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11 Kunst-Filme, die sich im Februar lohnen

Cate Blanchett zerpflückt die Kunstgeschichte, Gemälde-Diebe sprechen über ihre Coups und Emojis reißen die Weltherrschaft an sich: Das sind unsere Film-Tipps des Monats
 


Das unwahrscheinliche Leben des Malers Heinrich Vogeler

Heinrich Vogeler (1872 - 1942) war die ultimative Verkörperung eines spätromantischen Schwärmers. Gleichgesinnte, die nach der Natur malten, um das einfache Leben zu finden, fand er in Worpswede - wobei "einfach" für ihn hieß, das dank einer Erbschaft erworbene Bauernhaus in ein märchenhaftes Gesamtkunstwerk aus selbst entworfenen Tapeten und Möbeln, Bestecken und Gläsern, perfekten Blumenbeeten und farblich abgestimmter Kleidung für die Bewohner zu verwandeln. Dass sich nicht alle diesen Luxus leisten konnten, fiel dem betuchten Kaufmannssohn erst allmählich auf, sein dekorativer Stil, den das Bürgertum liebte, widerte ihn irgendwann an und noch vor dem Ersten Weltkrieg schenkte er das "Schmuckstück" den Arbeitern und Bauern.

Dass sich Vogeler, wie so viele andere damals urplötzlich vom Weltekel befallene Künstler, freiwillig zum Dienst an der Waffe meldete, endete nicht mit der Zerstörung der verhassten alten Verhältnisse, sondern einem von ihm fotografisch und zeichnerisch festgehaltenem Zerfall aller Hoffnungen auf einen "Neuen Menschen". Der einst so auf ultimative Veredelung bedachte Vogeler landete in der Psychiatrie, rappelte sich nur mühsam auf und mutierte zum linken Aktivisten.

Die neue Utopie hieß jetzt: Eine gerechte Gesellschaft jenseits der eigenen Selbstdarstellung aufbauen. Der KPD war das nicht linientreu genug. Die sowjetischen Kulturfunktionäre störte die Vergangenheit des immer noch unter der Oberfläche allzu individualistischen Revolutionärs nicht. Sie bedienten sich des deutschen Kommunisten für ihre Propagandakunst.

Stalins Säuberungen konnte er noch entkommen. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht wurde Vogeler aber nach Kasachstan deportiert, wo er in einer Kolchose schuftete und 1942 mit 70 Jahren an Unterernährung und Erschöpfung starb. Eine solch an historischen Einschnitten überreiche Lebensgeschichte, gespickt mit einem Freundeskreis, zu dem Rainer Maria Rilke oder der Maler Otto Modersohn und dessen spätere Frau Paula Becker gehörten, schreit geradezu nach einer emotionsgeladenen Verfilmung.

Regisseurin Marie Noëlle, die bereits das Leben von "Marie Curie" verfilmte, zieht es jedoch vor, den dramatischen Stoff in malerische Naturszenen, Spielfilm-Elemente, Archiv-Fotos und dokumentarische Teile zu zerpflücken, in denen Schriftsteller Klaus Modick, Vogelers Sohn Jan, seine Urenkelin Daniela Platz, eine Schweizer Psychoanalytikerin oder Künstler Norbert Bisky darüber reflektieren dürfen, was Kunst darf und wie äußere Umstände das Werk mitunter beeinflussen können. Kein ganz konfliktfreies Filmvergnügen, doch das bis zum Bersten mit Widersprüchen und Brüchen gefüllte Leben Vogelers fasziniert heute noch immer.

