Tipps und Termine

Wohin am Wochenende?

Daniel Spoerri, "Genetische  Kette des  Flohmarktes“, 2000, Detail
Foto: Daniel Spoerri

Daniel Spoerri, "Genetische  Kette des  Flohmarktes“, 2000, Detail


Die Kunst der Woche in Berlin, Bozen, Dresden, Duisburg, Essen, Hamburg, Herford, Mannheim, München, Neuss und Paris

Coronabedingt können bestimmte Ticket-, Hygiene- und Abstandsregelungen gelten. Vor dem Ausstellungsbesuch empfiehlt sich deshalb ein Blick auf die jeweilige Institutions-Website.

"Hodler und die Berliner Moderne" in Berlin

Der Schweizer Maler Ferdinand Hodler (1853–1918) hat Kunstgeschichte geschrieben. In der Berlinischen Galerie wird daran erinnert, dass Hodlers Weg zum Ruhm neben Paris, Wien und München auch über Berlin führte. Von 1898 bis zum Ersten Weltkrieg stellte er nahezu jährlich hier aus. Neben rund 50 Gemälden des Malers, der den Symbolismus mitprägte, sind Werke von Wegbegleitern in Berlin zu sehen, darunter Lovis Corinth, Walter Leistikow und Julie Wolfthorn.

Berlinische Galerie, bis 17. Januar 2022

Ferdinand Hodler, "Die Nacht", 1889-1890
Foto: © Kunstmuseum Bern

Ferdinand Hodler, "Die Nacht", 1889-1890


Berliner HKW untersucht künstlerische Lebensarbeit

Vom Verhältnis zwischen Kunst und Leben hatte die sozialistische Kunsttheoretikerin und Feministin Lu Märten (1879–1970) eine recht radikale Vorstellung: Als künstlerisch galt für sie "die ganze Lebensarbeit eines Menschen". Es muss ja nicht immer ein Kunstwerk sein! Das Ausstellungs- und Publikationsprojekt "Illiberal Arts" des HKW, das nach der Freiheit und formalen Ausdrucksmöglichkeiten der Kunst in der liberalkapitalistischen Welt fragt, unterzieht die Ideen Märtens dem Praxistest: mit Beiträgen internationaler Künstlerinnen und Künstler sowie Autorinnen und Autoren wie Pauline Curnier Jardin, Anne Imhof, Henrike Naumann, Natascha Sadr Haghighian und Cassandra Press.

"Illiberal Arts", Haus der Kulturen der Welt, Berlin, 11. September bis 21. November

Dani Leder "Wet Infrastructure", 2020
Foto: © the artist

Dani Leder "Wet Infrastructure", 2020


"Techno" in Bozen

Im Rahmen des Langzeitprogramms "Techno Humanities" beschäftigt sich die Gruppenausstellung "Techno" mit einer Musikrichtung und ihren politischen Bedeutungen. Die um Begriffe wie  "Freiheit", "Kompression" und "Erschöpfung" kreisende Schau versammelt Persönlichkeiten aus Kunst, Philosophie und Techno-Industrie. Techno soll zu einer Art Objektiv werden, durch das zeitgenössisches Leben und soziale Ordnung erfasst werden. Beteiligt sind Kunstschaffende wie Paul Chan, Mire Lee, Yuri Pattison, Daniel Pflumm, Jacolby Satterwhite und Sung Tieu. Lesen Sie hier ein Interview mit dem Museion-Direktor Bart van der Heide zur Ausstellung.

"Techno": Museion, Bozen, bis 16. März 2022

Sung Tieu "Loveless", 2019
Foto: Mark Blower, Courtesy of the artist and Emalin, London

Sung Tieu "Loveless", 2019, zu sehen bis 16. März 2022 in der Gruppenausstellung "Techno", Museion, Bozen


Dresden zeigt Vermeer - Bisher größte Schau in Deutschland

In einer einzigartigen Ausstellung in der Gemäldegalerie Alte Meister Dresden sind ab Freitag zehn Meisterwerke von Johannes Vermeer (1632-1675) zu sehen. Es ist die bisher größte Schau mit Meisterwerken des Künstlers, einem der bedeutendsten holländischen Barockmaler, in Deutschland. "Jede Ausstellung zu Vermeer ist eine Sensation an sich", sagte die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen (SKD), Marion Ackermann, am Donnerstag unter Verweis darauf, dass von ihm nur 35 Werke überhaupt bekannt sind. Zur Ausstellungseröffnung am Abend wurden Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der niederländische Regierungschef Mark Rutte in Dresden erwartet.

