Fake-Frida

Die Geschichte einer Fotomontage

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Das Foto einer bewaffneten, lasziven Frida Kahlo kursiert seit Jahren im Netz. Dass das Bild eine Fotomontage ist, macht es nicht weniger attraktiv

Neulich war es wieder soweit: Madonna postete auf Instagram erneut ein mittlerweile recht bekanntes Foto von Frida Kahlo, auf dem die Malerin dem Betrachter selbstbewusst in die Augen schaut, das Dekolletee weit geöffnet, ein Patronengürtel um die Hüfte und ein Revolver in den herabgesunkenen Händen. Dazu schrieb die Sängerin: "Happy Birthday to this Bad Bad Bitch! Viva La Revolucion!" 248.194 Followern gefällt das Foto, das sind mehr Likes, als die Sängerin für gewöhnlich für ein Selfie erhält. Vielleicht hat Madonna das Foto auch deshalb nicht zum ersten Mal gepostet. Es passt eben alles so gut zusammen: Frida, die starke, erotische und stilsichere Frau, die sich zu wehren weiß, Madonna, die sich genau so sieht. Das Problem bei diesem Bild ist nur: Es ist ein Fake.

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Das emotionsgeladene, sepiafarbene Bild kursiert seit 2012 im Netz, millionenfach geteilt und gelikt. Es sollte sich langsam herumgesprochen haben, dass es sich um eine Montage handelt. Tatsächlich kommentieren einige User den Madonna-Post mit "Fake!" oder "No that's not even her body". Einer wirft der Sängerin einen verantwortungslosen Umgang mit manipulierten Fotos vor.

Entstanden ist die Fotomontage vor sechs Jahren. Der ehemalige Fotograf Robert Toren sah eine Photoshop-Montage einer nackten Frida und begann, eigene und gefundene Aufnahmen zusammenzubasteln. Irgendwann war der 1954 geborene US-Amerikaner ganz gut darin und startete eine - inzwischen gelöschte - Tumblr-Seite mit gefälschten Aktaufnahmen von Frida Kahlo. Für seinen großen Hit fügte er einen Frida-Kopf aus einem Bild der US-Fotografin Imogene Cunningham in eine seiner eigenen Aufnahmen aus den 80er-Jahren. Darauf ist eine Freundin zu sehen, auf deren Körper das Licht von der genau richtigen Seite fällt ...

Foto: angrylambie.comFoto: angrylambie.com

"Sobald ich Fridas Kopf in mein Foto eingebaut hatte, war ich hin und weg von der Art, wie Fridas durchbohrender (wütender?) Blick sich ins Verhältnis setzt zur Gefahr der Waffe und die Sexualität des offenen Kleides", schrieb Toren einmal in einem E-Mail-Interview. "Es gibt kein solches Foto von Frida, aber man wäre nicht erstaunt, wenn so eines existierte. Viele Leute denken, es wäre real, viele sehen die Fehler darin und verstehen, dass wenn es real wäre, es längst bekannt wäre. Und viele wissen, dass es fake ist und mögen es trotzdem."

Später wurde die Montage sogar noch erweitert: Der russische Künstler Alexander Djikia kombinierte Torens Frida mit einem Foto des sowjetischen futuristischen Dichters Wladimir Majakowski - ein Bild, das ebenfalls viral geteilt wurde.

Für Madonna, die am heutigen Donnerstag selbst Geburtstag feiert und mit ihren 60 Jahren älter ist, als die Malerin es wurde, geht die Liebe zu Frida Kahlo übrigens sehr weit. 1990 sagte sie der "Vogue": "Wer ihre Gemälde nicht mag, kann auch nicht mein Freund sein." Cristina Kahlo, die Nichte der Künstlerin, berichtete, dass Madonna unbedingt die Hauptrolle in Julie Taymors Drama "Frida" haben wollte, die dann aber an Salma Hayek fiel. Auf dem Cover ihrer Platte "Rebel Heart" spielte Madonna dann aber doch ein bisschen Frida:

Madonna ist wahrscheinlich aus den gleichen Gründen Frida-Fan wie Robert Toren, der Kahlos tatsächliche Attraktivität mit seinem Fake noch betonte. Er schreibt: "Frida inspiriert mich aus den gleichen Gründen, die für viele Leute gelten: ihre herausragende Malerei, ihr Intellekt, 'No nonsense'-Feminismus, revolutionäre Sympathien, persönliche Stärke etc., und auch ihre körperliche Schönheit und die physischen Herausforderungen, mit denen sie zu kämpfen hatte."

 

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