Nach Abrechnungs-Verstößen

Belvedere-Chefin Husslein-Arco muss gehen

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Im Haus hängt Klimts berühmter "Kuss". Auf dem Teich schwimmt aktuell eine Installation von Chinas Top-Künstler Ai Weiwei. Das Belvedere ist attraktiv wie selten - und trotzdem in den Negativ-Schlagzeilen

Das für seine Klimt-Sammlung berühmte Belvedere in Wien bekommt nach großen Querelen eine neue Leitung. Die Geschäftsführung des Museums wird ab 2017 wegen Verstößen gegen hausinterne Verhaltensregeln neu aufgestellt, wie Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) am Mittwoch in Wien mitteilte. Der Vertrag der langjährigen Direktorin Agnes Husslein-Arco (62) werde nicht verlängert. Sie soll dienstliche mit privaten Interessen vermischt haben. Eine bereits erfolgte Ausschreibung für die künstlerische und die kaufmännische Leitung wird laut Drozda wiederholt.

Die machtbewusste und resolute Kulturmanagerin, von der Wiener Zeitung "Der Standard" als "Museumsgräfin" bezeichnet, darf nur noch bis Ende des Jahres das Haus mit der weltweit größten Sammlung von Bildern des Jugendstil-Malers Gustav Klimt leiten. "Mit der derzeitigen strukturellen, organisatorischen und personellen Konstellation sehe ich nicht die Möglichkeit, den Betrieb wieder in ruhige Bahnen zu führen und so an die Erfolge der Vergangenheit anschließen zu können", begründete Drozda seine Entscheidung.

Damit versucht die Alpenrepublik nach wochenlangen Personal-Querelen, einen Schlussstrich in der Belvedere-Affäre zu ziehen. Zunächst hatte Husslein-Arco die Wellen von sich aus glätten wollen. Vor dem Kuratorium des berühmten Museums räumte sie Verfehlungen ein und wollte den Schaden - die Rede ist von 13 000 bis 30 000 Euro - aus eigener Tasche begleichen. Doch der Versuch vonseiten des Kuratoriums, Licht in die Sache zu bringen, wirbelte am Ende schon allein wegen der Rechnung noch mehr Staub auf.

Die beauftragten Wirtschaftsprüfer wollen 130 000 Euro für ihre Dienstleistung. Da platzte Drozda der Kragen. "Wie man auf eine sechsstellige Summe kommt, ist mir völlig unbegreiflich. Gehen Sie davon aus, dass diese Summe nicht im Ansatz bezahlt wird", wetterte er am Mittwoch.

Pikant an dem ganzen Vorgang: Die Abrechnungen der Direktorin waren intern von Prokuristin Ulrike Gruber-Mikulcik zunächst abgesegnet worden. Beide Frauen wollten als künftige Doppelspitze das Haus ab 2017 leiten. In der Presse wurde jedoch spekuliert, dass die Prokuristin kaum Chancen habe. Wenig später gelangten Informationen über die angeblichen Verfehlungen der Direktorin an die Öffentlichkeit. Jüngst erstattete die freigestellte Prokuristin Anzeige wegen des Verdachts der Untreue gegen ihre Chefin.

Husslein-Arco leitet das Belvedere seit 2007. Zuvor war die einstige professionelle Eiskunstläuferin unter anderem Geschäftsführerin des Auktionshauses Sotheby's in Österreich und Direktorin des Salzburger Rupertinums. Sie war mit großer Geste auf dem gesellschaftlichen Parkett unterwegs und bestens vernetzt. Das Belvedere hat unter ihrer Leitung deutlich an Zugkraft gewonnen und gilt als Pflicht-Visite eines Wien-Besuchs. Die Museumschefin zeigte sich gegenüber der Nachrichtenagentur APA wortkarg: "Ich nehme die Entscheidung von Bundesminister Thomas Drozda mit Bedauern zur Kenntnis."

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