Im Zentrum der Schau "Johannes Vermeer. Vom Innehalten" steht das berühmte Gemälde "Brieflesendes Mädchen am Fenster" aus eigenem Bestand, das nach vierjähriger Restaurierung und Erforschung erstmals so präsentiert wird, wie der Künstler es schuf. "Es ist ein Schlüsselbild", sagte Galeriedirektor Stephan Koja. Vermeer habe eine Grundkomposition ausprobiert, die dann beibehalten wurde: die stehende Frauenfigur in einem Raum am Fenster, wo von links das Licht hereindringt. "Das markiert den Übergang zu dem reifen Vermeer, den wir kennen und schätzen."

Das um 1657–1659 entstandene Gemälde wurde 1742 für Sachsens Kurfürst Friedrich August II. in Paris erworben und gehört zu den Hauptwerken des Museums. Die Übermalung war seit 1979 bekannt, bisher aber Vermeer selbst zugeschrieben worden. Im Ergebnis eines internationalen Forschungsprojekts gehen die Kuratoren "mit Sicherheit" davon aus, dass diese deutlich nach dessen Tod erfolgte - und von fremder Hand.

Die weniger als einen Millimeter dünne Schicht wurde mit einem Skalpell entfernt und der stehende Liebesgott mit Bogen, Pfeilen und zwei Masken freigelegt, der als "Bild im Bild" die Rückwand des Zimmers ziert. Er verändert die Bildaussage. "Der über dem Mädchen schwebende Knabe macht es deutlich: es liest einen Liebesbrief!", sagte Kuratorin Uta Neidhardt. Das Werk sei auf die Intention von Vermeer zurückgeführt.

Ergänzt werden die Vermeers, darunter Leihgaben aus Europa und den USA, um Bilder niederländischer Fein- und Genremaler sowie um Werke und Gegenstände mit Bezug zur Thematik der Dresdner Briefleserin. Mittels eines sogenannten Weborello, einer digitalen Tour durch die Schau, können Besucher Vermeer auch "sehen lernen", sagte Neidhardt. (dpa)

"Johannes Vermeer. Vom Innehalten", Gemäldegalerie Alte Meister Dresden, bis 2. Januar 2022

Ausstellung "Johannes Vermeer. Vom Innehalten" der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) in der Gemäldegalerie Alte Meister
Foto: Robert Michael, dpa-Zentralbild, dpa

Ausstellung "Johannes Vermeer. Vom Innehalten" der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) in der Gemäldegalerie Alte Meister


Duisburg zeigt Gursky-Fotokunst aus vier Jahrzehnten

Seit Donnerstag zeigt das Museum Küppersmühle in Duisburg Werke des Düsseldorfer Fotografen Andreas Gursky (66). Präsentiert werden rund 60 Fotografien aus vier Jahrzehnten, wie das Museum am Mittwoch mitteilte. Darunter seien bekannte Werke wie "Paris, Montparnasse" (1993), aber auch frühe Arbeiten aus dem Ruhrgebiet, das Gursky während seines Studiums an der Düsseldorfer Akademie bei Bernd und Hilla Becher oft als Schauplatz gedient habe. Ein Teil der Ausstellung war von Ende März bis Ende August bereits in Leipzig zu sehen. In Duisburg werden die Arbeiten bis zum 30. Januar gezeigt.

Gursky zähle zu den renommiertesten zeitgenössischen Fotografen weltweit, stellte das Museum fest. "Seinen Arbeiten ist eine besondere Objektsprache zu eigen, die vielfältige gesellschaftliche Fragestellungen und aktuelle Themen kritisch aufgreift." Sein ebenso distanzierter wie subjektiver Blick etwa auf Konsumerscheinungen, Umwelt, Wirtschaft oder Politik habe ihn zu einem einzigartigen Beobachter unserer Zeit gemacht, lobten die Ausstellungsmacher.

"Die Ausstellung birgt für mich eine stark emotionale Komponente", erklärte Gursky. Aufgewachsen im Düsseldorfer Norden hätten seine frühen fotografischen Streifzüge ins Ruhrgebiet immer in Duisburg begonnen. «Die Gegend ist mir sehr vertraut und ich arbeite gerade an einer Aufnahme, welche die Industrie-Architektur des Ruhrgebiets in Augenschein nimmt - vielleicht eine unbewusste Danksagung und Hommage an meine großartigen Lehrer Hilla und Bernd." (dpa)

Andreas Gursky, MKM Museum Knuspermühle für moderne Kunst Duisburg, bis 30. Januar 2022

Das Werk "Kreuzfahrt - 2020“ in der Gursky-Ausstellung des Museums Küppersmühle in Duisburg
Foto: Fabian Strauch, dpa

