Tipps und Termine

Wohin am Wochenende?

© Boris Mikhailov. VG Bild-Kunst, Bonn 2019
© Boris Mikhailov. VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Ohne Titel, a.d.S. Case History,1997/98. Zu sehen in der Ausstellung "Boris Mikhailov. Before Sleep / After Drinking" im C/O Berlin

Eröffnungen der Woche: Tipps für Baden-Baden, Berlin, Dresden, Düsseldorf, Gera, Krefeld, Lübeck, Maastricht, Paris, Schweinfurt, Stuttgart, Wien, Wiesbaden, Worpswede

Seelen-Kunst in Baden-Baden
Johan Holten und sein kuratorisches Team machen an der Kunsthalle Baden-Baden eines der interessantesten Programme für Gegenwartskunst im süddeutschen Raum. Mit der Einzelausstellung des nigerianischen Künstlers Emeka Ogboh 2017/18 bewies die Kunsthalle beispielsweise zur richtigen Zeit ein Gespür für die Themen der Gegenwart, und mit der ersten großen Einzel­ausstellung von Alina Szapocznikow gelang 2018 eine großartige institutionelle Wiederentdeckung der polnischen Künstlerin (1926–1973). Aber das Profil eines Ausstellungshauses wird am deutlichsten in thematischen Gruppenausstellungen: Hier können Werke so zusammen gezeigt werden, dass aus der Begegnung mit Kunst Beiträge zu gesellschaftlichen Fragestellungen werden. "Psyche als Schauplatz des Politischen" geht davon aus, dass wir immer mehr von Bildern aus der Außenwelt durchdrungen werden und sich dadurch auch unser Inneres verändert. Zehn Künstler bearbeiten in ihren Werken diese Transformation zwischen inneren und äußeren Bildern. Das Phänomen ist ein zugleich globales wie auch ein sehr privates. Zu den Künstlern zählen Chen Zhe, Jorinde Voigt, Liz Magic Laser, Omer Fast oder Kader Attia. Dabei sind die Künstler längst nicht mehr die Schöpfer von Bildern aus ihrem Innern, wie es vor hundert Jahren der Fall war, sondern sie sind zugleich Analysten, Autoren, Feldforscher und nicht zuletzt Experten für Bilder.
"Psyche als Schauplatz des Politischen", Staatliche Kunsthalle Baden-Baden, 16. März. bis 16. Juni

Kanye West Porträt von Heji Shin in Berlin
Er gerät immer wieder für erratische Tweets und merkwürdige Auftritte in die Schlagzeilen. Mal hält er sich für Jesus, mal bekundet er seine Sympathie für Donald Trump - die Fotografin Heji Shin porträtierte den umstrittensten Künstler unserer Zeit. Nachdem sie kürzlich ihre Arbeiten in der Kunsthalle Zürich zeigte, wandert ihr Poträt des amerikanischen Hip-Hoppers und Produzenten Kanye West nun nach Berlin in die Galerie Buchholz. "Kanye West ist die einzige Person, die meine Aufmerksamkeit seit einiger Zeit erregt hat. Auch wegen seiner kulturellen Bedeutung, die über einen Mainstream-Musiker und Celebrity hinausgeht. Seine Popularität ist unumstritten, aber er stellt auch für viele eine Provokation dar wegen mancher Äußerungen", erklärte die Fotografin kürzlich in einem Interview mit Monopol.
"Kanye", Galerie Buchholz, Berlin, 5. März bis 20. April, Eröffnung 15. März, 19 bis 21 Uhr

Olaf Metzel in Berlin
Er zählt mit seinen "performativen Skulpturen" zu den bedeutendsten deutschen Bildhauern der Gegenwart. Für seine Werke verwendet der 1952 geborene Künstler Olaf Metzel meist Versatzstücke aus der Alltagskultur und gilt dabei als streitbarer Charakter, dessen Arbeiten auf oft provokative Art gesellschaftspolitische Themen ins Visier nehmen. Nun eröffnet die Galerie Wentrup ihre neuen Räumlichkeiten in der Knesebeckstraße mit einigen Arbeiten des Bildhauers. Die Galerie ist in ein denkmalgeschütztes Backsteingebäude umgezogen, das 1928 im Stil der Neuen Sachlichkeit erbaut wurde. Der deutsche Designer Sebastian Herkner war für die Gestaltung der neuen Räumlichkeiten verantwortlich.
"Olaf Metzel ", Wentrup Gallery, 19. März bis 13. April, Eröffnung: 16. März, 17 Uhr

