Verein löst sich auf

Sankt Pauli Museum in Hamburg steht vor dem Aus

Günter Zint (M), Kiezfotograf und Museumsgründer, steht im Juni 2020 am Eingang zum neuen Sankt Pauli Museum. Das berühmte Museum steht vor dem Aus
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Günter Zint (M), Kiezfotograf und Museumsgründer, steht im Juni 2020 am Eingang zum neuen Sankt Pauli Museum. Das berühmte Museum steht vor dem Aus

Vor fast 30 Jahren kam sogar Ex-Beatle Paul McCartney zu Besuch. Jetzt steht das private Sankt Pauli Museum vor dem Aus. Grund ist die Corona-Krise. Sie hat den ehrenamtlichen Vorstand des Vereins, der das Museum betreibt, an den Rand seiner Kräfte getrieben

Die Corona-Krise hat dem berühmten Sankt Pauli Museum auf der Reeperbahn so stark zugesetzt, dass es nun vor dem Aus steht. Weil die Herausforderungen für den ehrenamtlichen Vorstand des Vereins St. Pauli Museum e.V. zu groß geworden sind und sich kein neuer Vorstand gefunden hat, wird der Verein nun aufgelöst.

"Die Mitgliederversammlung hat gestern die Auflösung des Vereines beschlossen", sagte Vorstandsmitglied Julia Staron am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. Der vor rund 30 Jahren gegründete Verein habe entgegen anders lautender Medienberichte keinen Insolvenzantrag gestellt. "Wir hoffen natürlich, dass es nicht zu einer Insolvenz kommt und tun alles, um das zu verhindern." Zuvor hatte die "Hamburger Morgenpost" berichtet.

Wie es nun mit dem 1988 gegründeten privaten Museum weitergeht, könne sie allerdings noch nicht sagen. "Das ist für uns alle Neuland." Das Museum bleibe aber zunächst bis Ende des Monats und vielleicht auch Anfang November geöffnet. Das von Kiezfotograf Günter Zint gegründete Sankt Pauli Museum war erst im Frühjahr wegen zu hoher Mietkosten von der Davidstraße zum Beatlesplatz umgezogen. Im Juni war es wiedereröffnet worden.

Aufträge in Höhe von 32.000 Euro verloren

Wegen der Coronakrise fielen jedoch die Geld bringenden Veranstaltungen wie Führungen und Lesungen aus. "Wir haben deshalb Aufträge in Höhe von rund 32.000 Euro verloren", so Staron. Auch kamen nur noch rund etwa zehn Prozent der sonst üblichen Besucher. Zwar habe es Soforthilfen von der Stadt gegeben. Aber ohne weitere Einnahmen habe das nicht ausgereicht.

"Der Status quo ist: Es gibt keine Perspektive für den Betrieb. Das kann man als Kulturbetrieb, der ohnehin schon kämpft, nicht leisten." Eine Rettung hätten dauerhafte Subventionen der Stadt sein können, sagte Staron weiter. "Ein Museum mit einem bestimmten Anspruch, das sich nicht nur als Entertainmentbunde sieht, lässt sich ohne Subventionen nicht finanzieren." Diese Entscheidung hätte allerdings schon viel früher fallen müssen.

Geleitet wird das Museum von der Historikerin Eva Decker, einer langjährigen Mitarbeiterin Zints und ebenfalls Vorstandsmitglied des Vereins. Das Museum zeigt unter anderem Exponate und Bilder, die die Entwicklung St. Paulis bis zur Gegenwart illustrieren.