Antisemitismus-Eklat

Claudia Roth "befremdet" von Aussagen der Documenta-Generaldirektorin

Besucher der documenta fifteen vor dem Museum Fridericianum in Kassel
Foto: Swen Pförtner/dpa

Besucher der documenta fifteen vor dem Museum Fridericianum in Kassel

Kulturstaatsministerin Claudia Roth zieht bezüglich der Aufklärung des Antisemitismus-Skandals auf der Documenta die Kompetenz der Generaldirektorin Sabine Schormann in Zweifel

Eine Aufklärung, wie es zur Aufstellung des antisemitischen Kunstwerkes bei der Weltkunstschau in Kassel kommen konnte, stehe weiter aus, teilte ein Sprecher Roths am Donnerstag in Berlin mit. Gleiches gelte für die Notwendigkeit, Konsequenzen zu ziehen. "Es ist zunehmend fraglich, ob die Documenta-Generaldirektorin das leisten kann oder will." Schormann hatte den Umgang der Weltkunstschau mit den Antisemitismus-Vorwürfen vor wenigen Tagen verteidigt.

In einer am Dienstagabend veröffentlichten Erklärung betonte Schormann die Freiheit der Künstlerischen Leitung und berichtete von der Sorge des indonesischen Kollektivs Ruangrupa, in Deutschland nicht willkommen zu sein. Seit Bekanntwerden der ersten Vorwürfe im Januar habe es viele Gespräche gegeben: mit den Kuratoren und Künstlern, externen Experten, dem Aufsichtsrat, dem Zentralrat der Juden in Deutschland und Kulturstaatsministerin Roth. Schon damals hätten Kuratoren und Künstler "Zensur befürchtet und deswegen ein externes Expert*innengremium abgelehnt", schrieb sie.

Die Aussagen und Darstellungen von Frau Schormann zu den Abläufen in den vergangenen Monaten seien "so nicht zutreffend", hieß es nun vom Sprecher Roths. "Über das Statement von Frau Schormann war die Kulturstaatsministerin sehr erstaunt und befremdet."

Kurz nach der Eröffnung der Schau war im Juni eine Arbeit mit antisemitischer Bildsprache entdeckt worden. Das Banner "People's Justice" des indonesischen Kunstkollektivs Taring Padi war daraufhin abgehängt worden.