Das Werk „Kreuzfahrt - 2020“ in der Gursky-Ausstellung des Museums Küppersmühle in Duisburg


Folkwang Essen zeigt Plakate der Protestbewegung in Belarus

Unter dem Titel "Cultprotest.me - Künstler:innen für Demokratie in Belarus" zeigt das Museum Folkwang in Essen von diesem Donnerstag an 52 Plakate der Protestbewegung in Belarus. Zu sehen seien Werke, die neben Kritik am herrschenden Regime auch eine Zukunft in demokratischer Selbstbestimmung thematisierten, berichtete das Museum am Montag. "Zunächst als Transparente und Plakate genutzt, musste sich die Veröffentlichung der Motive mittlerweile ins Netz verlagern", erklärte eine Sprecherin. So stammten die ausgestellten Arbeiten überwiegend von der Plattform www.cultprotest.me, einem losen Zusammenschluss von belarussischen Künstlerinnen und Künstlern aus dem In- und Ausland. "Die Ausstellung setzt ein Zeichen für Meinungs- und künstlerische Freiheit und weist auf die anhaltende schwierige Situation der Bevölkerung und Kunstschaffenden in Belarus hin", erklärte Folkwang-Direktor Peter Gorschlüter. (dpa)

"Cultprotest.me - Künstler:innen für Demokratie in Belarus", Museum Folkwang Essen, bis 24. Oktober 2021

Folkwang Cultprotest, Antonina Slobodchikova, "Ohne Titel (Glauben! Können! Siegen!)", 2020, Format: DIN A1, Offsetdruck
Foto: © Antonina Slobodchikova

Folkwang Cultprotest, Antonina Slobodchikova, "Ohne Titel (Glauben! Können! Siegen!)", 2020, Format: DIN A1, Offsetdruck
 


"Proof of Stake. Technologische Herausforderungen" in Hamburg

Hinter dem Titel "Proof of Stake" stehen ein von Simon Denny und dem Hamburger Kunstverein initiiertes Symposium und eine Ausstellung. Nach dem Auftauchen der sogenannten NFTs – der "einzigartigen" digitalen Kunstwerke – widmet sich das Projekt mit Legitimationsprozessen der Technologie und den Zusammenhängen mit Eigentümerschaft und Macht: Fragen, die auch in der vordigitalen Ära von Bedeutung waren. Mel Chin, Isa Genzken, Mike Kelley und Agnieszka Kurant stehen auf der Künstlerliste.

"Proof of Stake": KUNSTVEREIN Hamburg, bis 14. November

Proof of Stake – Technologische Behauptungen, Installationsansicht, Kunstverein in Hamburg, 2021
Foto: Fred Dott

Proof of Stake – Technologische Behauptungen, Installationsansicht, Kunstverein in Hamburg, 2021


"LOOK! Enthüllungen zu Kunst und Fashion“ in Herford

Mode war schon immer gleichermaßen geprägt von gesellschaftlichen Normen und individuellem Ausdruck. Mit der Ausstellung "Look!" fragt das Marta Herford, welchen Stellenwert Mode angesichts enormer Beschleunigung und globaler Produktionsstrukturen heute besitzt. Mit künstlerischen Beiträgen der letzten 20 Jahre wird ein Panorama aktueller Phänomene in der Fashionwelt aufgezogen. Unter anderen nehmen teil: Monica Bonvicini, Alice Channer, Talia Chetrit, Nezaket Ekici, Sylvie Fleury, Pieter Hugo, Pascale Marthine Tayou, Britta Thie.

"Look!": MARTA, Herford, bis 6. März 2022

Talia Chetrit, Ever (Wet), 2018, Courtesy the artist; Sies + Höke, Düsseldorf
Foto: Marta Herford

Talia Chetrit, Ever (Wet), 2018, Courtesy the artist; Sies + Höke, Düsseldorf


Galerienwochenende Various Others in München

Zur vierten Ausgabe bietet das Münchner Galerienwochenende Various Others genau das, was einem nach der pandemiebedingten Isolation fehlt: Besuch aus aller Welt. Die teilnehmenden Galerien und Projekträume wie Jahn und Jahn, Max Gölitz, Klüser oder fructa space zeigen ihre Ausstellungen in Kooperation mit Gästen aus Los Angeles, Brüssel, Turin und Zürich, Berlin oder Wien. Und die großen Institutionen leisten mit einem starken Programm Schützenhilfe, von Alexandra Bircken im Museum Brandhorst bis zu einer neuen Installation von Olaf Nicolai im NS-Dokumentationszenrum.