"Heinrich Vogeler - Maler, Genosse, Märtyrer", Arte-Mediathek, bis 10, März

Schauspielerin Anna Maria Mühe und Florian Lukas. Sie porträtieren das Ehepaar Martha und Heinrich Vogeler
Foto: Benjamin Eichler

Anna Maria Mühe und Florian Lukas in "Heinrich Vogeler - Maler, Genosse, Märtyrer"


Mehr als eine Leinwandgöttin: Hedy Lamarr

Hollywoodstars sind häufig anders gestrickt, als ihr Image glauben lässt. Das war vor der New-Hollywood-Ära noch keine Binse. Schließlich wachte bis in die 60er hinein ein mehr oder weniger totalitäres Studiosystem darüber, was die Öffentlichkeit über das Privatleben etablierter Stars wissen durfte. Der Anteil an Fake News war immens. Rock Hudson konnte nur als stockhetero gelten, Ava Gardner hatte selbstverständlich kein Alkoholproblem. Doch auch später überraschten die Hobbys und Nebentätigkeiten der Schauspielgrößen die Fans. Paul Newman als Lebensmittelproduzent? Sylvester Stallone als Maler, der für Malewitsch und Francis Bacon schwärmt? Beides ist wahr.

Die unglaublichste aller Hollywood-Backstage-Stories ist die von Hedy Lamarr (1914-2000), die der erhellende Film "Geniale Göttin" erzählt. Anders als bei Newman und Stallone tritt bei ihr eine Art "Frauen-Malus" hinzu: Weiblichen Stars traute man abseits des Kinder-Küche-Kirche-Dreiecks (übrigens war Marlene Dietrich eine begnadete Köchin) traditionell wenig Innovation und Intelligenz zu. Lamarrs ironisches Schauspielerinnen-Credo lautete denn auch: "Du musst nur stillstehen und dumm gucken." Daran hat sich die in Österreich-Ungarn geborene Hedwig Eva Maria Kiesler meistens gehalten. Vor der Kamera. Hinter den Kulissen war sie eine Erfinderin und hat eine Kommunikationstechnik entwickelt, die noch heute wertvoll ist. Die Dokumentation zeigt die unglaubliche Geschichte ihres Doppellebens - und eine Frau, die immer unterschätzt wurde. 

"Geniale Göttin - Die Geschichte von Hedy Lamarr", Arte-Mediathek, bis 20. Februar

Hedy Lamarr
Foto: Arte

Hedy Lamarr

 

Künstlermanifeste mit Cate Blanchett

"Auf den elektrischen Stuhl mit Chopin!", pöbelt Cate Blanchett als Punk in Julian Rosefeldts Filmarbeit "Manifesto", die im Februar 2016 im Berliner Museum Hamburger Bahnhof Premiere feierte. Im Anschluss wurde das Werk unter anderem im Australian Centre for the Moving Image in Melbourne, auf der Ruhrtriennale und in New Yorks Park Avenue Armory gezeigt wurde - und vom Publikum und von der Kritik überwiegend begeistert aufgenommen. Rosefeldt hat für seine Filmarbeit mit einer extrem wandlungsfähigen Cate Blanchett alte Künstlermanifeste wiederbelebt.

"Bestimmte Manifest-Leitideen kehren wieder und passen hervorragend zueinander. So vertragen sich zum Beispiel Äußerungen von Wassily Kandinsky und Franz Marc bestens mit Gedanken von Barnett Newman. Und auch Texte von André Breton und Lucio Fontana ließen sich verknüpfen", sagte Rosefeldt damals im Monopol-Interview.

2017 kam eine Kinoversion von "Manifesto" auf den Markt, die die Gleichzeitigkeit des Originals in eine linearere Form überführt. Diese ist nun beim Streamingdienst Mubi zu sehen. Eine filmische Hommage an die Kraft des Wortes und die Radikalität von Kunst.

