Hannover

Streit um Lüpertz-Kirchenfenster geht in die nächste Runde

Altkanzler Gerhard Schröder (r.) und der Künstler Markus Lüpertz vor dem Marktkirchenfenster
Foto: Manfred Gommert/Derix Glasstudios/dpa

Altkanzler Gerhard Schröder (r.) und der Künstler Markus Lüpertz vor dem Marktkirchenfenster

Vielerorts gestalten Gegenwarts-Künstler Kirchenfenster. In Hannover wird noch um den Einbau eines solchen Werks gestritten. Gestiftet hat es ein prominenter Politiker

Das Oberlandesgericht (OLG) Celle wird sich am kommenden Dienstag, 30. November, mit dem Streit um ein von Altkanzler Gerhard Schröder (77) geschenktes Kirchenfenster beschäftigen. Das von Künstler Markus Lüpertz (80) gestaltete Buntglasfenster sollte eigentlich schon am Reformationstag 2018 in Hannovers Marktkirche eingebaut werden. Doch der Sohn des Architekten, der nach dem Krieg für die Gestaltung des Innenraums verantwortlich war, wehrt sich gegen das Lüpertz-Werk. Er sieht das Urheberrecht seines toten Vaters verletzt und klagte gegen die Marktkirchengemeinde.

Das Landgericht Hannover hatte Ende 2020 die Klage in erster Instanz abgewiesen mit der Begründung, dass der Gesamteindruck des Innenraums durch das Fenster zwar verändert, aber nicht zerstört werde. Zudem könne die Gemeinde die Kirche aus religiösen Gründen umgestalten, begründeten die Richter.

Gegen dieses Urteil legte der Sohn des Architekten Berufung ein. Laut einem OLG-Sprecher wird am Tag der mündlichen Verhandlung noch kein Urteil erwartet. Für Dienstag seien keine Zeugen und Sachverständige geladen, es gehe um die "Erörterung der Sach- und Rechtslage".

Kritik am Kirchenvorstand

Auf dem von Lüpertz gestalteten 13 Meter hohen, schmalen Fenster sind unter anderem eine Figur im weißen Gewand - wohl Reformator Martin Luther - sowie fünf schwarze Fliegen zu sehen. Bei einer Gemeindeversammlung in der Marktkirche im Oktober hatte es Kritik am Kirchenvorstand gegeben, weil der die Mitglieder bei der Entscheidung für das Fenster nicht einbezogen habe. Nach Angaben des Kirchenvorstands lobten andere Stimmen das Fenster als "großen Gewinn", das "zur Auseinandersetzung mit gewichtigen Glaubensfragen anregen und überregionale Strahlkraft entfalten" werde.

Das farbige Fenster ist bereits in den Derix Glasstudios im hessischen Taunusstein fertiggestellt worden. Dort besichtigte es im Juli der Stifter Gerhard Schröder gemeinsam mit dem Künstler Lüpertz. Beide sind seit langem befreundet.

Der unter anderem für Streitigkeiten aus dem Urheberrecht zuständige 13. Zivilsenat des Oberlandesgerichts wird sein Urteil dem OLG-Sprecher zufolge in einigen Wochen verkünden. Die Richter werden dann auch bekanntgeben, ob eine Revision zugelassen wird. Der Rechtsstreit könnte also noch in eine weitere Runde am Bundesgerichtshof gehen.