Various Others, Münchner Galerienwochenende, Eröffnungswochenende bis 13. September, Ausstellung bis 10. Oktober

Hans Jörg Mayer, "Medusa", 2020, Galerie Nagel Draxler
Foto: Hans Jörg Mayer, Galerie Nagel Draxler, München

Hans Jörg Mayer, "Medusa", 2020, Galerie Nagel Draxler


Daniel Spoerri in Neuss

Der Schweizer Künstler Daniel SpoerriI bringt die Langen Foundation in Unordnung: Eine geplünderte Festtafel mit dreckigem Geschirr, Essensresten und Rotweinflecken auf der Tischdecke hat gerade eine etwas unheimliche Anmutung. Wirkt es doch noch immer, als seien mit Beginn der Corona-Krise alle hektisch von ihren Galeriedinners, Sonntagsbrunchs und Familienfeiern aufgesprungen und bis heute nicht mit derselben vorpandemischen Unbeschwertheit an die gedeckten Tische zurückgekehrt. Das gemeinsame Essen, das so schmerzlich vermisst wird, war für den Schweizer Künstler Daniel Spoerri schon immer eine Kunstform; eine sinnlich-lustvolle Sozialperformance voller Geschmäcker, Gerüche und Gefühle, die es sich einzufangen lohnt.

Für seine ikonisch gewordenen "Fallenbilder" fixierte er ab den 1960er-Jahren die Überbleibsel von opulenten Mahlzeiten mit Kunstharz und hängte die vollgestellten Tischplatten wie Gemälde an die Wand. Dass diese schlauen und formal wegweisenden Momentinstallationen nur einen Teil von Spoerris vielseitigem Werk ausmachen, lässt sich nun in der Langen Foundation besichtigen. Das Haus auf der Raketenstation Hombroich widmet dem 1930 in Rumänien geborenen Künstler leicht verspätet zum 90. Geburtstag die Retrospektive "Ein Museum der Unordnung" – ein bemerkenswerter Titel, wenn man bedenkt, dass in dem minimalistisch strengen Haus des Architekten Tadao Ando eigentlich die Klarheit regiert.

Daniel Spoerri, der die Künstlergruppe der Noveaux Réalistes mitbegründete und auch als Balletttänzer, Regisseur und Dichter in Erscheinung getreten ist, darf in dem Museum also einiges durcheinanderbringen. Kunstbegriffe, Genres und Materialien wirbeln unbekümmert herum. In der Ausstellung soll es auch um die Bezüge des Künstlers zum Rheinland gehen. Der Weggefährte von Joseph Beuys betrieb in Düsseldorf das "Restaurant Spoerri" und die "Eat Art Gallery" und lehrte danach auch in Köln. In einem Interview hat Daniel Spoerri mal gesagt, dass Beuys "wie ein Bauer" gekocht und beim Hering die Gräten mitgegessen habe. Dass man beim Essen etwas über die Menschen lernt, weiß wohl kaum jemand so gut wie er.

Daniel Spoerri: "Ein Museum der Unordnung", Langen Foundation Neuss, bis 13. März 2022


"Mindbombs" in Mannheim zeigt Terror durch die Augen moderner Kunst

Die brennenden Türme des World Trade Centers, die Fahndungsfotos der RAF-Terroristen, die Aufnahmen aus dem Münchner Gerichtssaal zum NSU-Prozess: Bilder modernen Terrors sind tief in unserem Gedächtnis. Wie die Kunst damit umgeht, zeigt eine Schau in Mannheim.

Fast 20 Jahre nach den Anschlägen des 11. September in den USA und zehn Jahre nach Aufdeckung der Mordserie durch die Rechtsterroristen des NSU umkreist eine Schau in Mannheim das Phänomen des Terrorismus. "Mindbombs" (etwa: Gedankenbombe) heißt die Sonderausstellung in der Kunsthalle, die von Donnerstag an rund 100 Werke zeigt. Sie beschäftigen sich mit der Ikonographie, also den Bildern und Symbolen von Angst und Schrecken des modernen Terrorismus. Terrororganisationen wie die RAF, der NSU und IS stünden für Gruppierungen, "deren extremistische Propaganda und politische Gewalt die bildenden Künste zu entschiedenen Reaktionen herausfordern", hieß es dazu bei der Vorstellung der Schau am Mittwoch.

