentlichen Sicherheit anfängt.

Schlagen, geschlagen werden oder Friede halten?

Die Frankfurter Richter folgten in der Revision der Argumentation der Verteidigung: Es sei entscheidend mit welcher Intention Dinge geschaffen würden und wie glaubhaft der Produzent für eine Absicht steht, die weitab einer öffentlichen Gefährdung anzusiedeln ist. Mit der Verbindung zwischen einem Schlagring ähnlichen Eisenteil und einem sternförmigen Plätzchenausstecher habe er zu einem "Diskurs zwischen heiler Welt und der von Gewalt geprägten globalen Welt" aufrufen wollen, hatte der Künstler argumentiert. Das klang für die Richter glaubwürdig, die Geldbuße somit hinfällig. 

Friede, Freude, Plätzchenbacken also. Das letzte Wort soll aber noch einmal Thomas Hauschild haben: "Im Winter werden alle, die Starken und die Schwachen, an ihre Sterblichkeit erinnert und müssen innehalten und sich neu aufstellen. Werden sie geben oder nehmen? Werden sie schlagen, geschlagen werden oder Friede halten? Das wird in den Ritualen (...) verhandelt."