"Manifesto", auf Mubi

Cate Blanchett in ihrer Rolle als Trauerrednerin in Julian Rosefeldts "Manifesto"
Foto: Courtesy Mubi

Cate Blanchett in ihrer Rolle als Trauerrednerin in Julian Rosefeldts "Manifesto"


Der Sturz der sowjetischen Denkmäler

Die Frage, woran wir uns im öffentlichen Raum erinnern und wen wir ehren wollen, hat in den vergangenen Jahren zu hitzigen Debatten geführt. Während es vor dem 24. Februar 2022 oft um Denkmäler mit kolonialem Hintergrund ging, steht seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine der Umgang mit sowjetischen Monumenten im Vordergrund. In Osteuropa fielen im vergangenen Jahr reihenweise Denkmäler, während beispielsweise das sowjetische Ehrenmal in Berlin weiterhin unangetastet auf seinem Platz thront. Sollte man die Soldaten, die Hitler besiegt haben, in Ehren halten, trotz Putin? Oder waren die Statuen von Anfang an koloniale Gesten Russlands und ein Affront gegen die Länder, die unter der Sowjetherrschaft gelitten haben?

Dieser Frage widmet sich der Dokumentarfilm "Der antisowjetische Denkmalsturz", der in der ZDF-Mediathek verfügbar ist. Darin geht es unter anderem um Debatten in Lettland, bei denen sich Politiker und russische Communities unversöhnlich gegenüberstehen. In Berlin kommen ukrainische Aktivistinnen und Aktivisten der Initiative "Vitsche" zu Wort, die nicht begreifen können, warum in der deutschen Hauptstadt immer noch sowjetische Panzer stehen und Stalin-Zitate an prominenter Stelle prangen.

"Der antisowjetische Denkmalsturz", ZDF-Mediathek, bis 2027

Mitglieder des ukrainischen Kollektivs "Vitsche" machen auf Sowjet-Verherrlichung im öffentlichen Raum aufmerksam, aus "Der antisowjetische Denkmalsturz"
Foto: ZDF/Udo Kreter

Mitglieder des ukrainischen Kollektivs "Vitsche" machen auf Sowjet-Verherrlichung im öffentlichen Raum aufmerksam, aus "Der antisowjetische Denkmalsturz"


Marina Abramović und das genaue Hinhören

Mit unterschiedlichen Formen der Wahrnehmung hat sich die Performance-Künstlerin Marina Abramović schon immer befasst. Im März 2019 suchte sie dann die ganz große Bühne. Zusammen mit der Oper Frankfurt entwickelte sie Workshops zum neuen Hören, die den 2000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein völlig verändertes Konzerterlebnis bescheren sollten. Die "Abramović-Methode" ist nur etwas für Geduldige. Es geht um Ausdauer und Aushalten und die Besinnung auf den eigenen Körper. Es wird viel geatmet und auch mal ein Baum umarmt.

Die Arte-Dokumentation verfolgt das Frankfurter Kunst-Musik-Projekt und blickt auf die außergewöhnliche Karriere der serbischen Performance-Pionierin zurück. Man braucht beim Anschauen ein wenig Toleranz für spirituelle Kalendersprüche. Sieht aber auch Meilensteine moderner feministischer Kunst.   

"Marina Abramović - Die Kunst des Hörens", Arte Mediathek, bis 16. April

"Marina Abramovic - Die Kunst des Hörens"
Foto: Arte

"Marina Abramovic - Die Kunst des Hörens"


Lasst Bilder sprechen!

In unserer digitalen Kultur lässt sich vieles nicht mehr nur mit Buchstaben, sondern auch mit Bildern ausdrücken: mit niedlichen, oft knallgelben Emojis, die in immer neuen Ausführungen Gefühlsregungen ausdrücken sollen. Auch Darstellungen von Tieren, Essen, Orten und Objekten bevölkern unsere Bildschirme und beeinflussen zunehmend unsere Kommunikationsgewohnheiten.

Aber ist die "Emojikalypse" nun ein Rückfall in Zeiten von Höhlenmalerei oder eine Chance für kreativeren Austausch? Dieser Frage widmet sich ein Dokumentarfilm, der nun in der 3-Sat-Mediathek zur Verfügung steht. Darin kommt unter anderem der Typograf Erik Spiekermann zu Wort, der im inflationären Emoji-Gebrauch einen Verlust für Sprachkultur und eine Verdummung von menschlichem Austausch sieht. Es widerspricht die Kulturwissenschaftlerin Gala Rebane, für die die kleinen Bildchen eine Erweiterung der Kommunikationsfähigkeit sind, die durchaus künstlerische Züge annehmen kann.