Boris Mikhailov, Jojakim Cortis und Adrian Sonderegger in Berlin
Das C/O Berlin begrüßt das Wochenende mit gleich zwei Ausstellungen im Amerika Haus. In seiner Ausstellung "Before Sleep / After Drinking" zeigt der Ukrainer Boris Mikhailov die kulturellen, sozialen und politischen Umwäzungen in den ehemaligen Ostblockstaaten. Noch bis in die 1990er-Jahre blieben seine Fotografien weitestgehend unveröffentlicht, dann, 1994 bekam er ein Stipendium nach New York, zwei Jahre später eins nach Berlin. Heute gilt er als einer der wichtigsten Gegenwartsfotografen der postsowjetischen Generation. Darüber hinaus zeigt das C/O Berlin Arbeiten der Schweizer Künstler Jojakim Cortis und Adrian Sonderegger, in denen sie Szenen aus der Fotografie- und Menschheitsgeschichte nachbasteln. Allerdings geht es nicht darum, die Bilder eins zu eins zu kopieren. Stattdessen zeigt die Fotoserie "Double Take", die die zwei Künstler über drei Jahre aufgenommen haben, das Staging der abgebildeten Szenen im Atelier – mitsamt der Hilfsmittel: Stative, scheinbar achtlos stehengelassene Tesafilmrollen, Pappe, Pinsel, Pinzetten. Die Atelieransichten umrahmen die Szenen und dokumentieren ihre Rückübersetzung in die Dreidimensionalität.
"Before Sleep / After Drinking" und "Cortis & Sondergegger. Double Take", C/O Berlin, bis 1. Juni, Eröffnung: 15. März, 19 Uhr

Jonathan Monk in Berlin
Der britische Künstler Jonathan Monk kreiert seit den späten 1990er Jahren Kunstwerke, die auf anderen Kunstwerken basieren, wobei er sich insbesondere auf die Zeichensprachen der Konzeptkunst sowie der Pop Art bezieht. Oftmals lasen sich die Remakes als Parodien. In seine späteren Arbeiten lenkt er den Fokus seiner Bezugnahme vielmehr auf die Frage: Wie könnte das Werk noch aussehen? Im Rahmen seiner aktuellen Ausstellung in der Galerie Meyer Riegger präsentiert er nun zwei neue skulpturale Arbeiten, welche die Assemblage "Bedroom Tit Box" (1968 – 70) des US-amerikanischen Künstlers Tom Wesselmann neu inszenieren. Damit eröffnet die Galerie auch ihre neuen Räumlichkeiten in Charlottenburg, in der Schaperstraße 14.
"That’s About the Size of It", Galerie Meyer Riegger, bis 13. April, Eröffnung: 15. März, 18 Uhr

