Medienschau

"Es bleibt am Ende das Prinzip Hoffnung"

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Die Skandale des British Museum, Lichtenberger Atelierhaus vor dem Aus und Ausstellungen zu Migrationsgeschichten in Frankfurt und Dresden: Das ist unsere Presseschau am Dienstag

Museen

Rebecca Mead lässt im "New Yorker" noch einmal die jüngsten Riesenskandale des Londoner British Museum Revue passieren: zum eines das Hin und Her in den Verhandlungen um die Rückgabe der Parthenon-Skulpturen, zum anderen den Verlust zahlreicher Objekte durch Diebstahl durch einen im Haus angestellten Kurator. Ein Antikenhändler namens Ittai Gradel ist dem Mitarbeiter auf die Schliche gekommen. Auch der inzwischen zurückgetretene Museumsdirektor aus Deutschland kommt in dem Artikel zu Wort: "Ende Juli, kurz vor dem Bekanntwerden der Diebstähle, hatte das Museum bekannt gegeben, dass Hartwig Fischer seine Amtszeit als Direktor im Jahr 2024 beenden würde, aber im Amt bleiben würde, während die Suche nach einem Nachfolger im Gange sei. Einen Monat später, als bekannt wurde, dass das Museum Gradels Warnung nicht beachtet hatte, reichte Fischer seinen sofortigen Rücktritt ein. 'Die Verantwortung für dieses Versagen muss letztendlich beim Direktor liegen', sagte Fischer. Kürzlich schickte er mir diesen Kommentar: 'Das Funktionieren eines Museums erfordert die Redlichkeit seiner Mitarbeiter. Dass ein Mitarbeiter gegen diese Regel verstößt, stiehlt und ein öffentliches Gut beschädigt, ist schockierend.' Das Museum sei 'eine Organisation, die ein großes Verantwortungsgefühl für die in ihrer Obhut befindlichen Artefakte hat', sagte er. 'Es war natürlich für alle erschütternd zu sehen, dass dies von einer Person, der wir vertraut haben, missbraucht wurde.'"

Szene

In Berlin ist ein loebendiger Kunstort bedroht: Die BLO-Ateliers in Lichtenberg stehen vor dem Aus, weil die Deutsche Bahn den Ende Juli auslaufenden Mietvertrag nicht verlängern will und dem Trägerverein Lockkunst eine Nutzungsuntersagung für mehrere Gebäude auf dem Gelände zugestellt hat. "Das bedeutet: Die Künstler dürfen ihre Ateliers nicht mehr betreten – es soll Gefahr für Leib und Leben bestehen", schreibt Dominik Lenze im "Tagesspiegel". "Zumindest können die Ateliers auf Unterstützung aus der Politik hoffen: 'Wenn die B.L.O.-Ateliers weichen müssen, verschwindet ein zentrales Stück kultureller Identität aus Lichtenbergs Kreativszene', sagte Bezirksbürgermeister Martin Schaefer (CDU) dem Tagesspiegel. 'Dies werden wir als Bezirk so nicht hinnehmen.' Auch im Kulturausschuss des Bundestages war die Ateliergemeinschaft bereits Thema. Und an die Bundespolitik wenden sie sich nun erneut: Am Freitag haben die B.L.O.-Ateliers eine Petition auf ihrer Website gestartet." Auch Kultursenator Joe Chialo (CDU) hat sich in den Konflikt eingeschaltet, weiß Andreas Hergeth in der "taz". "Fast ein Jahr lang hätten der Trägerverein Lockkunst und die Bahn intensiv verhandelt, 'mit Unterstützung und Beteiligung' des Landes Berlin, heißt es aus Chialos Verwaltung. Auch deshalb sei man von den aktuellen Entwicklungen 'überrascht und schockiert'. Der Senat werde sich nun zeitnah mit Bitte um Unterstützung direkt an die Bundesregierung wenden. Mal sehen, was Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) dazu sagt. Es bleibt am Ende das Prinzip Hoffnung."

Kunstmarkt

Nicolai Tangen leitet den norwegischen Staatsfonds und verschenkt nun 5500 Kunstwerke an seine Heimatstadt Heimatstadt Kristiansand. Im "FAZ"-Interview mit Sebastian Balzter vom Wirtschaftsteil spricht der Kunstsammler über Eitelkeit, die Auswüchse des Kunstmarkts und den Fluch des Erbens. Und über seinen Antrieb: "Wer Kunst kauft, sollte das nach meiner Überzeugung nicht als eine Wertanlage betrachten. Dazu ist das Ganze viel zu riskant, die Transaktionskosten sind zu hoch, und beim Verkauf verliert man meistens Geld. Man sollte ein Kunstwerk kaufen, um es danach anschauen und Freude daran haben zu können. Das geht nicht, wenn einem nur ein paar Prozent davon gehören."

Ausstellung

Katharin J. Cichosch bespricht für die "taz" die Ausstellung "There is no there there" im MMK in Frankfurt am Main: "Kurator Gürsoy Doğtaş und MMK-Direktorin Susanne Pfeffer präsentieren 30 Künstlerinnen und Künstler, die durch Anwerbeabkommen, Residenzen oder Kunststudium nach Deutschland gekommen waren – und einige auch als künstlerisch tätige ArbeiterInnen. Doğtaş hatte ein schlichtes Anliegen: Er wollte jene aufspüren, die im Curriculum der nachkriegsdeutschen Kunstgeschichte nicht vorkamen. Das unterscheidet diese bemerkenswert von anderen Ausstellungen zum Thema, die eher didaktische oder historische Ansätze verfolgen – oder sich gar nicht erst auf die Kunst jener, von der sie eigentlich handeln wollen, einlassen."

Um die Vertragsarbeiter speziell in der DDR geht es in der Schau "Revolutionary Romances?" im Dresdner Abertinum, die Ralph Gerstenberg für die "Weltkunst" angeschaut hat. "Ist das Kunst oder Propaganda? Diese Frage stellt sich in Dresden nach dem 'Bilderstreit' von 2017 einmal mehr. Damals wurde der dominante westdeutsche Blick auf ostdeutsche Kunst vom Dresdner Kunst- und Kulturwissenschaftler Paul Kaiser scharf kritisiert. Die Einteilung in staatsnahe und staatsferne DDR-Kunst habe dazu geführt, dass die Werke bedeutender ostdeutscher Künstler aus der Dauerausstellung des Albertinums „ins Depot entsorgt“ wurden, so der Vorwurf. Mit 'Revolutionary Romances?' zeigt das Albertinum, dass es bereit ist, seine Räume und Archive für die Diskussion zu öffnen."

Als "versteckte Sensation des Biennale-Sommers in Venedig" bezeichnet Till Briegleb in der "SZ" Christoph Büchels "Monte di Pietà" in der Fondazione Prada. Der Schweizer hat den Palazzo in ein insolventes Leihhaus verwandelt. "Die kapitalistische Zentralbotschaft, dass Schulden ein Segen des Wachstums seien, erstickt Büchel in einer Bedeutungsflut, deren detaillierte Einrichtung zum stundenlangen Verweilen einlädt."