Tipps und Termine

Wohin am Wochenende?

John Baldessari "I Am Making Art" 1971 (Film Still)
© John Baldessari, Courtesy of The Estate of John Baldessari

John Baldessari "I Am Making Art" 1971 (Film Still)

Die Kunst der Woche in Berlin, Bingen, Chemnitz, Dresden, Düsseldorf, Erfurt und München

Es bleibt empfehlenswert, sich vor dem analogen Museums- oder Galerienbesuch online über die jeweiligen Corona-Regelungen bezüglich Öffnungszeiten, Tickets und Abstand zu informieren.

 

Das HKW in Berlin vertont die Vergangenheit

Hat die Vergangenheit einen Klang? Die Ausstellung "A Slightly Curving Place" im Haus der Kulturen der Welt geht dieser Frage nach. Grundlage sind die Arbeiten des in Indien arbeitenden Klangarchäologen Umashankar Manthravadi. Dafür hat er ambisonische Mikrofone gebaut, mit denen Klangfelder aufgenommen werden und klangliche Eigenschaften eines Raumes erfasst werden können. Manthravadi hat auf diese Weise historische Aufführungsstätten vermessen.

Für die Ausstellung hat die aus Indien stammende Kuratorin Nida Ghouse mit ihrem Team im HKW die Arbeiten Manthravadis aufgegriffen und weiterentwickelt. In einem zentralen Raum sind 21 Lautsprecher installiert, die ein raumgreifendes Klangbild erzeugen. Den sonst leeren, grau-weißen Raum bestimmt eine leicht geschwungene Stufenkonstruktion, die in Verbindung mit der wechselnden Lichtinstallation Grundformen eines antiken Theaters anzunehmen scheint.

Das dabei zu hörende Stück ist aus neun verschiedenen Teilen zusammengesetzt. Verbunden wurden dafür etwa aktuelle und historische Aufnahmen an archäologischen Stätten, Klänge, Bewegungen, Texte oder Stimmen. Jeder Klang, jeder Sound sei bereits Vergangenheit, sagte Kuratorin Ghouse während der Präsentation am Mittwoch. In der Ausstellung kann über die Klänge einer Vergangenheit nachgespürt werden, die heute nicht mehr hörbar ist.

"A Slightly Curving Place", Haus der Kulturen der Welt, bis 20. September

Blick in die Ausstellung "A Slightly Curving Place" im Haus der Kulturen der Welt
Foto: Carsten Koall/dpa

Blick in die Ausstellung "A Slightly Curving Place" im Haus der Kulturen der Welt

Der Skulpturenpark in Bingen fragt nach echt und falsch

Selten wurde so viel gezweifelt wie heute, die pandemischen Verschwörungstheoretiker werden nicht die letzten sein. Die Frage nach Authentizität stellt sich seit jeher auch in der Kunst: Was ist echt, was "gekünstelt", was ist Original, was Fälschung?

Bei der fünften Ausgabe der Skulpturen-Triennale am Rheinufer in Bingen stellen sich 20 Positionen in bildhauerischer Form diesem Problem. Auf der Künstlerliste stehen Namen wie Jimmie Durham, Jenny Holzer und Alicja Kwade. Vor allem für Mädchen möchte Maruša Sagadin Platz machen: Ihre tanzbare Fläche mit riesiger orangefarbener Kappe heißt "B-Girls, Go!".

Bingen 2020, Skulpturen-Triennale, bis 4. Oktober

Maruša Sagadin, "B-Girls, Go!", 2018
Foto: David von Becker, Berlin, Courtesy die Künstlerin und Christine König Galerie, Wien

Maruša Sagadin, "B-Girls, Go!", 2018
 

 

Die Kunstsammlungen Chemnitz öffnen ihre Schatztruhe

Zum 100. Jubiläum präsentieren die Kunstsammlungen Chemnitz zahlreiche nur selten gezeigte Werke. "Wir öffnen die Schatztruhe", sagt Direktor Frederic Bußmann. Mehr als die Hälfte der rund 400 Exponate sei gewöhnlich nicht zu sehen. "Es gibt neben einem 'Best off' auch Überraschungen", so der Kunsthistoriker.

Der Titel der Sonderschau "Im Morgenlicht der Republik" ist ein Zitat des ersten Direktors Friedrich Schreiber-Weigand (1879-1953). Er hatte damit bei der Gründung der städtischen Kunstsammlungen 1920 auf die junge Weimarer Republik angespielt. "Das Museum wurde verstanden als demokratische Aufgabe", erläuterte Bußmann.

Für die Ausstellung sind laut Bußmann alle Ausstellungsräume leergeräumt und neu bestückt worden. Für eine repräsentative Auswahl der umfangreichen Bestände von rund 65.000 Objekten seien die Magazine und Archive gesichtet worden. Zu sehen ist eine Auswahl in den sechs Kapiteln Romantik, Arbeit=Wohlstand=Schönheit, Expressionismus, Galerie der Moderne, Kunst im geteilten Deutschland sowie Dialoge.

"Im Morgenlicht der Republik", Kunstsammlungen Chemnitz, 25. Juli bis 25. Oktober

Eine Besucherin vor der Bronzebüste "Judith" (1995) von Markus Lüpertz
Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/ZB

Eine Besucherin vor der Bronzebüste "Judith" (1995) von Markus Lüpertz 

 

Ein (Nicht-) Museum eröffnet für einen Tag in Dresden

"Wir nehmen den Raum ein, den die Kunst in der Stadt nicht hat", so heißt es auf der Facebook-Seite des Dresdner Nicht-Museum zeitgemäßer Kunst. Die Veranstalter wollen auf Mangelsituationen in der Bildenden Kunst in Dresden hinweisen und erzeugen deshalb am Samstag einen neuen temporären Ausstellungsort - direkt am Dresdner Neumarkt.

