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Wiedereröffnung

Skandalöse Architektur

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Wie sich der Umbau des Saarlandmuseums aus einem kulturpolitischen Desaster erhebt

Wenn am 18. November die Moderne Galerie des Saarlandmuseums wiedereröffnet, dann wird man nicht nur auf einen geglückten Erweiterungsbau anstoßen. Es geht auch darum, der Öffentlichkeit ein Museum zu präsentieren, das in den letzten Jahren mit einigen Skandalen Schlagzeilen machte.

Das 2007 gestartete Neubauprojekt wurde zum kulturpolitischen Desaster, die Kosten explodierten, es gab Fälle von Veruntreuung und Korruption, Entlassungen, eine aufgebrachte Bevölkerung und schließlich Baustopp. Wie man aus einer so verfahrenen Situation einen Neuanfang macht, der die Vergangenheit nicht vertuscht, zeigt der Direktor Roland Mönig zusammen mit dem Berliner Architekturbüro Kuehn Malvezzi.

Das Museum eröffnet mit einer neuen Sammlungspräsentation und einer Installation von Pae White. Dazu hat Michael Riedel dem Bau seine komplizierte Entstehungsgeschichte quasi eingeschrieben: Er gestaltete die Freifläche im Außenraum mit Text aus Mitschriften aus dem Landtag.

Riedel verwendet in seiner Kunst oft Texte und Zeichen, die sich auf den Kontext, in dem sie gezeigt werden, beziehen. Er macht sie zu Tafelbildern und mäandernden Wandarbeiten. Jetzt hat er die Freiflächen zwischen den einzelnen Gebäudeteilen und die Fassade mit Textfragmenten über den schwierigen Prozess versehen. Auf vier mal vier Meter großen Platten wird nun auf insgesamt rund 4000 Quadratmetern der Text, auf dessen Grundlage die Museumserweiterung genehmigt wurde, zur Kunst selbst. Eine entwaffnende Geste der Offenheit einerseits, andererseits auch ein interessantes und neues Raum­erlebnis zwischen den alten und neuen Gebäudeteilen.

Die ursprüngliche Architektur zählt zu den wegweisenden Museumsbauten der frühen Bundesrepublik. Entworfen hat sie der Architekt Hanns Schönecker, gebaut wurde das denkmalgeschützte Ensemble zwischen 1965 und 1976 in Form von drei versetzt zueinander stehenden Pavillons aus Beton, die sich leichtfüßig in die Parklandschaft einfügen. Für die wachsende Sammlung musste mehr Platz geschaffen werden, doch der 2007 gestartete Neubau endete in der Finanzkatastrophe.

Das Berliner Architekturbüro Kuehn ­Malvezzi, bekannt für seine Museums- und Galeriebauten, übernahm 2013 einen halb fertigen Neubau, der jahrelang brachgelegen hatte, und überarbeitete klug dessen ursprüngliches Konzept.

Wilfried Kuehn sieht ganz klar den ästhetischen Schwerpunkt im alten Schönecker-Ensemble, das auch nach heutigen Maßstäben ein ausgesprochen gelungener Museumsbau ist. So ist die Erweiterung zwar bedeutend höher, sodass auch Installationen und andere raumgreifende Werke gezeigt werden können, aber dennoch zurückgenommen. Neben rund 1500 Quadratmeter zusätzlicher Ausstellungsfläche bietet sie Raum für neue Depots und Restaurierungswerkstätten.

Die Geste der Transparenz, die problematische Geschichte am Bauwerk selbst zu thematisieren, erschien Museumsdirektor Roland Mönig notwendig und richtig. Sie könnte beispielhaft werden im Umgang mit Fehlern, aber auch insgesamt im Umgang mit Information, die sonst auf Gedenkplatten, in Infokästen oder Broschüren kaum Aufmerksamkeit bekommt. Man sollte sie viel öfter den Künstlern überlassen.

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