Der Film geht außerdem auf die Suche nach dem Ursprung von Emojis und spricht mit den Erfindern früher Piktogramme und den ikonisch gewordenen Tastatur-Emoticons. Außerdem geht es um die Frage, wer eigentlich bestimmt, welche Motive in den digitalen Bildkanon aufgenommen werden - und welches Weltbild und welche Wirtschaftsinteressen dahinter stehen. Jenseits der großen Tech-Konzerne setzen sich auch Kreative aus der ganzen Welt mit Emojis auseinander. So  stellen der Grafikdesigner O’Plérou Grebet und die Künstlerin Lilian Stolk ihre Projekte vor, mit denen sie die Symbole demokratischer machen wollen.

"Emojikalypse :-) - Wie Bilder unsere Kultur verändern", 3-Sat-Mediathek, bis 2027

"Die Emojikalypse", Filmstill
Foto: 3Sat

"Die Emojikalypse", Filmstill


Ein neuer Garten der Lüste

Hieronymus Boschs Tryptichon "Garten der Lüste" (1490-1500) ist eines der Werke, das die zeitgenössiche Kunst nicht loszulassen scheint. Vor kurzem rankte sich eine ganze Ausstellung im Berliner Gropius Bau um die Darstellung von Begierde, Exzess und Verdammung, und nun steht das Bild auch im Zentrum des experimentellen Formats "Co:Creation" in der ARD. Darin beschäftigen sich fünf Kunstschaffende mit Boschs Werk und sollen gemeinsam in einer Art Staffelprinzip eine neue, kollaborative Version des Klassikers erschaffen.

Dabei sind die Künstler:innen Anna Ehrenstein, Danielle Braithwaite-Shirley, Kiani Delvalle, Harriet Davey und Tara Habibzadeh. Jede von ihnen findet einen eigenen Zugang zu dem Werk des Alten Meisters, tauscht sich dabei jedoch auch mit den anderen Teilnehmenden des Projekts aus. Zum Schluss wird die finale Filmcollage in der Julia Stoschek Collection in Berlin gezeigt: Ein Garten, in dem sich Utopie und Schreckensvisionen vermischen und die digitale Gegenwart in ein gut 500 Jahre altes Gemälde drängt.

"Co:Creation", ARD-Mediathek, bis Februar 2024

"Co:Creation", Experimentalformat der ARD, 2023
Foto: WDR

"Co:Creation", Experimentalformat der ARD, 2023


Die Kunst des Diebstahls

Jeder kennt sie: Die Kunstwerke von Vincent van Gogh oder Edvard Munch sind gefeierte Nationalsymbole und werden täglich von tausenden Besuchern bewundert. Dementsprechend unterliegen die Bilder auch hohen Sicherheitsvorkehrungen und werden rund um die Uhr bewacht. Wer daraus jedoch schließt, dass diese geschützten Kunstwerke noch nie abhanden kamen, liegt falsch. Die Dokumentarreihe "Art Crimes – Die Kunst des Diebstahls" auf Arte erzählt in sechs Episoden von spektakulärsten Kunst-Coups der letzten Jahrzehnte. Die Filmemacher reisen von Amsterdam über Oslo bis nach Nizza, um sowohl Ermittler zu ihren Recherchen als auch die Kunstdiebe zu ihren Taten zu befragen und die Fälle wahrheitsgemäß zu rekonstruieren. Unter anderem thematisiert die Serie den Raub des "Schreis" (1893) aus der norwegischen Nationalgalerie im Jahr 1994 und der "Esterházy Madonna" (1508) von Raffael vor genau 40 Jahren.

