Fotos aus den letzten DDR-Jahren

Abrissparty

Manchmal war der Alltag in der DDR doch auch schön - so heißt es in jüngster Zeit wieder öfter. Eine Ausstellung mit Fotografie von Partys in den 1980er-Jahren lenkt den Blick in die geselligen Nischen eines Landes am Abgrund

War doch nicht alles schlecht? Zuletzt wurde wieder viel darüber gestritten, ob man das Leben in der DDR auch schön finden konnte. Ausgangspunkt war dabei das Buch "Diesseits der Mauer" der Historikerin Katja Hoyer, die den Alltag im Arbeiter- und Bauernstaat beleuchtet und dabei feststellte: die Arbeiter und Bauern hatten auch Spaß. Verharmlost die Autorin die SED-Diktatur?

Dabei ist doch offensichtlich, dass sich viele DDR-Bürgerinnen und -Bürger besonders in den letzten Jahren des Regimes Freiräume geschaffen haben. Wer dafür noch Belege braucht, schaut in die zweiteilige Ausstellung "Der große Schwof. Feste feiern im Osten", die jetzt Station in der Kunsthalle Rostock macht. Die Schau versammelt Bilder bekannter und weniger bekannter Fotografinnen und Fotografen: Harald Hauswald, Ute Mahler, Sibylle Bergemann und Kolleginnen gingen auf Hochzeiten, Herrentage und immer wieder Faschingsfeiern, knipsten in Kneipen und Discos und fanden fröhliche Menschen, die zu Musik der Schallplattenunterhalter tanzten und sich mit Nordhäuser Doppelkorn abfüllten.

Während die Menschen massenhaft das Land verließen, hielten sich die Dagebliebenen aneinander fest und feierten ihre Präsenz in den Nischen. Manchmal sieht das dann ziemlich kaputt und verzweifelt aus, auch das erkennt man in den in Mecklenburg ausgestellten Bildern. Aber eben auch das Selbstbewusstsein ostdeutscher Frauen, sexuelle Freizügigkeit und die kreative Energie junger Menschen, die sich ihre Identität und Zugehörigkeit zu Jugendkulturen nicht einfach in Platten- und Klamottenläden zusammenkaufen konnten.

Ein Hauch von Niedergang lag in der Luft, die Feiern waren deshalb auch Ausdruck einer seltsamen Dekadenz - und Prenzlauer Berg lag im Paris des Fin-de-Siècle. Mit dem Fall der Mauer kam dann Techno, die erste Jugendkultur, die die ostdeutsche Jugend selbst in einem globalen Maßstab mitgestaltete. Da ging "der große Schwof" vor allem in Berlin erst richtig los.