"Bauhaus Imaginista" in Berlin
Im Jahr 2019 gleicht das Bauhaus einer freundlichen untoten Seele, die durch die deutschen Museen spukt. Immer muss es reisen, niemals kommt es zur Ruhe, und jeder, der seiner gewahr wird, fühlt sich fortan verfolgt. Das Berliner Haus der Kulturen der Welt beschäftigt sich nun einerseits mit den Reisen des Bauhauses zu dessen Lebzeiten und andererseits ebenfalls mit etwas Geisterhaften: mit Ideen von Modernität, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts überall auf der Welt aufkamen. Das Ausstellungs- und Forschungsprojekt "Bauhaus Imaginista" (ein Fantasiebegriff, der esperantohaft die Assoziation von Visionärem wecken soll) ist selbst schon herumgekommen, jetzt treffen sich in Berlin die Ergebnisse von Recherchen auf der ganzen Welt. Eine Bauhaus-Kooperation aus Weimar, Dessau und Berlin hat zusammen mit dem Goethe-Institut und dem HKW die globalen Vernetzungen des Bauhauses nachgezeichnet. Dabei geht es einmal um das Wirken von Bauhäuslern in aller Welt, um das Ehepaar Albers am Black Mountain College in North Carolina oder den Architekten Arieh Sharon in Israel und Nigeria, aber die Ausstellung ist auch einem anderen Phänomen auf der Spur, das in der Kunstwelt derzeit gern „globale Moderne“ genannt wird. Das Projekt will zeigen, wie sich auch in Indien oder Japan Kunstschulen gründeten, die disziplinübergreifende Lehre und funktio­nale Formensprache in den Vordergrund stellten. Mit dem Bauhaus gab es in diesen außereuropäischen Talentschmieden zwar teilweise Austausch, doch die Impulse zur Moderne lassen sich nicht als deutsch beanspruchen. Die Ausstellung in Berlin ist die letzte Station der "Imaginista"-Weltreise, die auch auf einer von Informationen überfließenden Website mit ­Essays und Originaldokumenten gut nachvollzogen werden kann. Hier werden die weißen Wände der deutschen Bauhaus-Zentren entschlossen eingerissen, und die Ideen fließen in die Welt, wo sie für immer zirkulieren. Passenderweise heißt ein Kapitel des Projekts "Still Undead".
"Bauhaus Imaginista", Haus der Kulturen der Welt, Berlin, bis 10. Juni

Anton Graff in Dresden
Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden widmen dem Schweizer Maler Anton Graff (1736-1813) eine Sonderausstellung. Zugleich gibt die ab Mittwoch geöffnete Schau Einblick in die restauratorische Arbeit der SKD. Gemälde wie das "Jugendliche Selbstbildnis" von 1765 waren seit 2013 restauriert worden. Graff hat wie kein anderer die Porträtmalerei am Ende des 18. Jahrhunderts geprägt. Als Dresdner Hofmaler habe Graff aber nicht nur Standesporträts gemalt, sondern auch Vertreter eines aufgeklärten Bürgertums. Graff hatte sich mit dem "Jugendlichen Selbstbildnis" in Dresden beworben und die Stelle des kurfürstlich-sächsischen Hofmalers erhalten. Trotz lukrativer Angebote etwa aus Preußen blieb er zeit seines Lebens am sächsischen Hof. "In seiner Rolle als Lehrer und seit 1789 als Professor an der Akademie wirkte der Künstler stilbildend für die nachfolgende Generation Dresdner Maler", hieß es. Graff schaue ins "Innere der Seele", er "male nicht den Leib, sondern den Geist» wird der Schweizer Philosoph Johann Georg Sulzer zitiert. Anton Graff stammte aus Winterthur. Er hinterließ etwa 2000 Werke und porträtierte rund 1000 Menschen, darunter die wichtigsten Intellektuellen seiner Zeit. Die Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden besitzt etwa 50 Werke. In der aktuellen Schau sind 25 Ölgemälde zu sehen. (dpa)
"Anton Graff (1736–1813) – Porträts", Gemäldegalerie Alte Meister, bis 16. Juni

Tanz- und Performance-Festival in Düsseldorf
Die Roboter haben das Kino verlassen. Lange konnte man sich von möglichen Transformationen des menschlichen Körpers in ein technoides Mischwesen vor allem im Genre des Science-Fiction-Films ein Bild machen, seit einiger Zeit aber ist das Thema auch in der Kunst erstaunlich präsent. Das mag nicht zuletzt damit zusammenhängen, dass viele Science-Fiction-Fantasien längst keine mehr sind. Mit "Hi Robot! Das Mensch Maschine Festival" im Tanzhaus NRW in Düsseldorf wird den hybriden Körper­bildern in den Künsten des 21. Jahrhunderts nun eine zwanzig­tägige Veranstaltungsreihe gewidmet. In Konzerten, Performances, Ausstellungen und Vorträgen wird erforscht, welche Körpermodelle in Zukunft gelebt werden könnten.
"Hi Robot! Das Mensch Maschine Festival", Tanzhaus NRW, Düsseldorf, bis 31. März

