Offener Brief

Künstler Afif ärgert sich über unfreiwillige Teilnahme an Messe der König Galerie

"Messe in St. Agnes" in der König Galerie im Juni 2020
Foto: Trevor Lloyd

"Messe in St. Agnes" in der König Galerie im Juni 2020

Der Berliner Künstler Saâdane Afif hat in einem offenen Brief seinen Unmut darüber geäußert, dass zwei seiner Werke auf der Messe in der Berliner König Galerie verkauft werden

Nach dem coronabedingten Ausfall von Kunstmessen veranstaltet die König Galerie in dieser Woche anlässlich der Berlin Art Week zum zweiten Mal eine "Messe in St. Agnes" genannte Verkaufsausstellung. Neben Arbeiten von Künstlern der Galerie werden dort Kunstwerke verkauft, die direkt von Künstlern oder anderen Galerien angeboten werden, sowie aus dem Sekundärmarkt, das heißt, sie kommen nicht direkt von Galerien, die diese Künstler vertretenen, sondern werden von Sammlern offeriert. 

Saâdane Afif schreibt in einem am Donnerstagabend verschickten offenen Brief an Johann König, dass er nicht darüber informiert worden sei, dass zwei seiner Werke angeboten werden: "Als ich Dich anrief, um Deine Beweggründe zu verstehen und Dir zu sagen, dass ich es ablehne, meine Werke auf diese Weise in Deiner Galerie präsentieren zu lassen, sagtest Du mir - nachdem Du 'freundlicherweise' angeboten hattest, diese Werke für Deine eigene Sammlung zu kaufen -, dass ich keine Rechte an diesen Werken mehr habe und dass Du über sie verfügen könntest, wie Du es wünschst. Es stimmt, das gebe ich zu, und ich finde es sogar normal, aber darum geht es nicht."

Es gehe vielmehr darum, so Afif, dass der Sekundärmarkt Künstlerinnen und Künstler umgeht, was in coronabedingt schwierigen Zeiten noch schwerer wiege. Afif verweist auf den Galeristen Mehdi Chouakri, der ihn in Berlin vertritt: "Schließlich gibt es gewisse unausgesprochene Regeln unter Händlern, die Du sehr gut kennst. Warum hast Du Mehdi Chouakri, der meine Arbeit seit Jahren hier in Berlin, in derselben Branche wie Du, unterstützt, nicht kontaktiert, um ihn über diesen Verkauf zu informieren? Zumindest, um ihn zu fragen, wie diese Arbeiten präsentiert werden sollen, wie hoch ihre Preise sind usw.?"

Antwortbrief von Johann König

Chouakri habe laut Afif versucht, eines der beiden Werke von dem Sammler, der es anbietet, zurückzukaufen, um es aus diesem "ungesunden Kontext" zu entfernen. Afif, dessen Name auch auf einem Werbeclip für die "Messe in St. Agnes" auftaucht, fühle sich durch die unfreiwillige Teilnahmen an dem "Trödelmarkt" von Johann König "verraten". 

Johann König reagierte am Freitag auf diesen offenen Brief mit einem offenen Antwortbrief. Darin weist der Galerist darauf hin, dass er vorab Mehdi Chouakri und andere Galerien kontaktiert habe, ob sie für die Messe Werke einreichen wollen. Chouakri habe sich nicht auf diesen Aufruf hin gemeldet. "Wir suchten keineswegs speziell nach Werken von Dir oder anderen bestimmten Künstlern", so König an Afif, "sondern trafen vielmehr eine Auswahl von Werken, die uns von Galeristen, Sammlern und Künstlern angeboten wurden. Zwei Sammler haben mir Deine Werke als Antwort auf den Aufruf angeboten. Da ich Deine Werke für sehr bedeutend halte, habe ich sie in die Auswahl für die Messe aufgenommen."

Weiter heißt es von Johann König: "Der Sammler hatte das erwähnte Werk ursprünglich im Jahr 2015 von der Galerie RaebervonStenglin erworben, die heute nicht mehr existiert. Bevor er es an unsere Messe übergab, hatte er das Werk zuvor Mehdi und Xavier Hufkens angeboten, die beide kein Interesse daran hatten. Ich stand mit Dir und Mehdi in Kontakt, was zum Kauf des Werkes durch Mehdi führte, von dem ich dachte, dass es eine einvernehmliche Lösung für alle wäre. Am Montag schickte mir Mehdi Anweisungen, wie ich die anderen uns überlassenen Werke präsentieren sollte, was als Zustimmung zur Ausstellung dieser Werke gewertet werden kann."

Auf Monopol-Anfrage betont Johann König, dass beide Afif-Arbeiten auf der Veranstaltung nicht gezeigt wurden, weder bislang im Ausstellungsraum noch im Online-Showingroom.

UPDATE 12. September: Der Galerist Mehdi Chouakri nimmt in einer Stellungnahme für Monopol Bezug auf die Aussage von Johann König: "Die genannte Arbeit wurde uns vom Sammler zu keinem Zeitpunkt angeboten. Die Behauptung, dass wir an einem genannten Angebot, das vor der Messe stattgefunden haben soll, kein Interesse gezeigt haben, trifft somit nicht zu."