Doch nach dem Stehlen wird es nicht einfacher für die Diebe. Kunstwerke, die auf der ganzen Welt bekannt sind, lassen sich nicht so leicht verkaufen. Die Dokumentationen erklären, wie die Verbrecher mit schwankendem Erfolg versuchen, die Gemälde zu Geld zu machen und inwiefern die Mafia ihre Finger im Spiel hat. Die Zuschauer bekommen dabei nicht nur einen einmaligen Einblick in die Motive der Diebe, sondern hören auch, wie diese heute über ihre Taten denken.

"Art Crimes - Die Kunst des Diebstahls", Arte Mediathek, bis Juli 2023


Gibt es das Jüdische in der Kunst?

In der europäischen Kunstgeschichte gibt es viele jüdischen Künstlerinnen und Künstler, aber gibt es auch etwas Jüdisches, das diese Kunst ausmacht? Dieser Frage geht der Dokumentarfilm "Kunst, Kultur & Kippa - Auf den Spuren des jüdischen Erbes in Europa" nach, der gerade in der 3-Sat-Mediathek verfügbar ist. 

Zum Beispiel besuchen die Macher den Maler Yuri Karchenko, der mit der Kategorie "jüdischer Künstler" nur wenig anfangen kann. Die Davidsterne, die immer wieder auf seinen Bildern auftauchen, werden abstrahiert und verändert und sollen für Karchenko als universelle Gestirne ohne ihren Ballast gesehen werden. Dagegen lassen sich im Jüdischen Museum in Frankfurt am Main die Bilder von Moritz Daniel Oppenheim (1800-1882) entdecken, der als Maler der Bankiersfamilie Rothschild jüdischen Alltag abbildete und dessen Leben eng mit der deutschen Geschichte verbunden ist. 

Der Film arbeitet heraus, dass es durchaus Darstellungstraditionen gibt, die der Religion eigen sind, doch auch Erfahrungen mit Verfolgung und Diskriminierung prägen das Leben der Künstler, beispielsweise des Malers Jankel Adler, der von den Nationalsozialisten verfemt und bedroht wurde und schließlich über verschiedene Länder nach London floh. Auch heute spielen die Zeit des Nationalsozialismus und ihre Folgen eine große Rolle in der Kunst. So  tauchen in den Arbeiten der Filmemacherin Maya Schweizer immer wieder Spuren der NS-Zeit und die Stimmen von Opfern des Nazi-Terrors auf. 

Ist der Holocaust heute der Dreh- und Angelpunkt für jüdische Kunst? Auch diese Frage stellt der Dokumentarfilm, beschränkt sich aber produktiverweise nicht darauf. Denn die Kunst ist vielstimmig und fragt auf ganz verschiedene Art nach Identität und Zugehörigkeit. Oder nach etwas ganz Anderem. 

"Kunst, Kultur & Kippa - Auf den Spuren des jüdischen Erbes in Europa", 3-Sat-Mediathek, bis 28. April

"Kunst, Kultur & Kippa - Auf den Spuren des jüdischen Erbes in Europa", Filmstill
Foto: ARD

"Kunst, Kultur & Kippa - Auf den Spuren des jüdischen Erbes in Europa", Filmstill


Drei Kunstmetropolen in Afrika

Dakar, Benin City, Kapstadt: drei Städte an der Westküste Afrikas, die derzeit mit neuen Museen aufwartet. Und während auf der einen Seite um die Rückgabe ihrer Kulturschätze verhandelt wird, entwickeln sich die Metropolen zeitgleich zu Zentren auch der zeitgenössischen Kunst. Dabei hängt beides zusammen, wie Regisseur Jean-Alexander Ntivyihabwa in seiner dreiteiligen Reihe auf Arte zeigt. Für "Afrikas neue Museen – Zwischen Anspruch und Aufbruch" ist er mit seinem Team in die genannten Städte gereist und in die dortigen Kulturszenen eingetaucht, hat mit Wissenschaftlerinnen und Museumsleuten gesprochen. Auch Künstlerinnen und Künstler, die die im Kolonialismus zuhauf entwendeten Kunstwerke in ihren zeitgenössischen Arbeiten befragen, kommen zu Wort.

