Fassadenfigur in Palencia

Erneut Kunst in Spanien durch "Restaurierung" entstellt

Fassadenfigur in Palencia vor (links) und nach der "Restaurierung"
Foto: Antonio Capel Artista

Fassadenfigur in Palencia vor (links) und nach der "Restaurierung"

Eine Fassadenfigur im spanischen Palencia erlangt nach einem misslungenen Versuch der Restaurierung weltweit zweifelhaften Ruhm: Die Statue, die einst menschenähnliche Züge hatte, sieht jetzt aus wie eine Zeichentrickfigur

Die Skulptur ging viral, nachdem Antonio Capel, ein Künstler aus Palencia, ein Bild davon auf Facebook veröffentlicht hatte. Die Statue einer Frau aus dem Jahr 1923 hat jetzt ein zerdrücktes Gesicht mit zwei Cartoon-Augen, verzogenen Lippen und einer unförmigen Nase.

Capel lebt in der Nähe des Gebäudes, er sagte der Associated Press, ein örtlicher Florist habe ihn auf die verpfuschte Restaurierungsarbeit hingewiesen. Außerdem stelle sich die Frage nach dem Täter, die Restaurierung liege mindestens zehn Jahre zurück, so Capel. Das Gebäude aus dem 20. Jahrhundert gehöre einer Bank, aber die Mieter hätten vor einigen Jahren beschlossen, die Fassade zu "reparieren". Ein Sprecher des Rathauses von Palencia konnte nicht angeben, wann die Arbeiten durchgeführt wurden oder von wem, sagte jedoch, dass die Restaurierung höchstwahrscheinlich von den regionalen Behörden untersucht werden würde.

In sozialen Medien wurde die Statue jetzt "Kartoffelkopf" getauft.

Der Vorfall erinnert an mehrere misslungene Überarbeitungen von Kunst in Spanien, etwa an das verpfuschte Christus-Fresko von 2012 und an eine verunglückte Reparaturarbeit einer Statue des Heiligen Georgs aus dem 16. Jahrhundert. Anfang dieses Jahres verhuntzte ein Möbelrestaurator, der eine Kopie von Bartolomé Esteban Murillos Gemälde "Die Unbefleckte Empfängnis der Ehrwürdigen" säuberte, das Gesicht der Jungfrau Maria komplett. In einem anderen Fall versuchte ein Mitglied einer spanischen Gemeinde vor zwei Jahren, eine Reihe von Skulpturen aus dem 15. Jahrhundert zu restaurieren. Schlussendlich waren die Holzstatuen von Jesus und Maria hellgrün und rosa gestrichen.

Konservatoren in Spanien fordern jetzt erneut strengere Vorschriften: "Wiederherstellung ist keine Reparatur, ernsthafte Eingriffe müssen Kriterien folgen, die international anerkannt sind, sowie die Kriterien, die vom IPCE (dem Institut für spanisches Kulturerbe) und anderen in Spanien existierenden akkreditierten Einrichtungen angewendet werden", twitterte der in Valencia ansässige Restaurator Illanos Argudo.

Fernando Carrera, Professor an der Galizischen Schule für die Erhaltung und Wiederherstellung des kulturellen Erbes und ehemaliger Präsident des spanischen Berufsverbandes der Restauratorinnen und Restauratoren (ACRE), betonte gegenüber dem "Guardian" die Notwendigkeit, dass Arbeiten nur von ordnungsgemäß ausgebildeten Restauratoren durchgeführt werden dürfen: "Können Sie sich vorstellen, dass einfach jeder andere Menschen operieren darf? Oder jeder Medikamente ohne Apothekerlizenz verkaufen darf? Oder jeder, der kein Architekt ist, ein Gebäude errichten darf?"

Die Zerstörung von Kulturobjekten durch unfähige Restauratoren sei wohl keine Seltenheit in Spanien, so María Borja, eine der Vizepräsidenten von ACRE. Unprofessionelle Restaurierungen kämen oft nur durch Lächerlichkeit in den sozialen Medien ans Licht, aber es gäbe noch viele weitere Beispiele. "Sie sind leider viel häufiger als Sie denken", sagt Borja. "Spaniens kulturelles Erbe befindet sich in einer ziemlich verletzlichen Situation."