250 regionale und internationale Künstler unterstützen die Aktion und steuern Gemälde, Videos, Filme, Performances und Musik bei. Im Live-Programm sind außerdem Diskussion geplant, zur zeitgemäßen Rolle der Kunst und den Funktionen heutiger und künftiger musealer Kunsträume.

Nicht-Museum zeitgemäßer Kunst, Gewandhausareal am Neumarkt Dresden, 25. Juli, 14 bis 22 Uhr

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Das K21 in Düsseldorf würdigt John Baldessari

­­­Unter dem Titel "Yours in Art. John Baldessari und Konrad Fischer" erinnert die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen dem Anfang 2020 verstorbenen Pionier der Konzeptkunst. John Baldessari, der 1931 an der Westküste der USA geboren wurde, war zutiefst überzeugt, dass Kunst vor allem Kommunikation ist. In seinen konzeptuell angelegten Werken verknüpfte er humorvoll visuelle und sprachliche Informationen zu tiefgründigen Kommentaren zu Kunst und Leben.

1969 diagnostizierte Baldessari: "The World Has Too Much Art - I Have Made Too Much Objects - What To Do?" Konsequent entschied er, wenigstens "keine langweilige Kunst mehr" zu machen und verbrannte 1970 den Großteil seiner frühen Bilder. Fortan arbeitete er mit Fotografie, Text, Collage und Film. 1971 stellte Baldessari erstmals bei Konrad Fischer aus: Die ausgewählte Korrespondenz zwischen Künstler und Galerist erzählt von ersten gemeinsamen Projekten ebenso wie von ihrer freundschaftlichen Beziehung.

"Yours in Art. John Baldessari und Konrad Fischer", K21 Düsseldorf, Archiv Dorothee und Konrad Fischer, bis Mitte Oktober

John Baldessari, Portrait 2016
Foto: Nicole Shibata, Courtesy of The Estate of John Baldessari

John Baldessari, Portrait 2016

 

Tourneeausstellung zur deutsch-deutschen Architektur kommt nach Erfurt

Architekturentwicklungen im geteilten Deutschland mit ihren Parallelen und Unterschieden sind 30 Jahre nach der Wiedervereinigung Thema einer Ausstellung in Erfurt. Die Wanderausstellung "Zwei deutsche Architekturen 1949-1989" des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) wird ab Sonntag in der Erfurter Galerie Waidspeicher gezeigt. Zu sehen sind Modelle, Fotografien und Pläne von Bauwerken in der DDR und der alten BRD.

Der Schwerpunkt liege dabei nicht auf den politischen und ideologischen Absichten der Bauherren, sondern auf der architektonischen Qualität. Thüringen ist vertreten mit der KZ-Gedenkstätte Buchenwald, in der DDR eine Nationale Mahn- und Gedenkstätte. Die Ausstellung wurde seit 2004 weltweit in 26 Städten gezeigt, darunter Athen, Canberra, Singapur, Bandung, Shanghai, Peking und Buenos Aires.

"Zwei deutsche Architekturen 1949 – 1989", Galerie Waidspeicher Erfurt, 26. Juli bis 13. September

Kindergarten Buratino in Halle/Neustadt
Foto: Gerald Große

Kindergarten Buratino in Halle/Neustadt

 

Die Münchner Pinakothek der Moderne hinterfragt unsere Wahrnehmung der Liebe

"Eine Frau muß geliebt werden - und sie muß wissen, daß sie geliebt wird", dieser Schriftzug legt sich quer über ein Werk von Astrid Klein, das in ihrer neuen Einzelausstellung in der Pinakothek der Moderne in München zu sehen ist. Es zeigt eine Szene zwischen Mann und Frau, die physische Intimität, aber auch Bedrängnis und Aneignung des weiblichen Körpers offenbart. Fast automatisch liest sich der Schriftzug als der bevormundende Gedanke des männlichen Protagonisten. Klein kombiniert die Ausdrucksgewalt eines Bildes mit der Prägnanz einer Textstelle, und führt vor, wie leicht wir uns der Illusion hingeben, dass Text Bild erklärt und Bild Text illustriert. Der Eindruck des Betrachters wird durch die Dissonanz zwischen den beiden Ausdrucksvarianten beeinflusst und wird zum eigentlichen Thema der Werke. Wessen Stimme spricht, wem wird sie zugeordnet und warum? Mit diesen Leitfragen sucht die Künstlerin immer wieder nach neuen Wahrnehmungsebenen in Bildern und Text.

Klein (*1951) gilt als eine wichtige Stimme der deutschen Nachkriegs- und Gegenwartskunst. Zentral für ihr Gesamtwerk ist die Auseinandersetzung mit dem politischen Klima im Nachkriegsdeutschland und der westlichen Welt, mit Ängsten und Sehnsüchten, die über die Medien global transportiert werden. Sie untersucht Machtverhältnisse, wobei ihr künstlerischer Ansatz auf der wahrnehmungspsychologischen Hinterfragung von Bildkultur basiert. Ihre konzeptuelle Herangehensweise steht dabei in enger Verbindung mit amerikanischen Zeitgenossen wie John Baldessari oder Jenny Holzer.

"Astrid Klein. Dass vollkommene Liebe die Angst austreibe", Pinakothek der Moderne, München, bis 17. Januar 2021

Astrid Klein, "Ohne Titel (Eine Frau muß geliebt werden - und Sie muß wissen, daß Sie geliebt wird)", 1978
Foto: Sprüth Magers © Astrid Klein Courtesy

Astrid Klein, "Ohne Titel (Eine Frau muß geliebt werden - und Sie muß wissen, daß Sie geliebt wird)", 1978