Das Filmteam besuchte dafür ebenso die Dakar Biennale, Hotspot für ein globales Kunst-Publikum, und das prestigeträchtige Zeitz MOCAA, das Kapstädter Museum für zeitgenössische afrikanische Kunst. Ein weiteres Ziel sind die Gilden der Bronzegießer in der Igun Street in Benin City, wo seit Generationen Figuren und Skulpturen gefertigt werden – früher für den Königshof des Oba, heute für den freien Markt. Dabei sind es an den drei Orten sehr unterschiedliche Themen, die behandelt werden, andere Fragen die sich stellen: Während etwa der Künstler Johannes Phokela in seiner Schau in Kapstadt die Apartheid aufarbeitet, müssen die Bronzegießer in Benin das Erbe ihrer Vorfahren an Bildern in Büchern und im Internet studieren, weil ihnen der Zugang zu den Originalen verwehrt ist.

Nicht nur in Afrika, auch dort, wo diese gestohlenen Schätze derzeit noch lagern, hat Ntivyihabwa gefilmt: Im viel diskutierten Humboldt-Forum in Berlin, oder im Museum Markk in Hamburg, wo vergangenen Dezember eine Rückgabevereinbarung mit Nigeria über die sogenannten Benin-Bronzen aus dem Königreich der Edo unterschrieben wurde: Jene, zum Teil über 500 Jahre alten Tafeln und Skulpturen, die 1897 von britischen Invasoren geraubt und anschließend von deutschen Kaufleuten nach Europa verschifft wurden.

"Afrikas neue Museen Zwischen Anspruch und Aufbruch", Arte-Mediathek, bis 19. März

Das Zeitz MOCAA in Kapstadt
Foto: © Hufton+Crow

Das Zeitz MOCAA in Kapstadt


Wondrak, wer ist eigentlich dieser Herr Janosch?

Leichtfüßig tänzeln Tiger und Bär seit 1985 durch deutsche Kinderzimmer. Die Bücher von Janosch erzählen von tierischen Freundschaften und dem gegenseitigen Kümmern und rufen (im Fall des ökoaktivistischen Emil Grünbär) zum Klimaschutz auf. Die Großen bringt der Literat mit seinem Wondrak zum Schmunzeln, der für jede wichtige Lebensfrage ("Herr Janosch, wie macht man seinem Hund eine Freude?") eine Lösung parat hat.

Dabei lag das schöne Leben, für das Janoschs Figuren bis nach Panama reisen würden, für den Autor selbst als Kind noch in weiter Ferne: Geboren wurde er 1931 in der Stadt Zabrze – heute Polen, damals noch Ost-Preußen –, wuchs in einem Elternhaus auf, in dem Gewalt und Alkoholsucht dominierten. Erst lehrte ihn religiöser Dogmatismus das Fürchten, später waren es die Nazis. Die zarten Zeichnungen, die Janosch Jahre später schaffen sollte, wirken wie eine Antithese zu den rauen grauen Mauern in seinem Geburtsort.

Horst Eckert, wie der nun über 90-jährige Autor bürgerlich heißt, ist irgendwie Kind geblieben, vielleicht weil er es nie wirklich sein konnte. Mit den Erwachsenen, sagt er, hätte er nie wirklich viel anfangen können. Eine Handvoll dieser Sorte, ein Filmteam des Bayerischen Rundfunks, nahm der Schriftsteller trotzdem mit zu den Orten seiner Vergangenheit
und erklärte bei der Gelegenheit auch, wie er zu Janosch wurde. Nun ist das Porträt in der Mediathek des neuen Kultursenders der ARD zu sehen.

"Janosch – Ja ist gut, nein ist gut", ARD Kultur

"Janosch – Ja ist gut, nein ist gut", ARD Kultur
Foto: ARD

"Janosch – Ja ist gut, nein ist gut", ARD Kultur