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Highlights des Kunstjahrs

Wohin 2019?

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Ausstellungen und Biennalen: Highlights des Kunstjahrs 2019

BAUHAUS-JUBILÄUM: Die legendäre Schreibtisch-Leuchte, die halbkugelige Teekanne und der freischwingende Stuhl - Designklassiker des Bauhauses prägen heute den Alltag. 2019 feiert Deutschland 100 Jahre Bauhaus, denn 1919 hatte Walter Gropius die Kunstschule "Staatliches Bauhaus" in Weimar ins Leben gerufen. Die 14 Jahre bis zur Machtübernahme der Nazis reichten aus, um dem Bauhaus-Stil dauerhaften Einfluss zu sichern. Eine Übersicht mit den Highlights des Jubiläumsprogramms in ganz Deutschland finden Sie hier. Die Januar-Ausgabe von Monopol widmet dem 100. Geburtstag einen Schwerpunkt und auch der neue Monopol-Podcast widmet sich eine Stunde lang dem Bauhaus.

WADE GUYTON: Kaum einer hat die Frage, was die Malerei mit dem Einbruch digitaler Bildwelten anstellen soll, in den letzten 20 Jahren so systematisch und gleichzeitig eigensinnig beantwortet wie der 1972 geborene US-Amerikaner. In einer großen Retrospektive sind im Kölner Museum Ludwig vom 16. November bis 1. März 2020 Schlüsselwerke und ganz neue Arbeiten zu sehen.

VENEDIG-BIENNALE: "May You Live in Interesting Times" nennt Chefkurator Ralph Rugoff (hier im Monopol-Interview) seine Hauptausstellung vom 11. Mai bis 24. November, und interessant fängt der Beitrag für den deutschen Pavillon an: Natascha Süder Happelmann ist das Pseudonym der deutsch-iranischen Künstlerin Natascha Sadr Haghighian, das sie aus zahl­losen irrtümlichen Verdrehungen ihres Namens generierte. Auch die meisten Künstler und Kuratoren der anderen Länderpavillons stehen fest - hier unsere Übersicht.

ANNE IMHOF: Die Frankfurterin wird für die Londoner Tate Modern eine neue Arbeit entwickeln. Die Künstlerin, die für ihre mehrstündigen Aufführungen bekannt ist und für "Faust" 2017 auf der Biennale von Venedig den Goldenen Löwen für den besten Pavillon bekam, bespielt das Performanceprogramm "BMW Tate Live" als erste Einzelposition. Geplant ist eine Aufführung über die gesamte Laufzeit aus zehn Tagen und sechs Nächten, bestehend aus Musik, Malerei und Skulptur. Lesen Sie auch den Kommentar von Silke Hohmann zu den Plänen.

LAURIE PARSONS: In den 80ern wurde die US-Amerikanerin in der Kunstwelt bekannt, doch nach einigen Ausstellungen beendete sie ihre künstlerische Arbeit und widmete sich der Sozialarbeit. Nun präsentiert das Museum Abteiberg in Mönchengladbach vom 15. April bsi 8. September eine Schau mit Parsons-Werken. Die heute 60-Jährige arbeitete mit Fundstücken von der Straße und ordnete die Objekte nach einem festen Schema an.