Dafür hat die Kunsthalle drei Themenschwerpunkte für "Visuelle Kulturen politischer Gewalt", so der Untertitel der Schau, gewählt: Den rechtsradikalen Terror, wie ihn der Nationalsozialistische Untergrund NSU verkörpert, den dschihadistischen Terror etwa des Islamischen Staates IS, und den linksextremistischen Terror, wie ihn die Rote Armee Fraktion RAF praktizierte. Nicht die Terror-Propaganda selbst werde dabei versinnbildlicht, sondern wie der Terror durch die Künstler wahrgenommen und durch ihre Werke gespiegelt und gebrochen wird, betonte eine Museumssprecherin.

So hat der deutsche Fotograf Thomas Ruff die brennenden Türme des World Trade Centers, die sich längst ins kollektive Gedächtnis eingegraben haben, digital verfremdet auf dem großformatigen Schwarz-Weiß-Foto "jpeg ny01". Eine Arbeit der Dokumentarfotografin Paula Markert zeigt den aus Fernsehbildern bekannten Saal des Münchner Gerichts, in dem die NSU-Morde verhandelt wurden.

Weitere Werke, überwiegend Leihgaben zeitgenössischer Künstler aus aller Welt, stammen unter anderem vom Grafiker Klaus Staeck, dem sudanesischen Künstler Khalid Albaih, von Gerhard Richter oder der Installationskünstlerin Henrike Naumann. (dpa)

"Mindbombs": Visuelle Kulturen politischer Gewalt, Kunsthalle Mannheim, bis 24. April 2022

Werk des Künstlers Thomas Ruff mit dem Titel "jpeg ny01" in der Ausstellung "Mindbombs" in Mannheim
Foto: Uwe Anspach, dpa

Werk des Künstlers Thomas Ruff mit dem Titel "jpeg ny01" in der Ausstellung "Mindbombs" in Mannheim

 


Paris zeigt Retrospektive für Georgia O’Keeffe

Abstraktion und Repräsentation waren für Georgia O’Keeffe (1887–1986) weder Zwillinge noch Gegensätze. Die berühmte amerikanische Malerin bewegte sich frei von einer zur anderen Ausdrucksweise und wusste, dass jede Kunst in einer ihr zugrundeliegenden abstrakten formalen Erfindung verwurzelt ist. Das Pariser Centre Pompidou präsentiert nun eine große Retrospektive der bedeutenden Protagonistin der amerikanischen Moderne, die ab 1949 in New Mexico lebte und in ihren Gemälden immer wieder Metamorphosen des Lebendigen darstellte.

"Georgia O’Keeffe: Retrospektive", Centre Pompidou Paris, bis 6. Dezember; danach in der Fondation Beyeler in Riehen, 23. Januar bis 22. Mai 2022

Georgia O'Keeffe, "Inside Red Canna", 1919, Collection Sylvia Neil and Daniel Fischel
Foto: © Georgia O’Keeffe Museum, Adagp Paris 2021 Photo © Christie's Images, Bridgeman Images

Georgia O'Keeffe, "Inside Red Canna", 1919, Collection Sylvia Neil and Daniel Fischel

Botticelli-Ikonen in Paris

Das Bildnis der Simonetta Vespucci und gleich zwei seiner Venus-Darstellungen: In Paris sind bis zum 24. Januar 2022 einige der bedeutendsten Werke von Sandro Botticelli zu sehen. Mit rund 40 Werken widmet das Pariser Museum Jacquemart-André dem bekannten italienischen Renaissance-Maler (1444/1445-1510) seit 2003 wieder eine Ausstellung in Frankreich.Unter dem Titel "Artiste & Designer" (Künstler & Designer) stellt die Werkschau den florentinischen Maler und seinen Arbeitsprozess in den Mittelpunkt. Er habe eine große Werkstatt geleitet und die Kompositionen entworfen. Die Ausführung hätten seine Schüler übernommen, sagte die Kuratorin Ana Debenedetti. Das sei ähnlich wie bei einem Modedesigner, der das Modell schaffe und das Nähen anderen überlasse. 

Zu den Höhepunkten der Schau gehören die beiden Venus-Darstellungen, Abbildungen zweier goldblonder nackter Frauen - die ersten Frauenakte der Neuzeit. Sie stammen aus den Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin und dem Museum Reali in Turin. (dpa)

 Musée Jacquemart-André Paris, 10. September bis 24. Januar 2022

Alessandro Filipepi dit Botticelli (vers 1445 – 1510), Venus pudica, vers 1485-1490, huile sur toile, 158,1 x 68,5 cm, Berlin, Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie
Foto: © BPK, Berlin, Dist. RMN-Grand Palais, Jörg P. Anders

Alessandro Filipepi dit Botticelli (vers 1445 – 1510), Venus pudica, vers 1485-1490, huile sur toile, 158,1 x 68,5 cm, Berlin, Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie