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Swimmingpool-Fotos

Status, Geld und Körper

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Die Fotokunst liebt den Swimmingpool als Bühne

Das fotogenste aller Gewässer ist wohl der Pool. An ihm zelebrieren Menschen ihre Freizeit, optimieren den Körper, stellen ihren Reichtum zur Schau oder tauchen einfach unter ihresgleichen ab. Seit es Swimmingpools gibt, sind sie für Fotografen reizvoll. William Henry Jackson nimmt um 1880 einen Schwimmpalast im Casino von Palm Beach, Florida, ins Visier, in dem eine Männergruppe, alle im Ganzkörperbadeanzug, ihm etwas vorturnt, auf den Terrassen rundherum vergnügte elegante Damen und Herren. Auch Leni Riefenstahl suchte in den 30ern immer wieder die Nähe von körperbewussten Profischwimmern, und Magnum-Fotograf René Burri machte 1976 ein Pferdeschwimmbecken in Mexiko-Stadt ausfindig.

Der Bildband "Der Swimmingpool in der Fotografie" spürt dem Phänomen in Text und Bild nach, entlang sich wandelnder Architekturen, Bademoden, Lichtverhältnisse. Schöne Kontextverschiebungen ergeben sich etwa durch Skateboarder, die ihren Sport in leeren Becken in LA erfanden.

Die Astronauten der Apollo legten während ihrer Übung für den Ausstieg im Wasser auf knallgelben Plastikmatratzen ein Päuschen ein, Martin Parr amüsierte sich 1996 über absurd überfüllte künstliche Strände in Hallenbädern in Japan, während Konzeptkünstler Leandro Erlich in Kanazawa eine kuriose Installation aufstellte, bei der die Besucher verdutzt in ein gefülltes Becken über ihnen schauten.

Im Finale kehrt sich die heile Sommerwelt mit Aufnahmen von verwahrlosten Bassins in Bagdad und Kabul ins Gegenteil. Und auch Larry Sultans Blick auf das ultimative Statussymbol ist nicht schwärmerisch. Im Rahmen seiner Chronik der Erotikindustrie im San Fernando Valley fotografierte er Vorstadthäuser, die von Pornoproduzenten angemietet wurden. Dass der Luxuspool den Crews als Zen­trum des Geschehens diente, überrascht nicht weiter. Geld, Status und Sex sind schließlich mehr denn je die Welle, auf der das Entertainment reitet.

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