Plagiatsvorwürfe

Warum eine Künstlerin Fortuna Düsseldorf verklagt hat

Für sein Auswärtstrikot 2018/19 wollte der Fußballverein Fortuna Düsseldorf "Muster aus der Heimat" benutzen. Die sahen jedoch verdächtig nach den Entwürfen der Künstlerin Heike Klussmann aus. Vor Gericht hat sie nun einen ersten Sieg errungen

Kann ein Fußballtrikot aussehen wie eine geflieste U-Bahn-Station? Die Künstlerin und Kasseler Kunstprofessorin Heike Klussmann sagt ja - und ist gegen den Erstligisten Fortuna Düsseldorf vor Gericht gezogen. Sie warf dem Verein vor, sich für sein Auswärtstrikot der Saison 2018/2019 unabgesprochen bei einem ihrer Entwürfe bedient zu haben. Konkret geht es um das Muster der Fliesen in der Düsseldorfer U-Bahn-Station Heinrich-Heine-Allee, das von der Künstlerin gestaltet wurde. Das geschwungene organische Karomotiv, das mit Regelmäßigkeit und Unregelmäßigkeit spielt, findet sich in grau-weißer Abstufung auch auf den Trikots wieder.

Im Werbevideo zum Fan-Artikel wird die Haltestelle sogar explizit erwähnt und im Bild gezeigt. Fortuna Düsseldorf habe nach Mustern gesucht, die für Düsseldorf stehen, und sich deshalb an der Wehrhahn-Bahn-Linie orientiert, heißt es darin.  


Heike Klussmann sah dadurch ihr Urheberrecht verletzt und forderte vom Verein 50.000 Entschädigung. Der Anwalt von Fortuna Düsseldorf hatte dagegen argumentiert, Baukunst und Textildesign seien nicht vergleichbar und es gebe signifikante Unterschiede zwischen den beiden Mustern. Vom Landgericht Düsseldorf bekam die Künstlerin nun zumindest teilweise recht. Das Trikot ähnele Heike Klussmanns Werk so stark, dass diese tatsächlich einen Anspruch auf Entschädigung habe, sagt eine Sprecherin. Allerdings hielt das Gericht die Höhe der Forderung für überzogen und schlug eine Zahlung von 15.000 Euro an die Kunstprofessorin vor. 

Die endgültige Summe soll nun außergerichtich verhandelt werden. Sollte es keine Einigung zwischen Klussmann und dem Verein geben, will das Landgericht Ende November eine Entscheidung fällen. 

Wegen des laufenden Verfahrens wollte sich Klussmann auf Anfrage von Monopol derzeit nicht äußern. Doch dass sich Künstler von großen Konzernen kopiert sehen, ist keine Seltenheit - und meist schwer zu beweisen. Zuletzt hatte der US-Künstler Mike Bouchet im Monopol-Interview dem Fast-Food-Konzern McDonalds vorgeworfen, in einer Werbekampagne seine Burger-Gemälde zu kopieren. Auch Modefirmen bedienen sich immer wieder bei Künstlern. So gingen Anfang 2019 die verbleibenden Mitglieder der Band Nirvana gegen den Designer Marc Jacobs vor, weil der sich das Logo des Grunge-Trios angeeignet haben soll.