Henry van de Velde in Gera
Würdigung eines Wegbereiters des Bauhauses: Arbeiten des Architekten, Gestalters und Theoretikers Henry van de Velde (1863-1957) zeigt nun eine Ausstellung des Hauses Schulenburg in Gera. Zu sehen sind unter anderem Grafiken, Drucke und Beispiele für die Gestaltung von Büchern durch den in Belgien geborenen Van de Velde. Ebenfalls angekündigt ist die erste Ausgabe der Zeitschrift "L'Art Decoratif", die 1898 ausschließlich dem Künstler gewidmet war. Das Haus Schulenburg als Ausstellungsort ist auf besondere Weise mit Van de Velde verbunden: Er hatte das Bauwerk 1913/14 für den Textilfabrikanten Paul Schulenburg entworfen und erbaut und dabei gestalterische Elemente des Bauhauses vorweggenommen. (dpa)
"Henry van de Velde - Wegbereiter des Bauhauses und Grenzgänger der Moderne", Haus Schulenburg, Gera, 15. März bis 15. Februar 2020, Eröffnung: 15. März, 19 Uhr

Bauhaus-Villen in Krefeld
Ludwig Mies van der Rohe hätte die beiden Villen in Krefeld gerne radikaler gebaut. Doch seine Auftraggeber, zwei Seidenfabrikanten, ließen sich nicht auf alle Ideen des letzten Bauhaus-Direktors ein: Eine reine Glasfront zum Garten - damit kam der Architekt Ende der 1920er Jahre nicht durch. Die Herren Esters und Lange wollten mehr Privatheit für sich und ihre Familien. Heute werden die Backstein-Wohnhäuser in einem Villenvorort von Krefeld als Museen genutzt. Doch im Bauhaus-Jahr werden sie selbst zum Schaustück. In dem Ausstellungs-Projekt "Anders wohnen" können die Besucher den weitgehend leeren Räumen mit Spezialbrillen die ursprüngliche Möblierung ansehen. Nach einer 1,2 Millionen Euro teuren Restaurierung ist die originale Ausstattung so weit wie möglich wiederhergestellt. (dpa)
"Anders wohnen", Haus Esters und Haus Lange, Krefeld, 17. März bis Januar 2020

"Hanseart" in Lübeck
Von Freitag bis Sonntag verwandelt sich die Rotunde der Lübecker Musik- und Kongresshalle in eine Kunstgalerie. Drei Tage lang präsentiert die Messe "Hanseart" Gegenwartskunst zum Schauen und Kaufen. Rund 70 Künstler und Galerien zeigen nach Angaben der Veranstalter Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Fotografie, Grafik und Skulptur. Lübecks Kultursenatorin Kathrin Weiher wird die Verkaufsausstellung am Freitag um 17.15 Uhr eröffnen. Gegründet wurde die "Hanseart" im Jahr 2006. Seit 2012 ist Lübeck der alleinige Austragungsort der Messe, zuvor hatte sie auch in Hamburg, Oldenburg und Bremen stattgefunden. (dpa)
"HanseArt Kunstmesse", Musik- und Kongresshalle Lübeck, bis 17. März, Eröffnung: 15. März, 17 Uhr

Tefaf in Maastricht
Die Tefaf in Maastricht gilt als weltweit wichtigste Messe für alte Kunst. Eines der teuersten Werke in diesem Jahr ist das Porträt "Hugo" von Ernst Ludwig Kirchner von 1914, das für gut drei Millionen Euro angeboten wird. Vom 16. bis zum 24. März sind im Maastrichter Messezentrum 279 Galeristen aus 21 Ländern vertreten, darunter 40 Neuaussteller. Ihr Sortiment umfasst Zehntausende Objekte aus 7000 Jahren Kunstgeschichte. Die Tefaf wurde 1987/88 von einem kleinen Zirkel von Kunsthändlern gegründet. Seitdem hat sich der Umfang des Kunstmarkts mehr als verdoppelt. Deutschland spielt dabei eher eine Nebenrolle - die größten Märkte für Kunst und Antiquitäten sind die USA, China und Großbritannien.b (dpa)
"Tefaf Maastricht", Kongresszentrum MECC Maastricht, 16. bis 24. März

Thomas Schütte in Paris
Mit mehr als 60 Werken widmet Paris dem deutschen Künstler Thomas Schütte die erste Retrospektive in der französischen Metropole. Unter dem Titel "Drei Akte" zeigt die Werkschau im Museum Monnaie de Paris gegenüber dem Louvre Arbeiten aus über 30 Jahren künstlerischen Schaffens. Die Ausstellung beginnt mit der historischen Arbeit "Mein Grab" (1981) mit Schüttes selbstgenanntem Todesdatum 25.03.1996 und endet im Jahr 2018 mit den eigens für Paris geschaffenen monumentalen Skulpturen "Mann mit Fahne" und "Mann ohne Gesicht". Die Retrospektive gibt Einblick in ein Werk, das sich zwischen Papierarbeiten, modellhafter Architektur und menschlicher Figur bewegt. Vor allem aber illustriert sie eines: Die Kunst des international bekannten zeitgenössischen Bildhauers verwehrt sich konkreten Auslegungen oder wie der 64-Jährige in Paris sagte: "Ich versuche meine Arbeiten so zu machen, dass sie ganz verschiedene Lesarten erlauben", wie er der Deutschen Presse-Agentur in Paris sagte. (dpa)
"Trois Actes", Monnaie de Paris, bis 16. Juni

Gunter Sachs in Schweinfurt
Er war nicht nur ein begehrtes Objekt der Paparazzi: Sachs fotografierte auch selbst und sammelte Kunst. Die Kunsthalle Schweinfurt stellt etwa 170 mit Sachs verbundene Werke aus, darunter nach eigenen Angaben erstmals seine Fotosammlung. Zu ihr zählen Bilder von bekannten Künstlern wie Richard Avedon und Andy Warhol. Die Ausstellung zeigt außerdem Gemälde aus der Sammlung von Sachs und von ihm gedrehte Filme. Der 2011 gestorbene Unternehmer und Lebemann Sachs hatte familiäre Wurzeln in Schweinfurt. Bereits 2013 widmete die Kunsthalle ihm eine Ausstellung. Mit 65 000 Besuchern sei es die erfolgreichste Schau in der inzwischen zehnjährigen Geschichte des Hauses gewesen. Die neue Ausstellung wurde zusammen von der Kunsthalle und dem Institut für Kulturaustausch in Tübingen kuratiert. (dpa)
"Gunter Sachs - Kamerakunst. Fotografie, Film und Sammlung", Kunsthalle Schweinfurt, bis 16. Juni

Afrika-Ausstellung in Stuttgart
Unter dem Titel "Wo ist Afrika?" wird sich das Stuttgarter Linden-Museum der kolonialen Vergangenheit Deutschlands widmen und eine Neupräsentation seiner Afrika-Sammlungen zeigen. Beim Betrachten der Objekte soll es auch darum gehen, ein durch kolonialistische Stereotypen geprägtes Afrikabild aufzubrechen. Die Stücke stammen aus dem Kongobecken und dem heutigen Kamerun, Mosambik, Nigeria und Tansania. Ein Großteil von ihnen gelangte während der Kolonialzeit ab dem Ende des 19. Jahrhunderts in die Sammlungen. In der Ausstellung soll ihre Geschichte aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden. Ein Beirat aus in Deutschland lebenden Menschen afrikanischer Herkunft hat an der Konzeption mitgewirkt. Das Linden-Museum will mit der Ausstellung auch seine Herkunftsforschung zu kolonialzeitlichen Objekten weiter vorantreiben. Erst im Februar hatte die baden-württembergische Landesregierung eine historische Bibel und eine Peitsche aus der Sammlung des Museums an Namibia zurückgegeben. Beide Gegenstände waren zu Kolonialzeiten geraubt worden. Sie gehörten Hendrik Witbooi, einem Anführer des Volkes der Nama. Dessen Mitglieder wurden vor mehr als 100 Jahren zu Tausenden von Truppen der deutschen Kolonialmacht getötet. (dpa)
"Wo ist Afrika?", Linden-Museum, Stuttgart, ab 16. März