VAN GOGH: Es soll "die bis dato größte und aufwendigste Präsentation in der Geschichte des Städel" werden: die große Vincent-van-Gogh-Ausstellung, die am 23. Oktober 2019 in dem Frankfurter Museum eröffnet. Rund 140 Werke sollen zu sehen sein - 50 von van Gogh selbst, 90 weitere von Künstlern wie Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff oder Max Beckmann. Denn das Städel will den Maler "im Kontext seiner deutschen Rezeption" in den Blick nehmen. Die Ausstellung thematisiert "die besondere Rolle, die deutsche Galeristen, Sammler, Kritiker und Museen für die Erfolgsgeschichte des Vorreiters der modernen Malerei spielten". Van Gogh (1853-1890) gilt als der verkannte Künstler schlechthin, da er zeitlebens nur einige wenige Bilder verkaufte. Doch malte er nur während der letzten zehn Jahre seines Lebens, und fast alle Werke, die heute jeder kennt, entstanden erst drei Jahre vor seinem Tod. Wäre er nicht nur 37 Jahre alt geworden, sondern 70, wäre er als reicher und berühmter Künstler gestorben. Eine weitere Van-Gogh-Ausstellung gibt es schon früher im Jahr, vom 27. März bis zum 11. August 2019, in der Tate Britain. Während sich die Frankfurter um deutsche Bezugspunkte zu dem niederländischen Maler-Genie bemühen, haben die Londoner natürlich seine Verbindungen nach Großbritannien im Auge. Immerhin: Während van Gogh Deutschland nie betreten hat und es in seinen zahlreichen Briefen so gut wie nie erwähnte, lebte er 1873/74 einige Zeit in London. Allerdings war er dort kreuzunglücklich. "Ich habe mich dort nie in meinem Element gefühlt", schrieb er rückblickend. Über die englische Kunst urteilte er: "sehr schlecht und uninteressant". Man darf also gespannt sein, wie die Schau aufgezogen wird.

LEE KRASNER: Das Werk der Malerin (1908–1984) ist in Europa nicht ausreichend gewürdigt worden. Die große Retrospektive in der Frankfurter Schirn vom 11. Oktober bis 12. Januar 2020 ist die erste Präsentation ihrer Gemälde, Zeichnungen und Collagen nach mehr als 50 Jahren. Zeit für die Entdeckung einer bedeutenden Künstlerin, die bislang meist nur "die Witwe von Jackson Pollock" war.

ROBERT MAPPLETHORPE: 30 Jahre nach seinem Tod widmet sich das Guggenheim Museum ein Jahr lang Robert Mapplethorpe. "Implicit Tensions: Mapplethorpe Now" zeigt erst frühe Arbeiten wie Polaroids und Collagen, in der zweiten Jahreshälfte geht es um Selbstrepräsentation: Mapple­thorpes
Arbeiten im Dialog mit Catherine Opie, Paul Mpagi Sepuya und anderen.

KNAUSGARD KURATIERT MUNCH: "Der Schrei" von Edvard Munch ist heute vermutlich das bekannteste Bild der Welt. Selbst wer noch nie ein Museum besucht hat, kennt es, weil das Emoji für Erschrecken, Angst, Grausen dem entsetzten Gesicht nachempfunden ist. Die Kunstsammlung NRW in Düsseldorf hat jetzt einen besonderen Ansatz für eine Munch-Ausstellung entwickelt: Sie lässt ihre Schau von dem norwegischen Schriftsteller Karl Ove Knausgård ("Mein Kampf") kuratieren. Vom 12. Oktober 2019 bis Ende Februar 2020 zeigt die Kunstsammlung 130 Gemälde und Papierarbeiten aus dem Archiv und Depot des Munch-Museums in Oslo. Sie verspricht eine "nie zuvor gesehene Perspektive" auf den wohl bekanntesten skandinavischen Maler.

MARTIN PARR: Mit über 400 Werken ist die Ausstellung im NRW-Forum in Düsseldorf die bislang umfassendste Retrospektive des britischen Fotografen. Neben Werken aus den berühmten Serien wie "Last Resort" oder "Luxury" zeigt er vom 19. Juli bis 10. November die eigens im Großraum Düsseldorf aufgenommene Serie "Kleingärtner".

MICHAEL JACKSON: Eine große Ausstellung zu Michael Jackson kommt vom 22. März bis zum 14. Juli 2019 nach Bonn in die Bundeskunsthalle. Die Schau "Michael Jackson: On the Wall" zeigt den "King of Pop" in mehr als 70 Kunstwerken unter anderem von Andy Warhol, Jeff Koons und Paul McCarthy. "Das Phänomen Michael Jackson hat Generationen in seinen Bann gezogen", sagt Rein Wolfs, Intendant der Bundeskunsthalle, der Deutschen Presse-Agentur. Keine Gestalt aus dem Kulturbereich sei in den letzten 50 Jahren öfter in Kunstwerken verewigt worden als Michael Jackson, der heute 60 Jahre alt wäre. Er starb 2009 in Los Angeles. Die Ausstellung war 2018 in der National Portrait Gallery in London zu sehen.