Mark Rothko in Wien
Farbflächen ohne Rahmen: Wichtige der bewusst untitulierten abstrakten Werke des US-Künstlers Mark Rothko (1903-1970) sind nun im Kunsthistorischen Museum in Wien zu sehen. Im Mittelpunkt der Schau des Wegbereiters der Farbfeld-Malerei stehen die großformatigen, in Rot- und Erdtönen gehaltenen Wandbilder, die 1958/1959 für das Seagram Building in New York entstanden. Die insgesamt 46 ausgestellten Bilder seien eine Reise durch das Lebenswerk, sagt Kurator Jasper Sharp. "Jedes einzelne repräsentiert einen Baustein in der Entwicklung von Rothko". So sind gegenständliche Bilder aus der frühen Zeit ebenso zu sehen wie die zu den letzten figurativen Arbeiten zählenden Werke "Aeolian Harp/No.7" und "Room in Karnak" von 1946. Der in Russland (heute Lettland) geborene Rothko war Vertreter des Abstrakten Expressionismus. Mit seiner Abkehr von Mal-Traditionen beeinflusste er seit den 1950er Jahren viele andere Künstler. Dieser Bruch sei voller Hochachtung für das erfolgt, was seiner Zeit vorausgegangen war, so die Ausstellungsmacher. Rothko habe Rembrandt bewundert, aber auch Henri Matisse und Pierre Bonnard. Die Preise für sein insgesamt 800 Bilder umfassendes Gesamtwerk seien in den vergangenen Jahrzehnten explodiert, meinte Sharp. Dies mache eine Ausstellung umso schwieriger. Wichtige Leihgeber sind die National Gallery, die Kunstmuseen Basel und Bern sowie die Fondation Beyeler. (dpa)
"Mark Rothko", Kunsthistorisches Museum Wien, bis 30. Juni

Eva Hesse in Wiesbaden
Das Museum Wiesbaden widmet eine Ausstellung den Zeichnungen der Künstlerin Eva Hesse (1936-1970). Die rund 70 Zeichnungen und Collagen sollen den Schaffensprozess der Künstlerin aufzeigen, die mit Skulpturen aus Materialien wie Latex, Polyester und Glasfaser bekannt wurde. Gezeigt werden in der Ausstellung auch fünf Skulpturen und drei Gemälde. Hesse gilt als eine der ersten Vertreterinnen feministischer Kunst und stammte ursprünglich aus Hamburg. Mit ihrer Familie wanderte sie 1939 wegen des Nazi-Regimes in die USA aus. (dpa)
"Eva Hesse – Zeichnungen", Museum Wiesbaden, bis 23. Juni

Gründungsjubiläum der Kunsthalle Worpswede
Die Kunsthalle war die erste Worpsweder Galerie überhaupt. Mit der Ausstellung "Kunstkosmos Worpswede" feiert das Museum nun seinen 100. Geburtstag. Die Ausstellung hat einen dynamischen und einen statischen Teil, durchgehend sind Werke der Gründergeneration zu sehen, etwa von Hans am Ende, Otto Modersohn und Heinrich Vogeler. "Alle vier bis sechs Wochen wird ein Impuls gesetzt", sagt die Kunsthallenleiterin Susanna Böhme-Netzel. Der Bogen reicht von Arbeiten Paula Modersohn-Beckers über Bernhard Hoetger, Richard Oelze und Lisel Oppel bis in die Gegenwart. Der Fundus der Kunsthalle umfasst alleine 450 Gemälde und gilt als bedeutendste Überblicksammlung des vor den Toren Bremens gelegenen Künstlerdorfes. Parallel starten unter dem Motto "Worpswede zeitgenössisch" die Frühjahrsausstellungen im Barkenhoff und in der Großen Kunstschau. Das Haus im Schluh zeigt zudem eine Kabinettausstellung mit Buchillustrationen von Eva Kausche-Kongsbak. (dpa)
"Kunstkosmos Worpswede – 100 Jahre Worpsweder Kunsthalle", Kunsthalle Worpswede, ab 17. März bis 3. November