DEUTSCHE MALEREI: Die Staatsgalerie Stuttgart zeigt vom 12. April bis 11. August das Frühwerk von Georg Baselitz, Gerhard Richter, Sigmar Polke und Anselm Kiefer mit rund 100 frühen Hauptwerken aus den 60er-Jahren.

ISTANBUL-BIENNALE: Die 16.Ausgabe, die erneut von der Istanbul Foundation for Culture and Arts (İKSV) organisiert und von der Koç Holding gesponsert wird, wird vom 14. September bis 19. November Gegenwartskunst an verschiedenen Orten der Bosporus-Stadt zeigen. Diesmal wird sie von Nicolas Bourriaud kuratiert. Der französische Kurator, Kunstwissenschaftler und Autor leitet das von ihm gegründete Ausstellungshaus Montpellier Contemporain (MoCo) und ist Mitbegründer des Palais de Tokyo in Paris. 1998 erschien sein Buch "Esthétique relationnelle", das lange Zeit die Rezeption der Kunst der 90er-Jahre prägte.

MARGUERITE HUMEAU: Die Werke der französischen Künstlerin fußen auf Untersuchen, die sie  gemeinsam mit Historikern, Anthropologen, Paläontologen, Zoologen, Linguisten und Ingenieuren anstellt. Im Kunstverein in Hamburg widmet sie sich vom 16. Februar bis 28. April einmal mehr den Ursprüngen der Menschheit – in einer großen Installation mit neuen skulpturalen und soundbasierten Arbeiten. Figuren der ägyptischen Mythologie dienen dabei als Ausgangspunkt, um die Mythen der Gegenwart zu verstehen.

KADER ATTIA: Ganzheit und Verletzung, Authentizität und Reparatur, Zugehörigkeit und Andersartigkeit sind Kernbegriffe der Kunst des algerisch-französischen Installationskünstlers. Er bewegt sich auf den Spuren des Kolonialismus und untersucht darüber hinaus, wie moderne Gesellschaften Identitäten einschränken. Mit seiner Soloschau in der Londoner Hayward Gallery stellt er vom 13. Februar bis 6. Mai erstmals umfassend in England aus. Im Mittelpunkt steht eine Werkgruppe, die sich mit Ideen der Reparatur als physischem und symbolischem Akt beschäftigt.

AI WEIWEI: Der chinesische Künstler ist vom 18. Mai und bis zum 1. Septembermit einer großen Ausstellung zu Gast in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. "Als Aktivist ist er Künstler und als Künstler ist er Aktivist", sagt Museumschefin Susanne Gaensheimer. Der prominente Dissident bespielt mit raumfüllenden Installationen gleich zwei Häuser des Düsseldorfer Museums. Darunter ist auch die Arbeit "Life Cycle", eine 2018 entstandene, raumfüllende Skulptur. Die zarte, über 17 Meter hohe Plastik aus Bambus und Sisalgarn stellt Figuren in einem Schlauchboot dar und ist erstmals in Europa zu sehen.

JACK WHITTEN: Der New Yorker Künstler führte mit Material- und Einfallsreichtum das Erbe des Abstrakten Expressionismus ad absurdum. Die verdiente Anerkennung hat der 2018 mit 78 Jahren gestorbene Künstler erst spät bekommen, daran hatte auch Udo Kittelmann, Direktor der Nationalgalerie Berlin, einen Anteil, indem er dem Maler, der bis 2007 von keiner nennenswerten Galerie vertreten wurde, an Alexander Gray Associates vermittelte. Es folgten mehrere Retrospektiven in großen US-Museen und ein erster Katalog überhaupt. Vom 29. März bis zum 1. September wird Kittelmann eine umfassende Schau im Hamburger Bahnhof in der deutschen Hauptstadt zeigen. Whitten war mit abstrakter Malerei in Mosaiktechnik bekannt geworden, die heute wirkt wie ein lang vermisstes Bindeglied zwischen Abstraktem Expressionismus und der jüngeren afroamerikanischen Malerei eines Mark Bradfords.

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