Tipps und Termine

Wohin am Wochenende?

Thomas Ruff "nudes pea10", 1999, C-Print, Edition 1/2AP, 102 x 129 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2020 

Thomas Ruff "nudes pea10", 1999, C-Print, Edition 1/2AP, 102 x 129 cm

Die Kunst der Woche in Berlin, Derneburg, Düsseldorf, München, Neubrandenburg, Naumburg und Zürich

Coronabedingt können bestimmte Ticket-, Hygiene- und Abstandsregelungen gelten. Vor dem Ausstellungsbesuch empfiehlt sich deshalb ein Blick auf die jeweilige Institutions-Website.


Kunstwoche in Berlin

Endlich geht es wieder los! Nach der Corona-bedingten Zwangspause sind die Lust auf neue Ausstellungen, die Sehnsucht nach aufregenden Werken und guten Gesprächen so groß wie lange nicht mehr. Und die diesjährige Berlin Art Week verspricht sie zu stillen: mit einem diversen, hochkarätigen Programm und mit neuen Partnern und Orten, die es erst noch zu entdecken gilt. Lerato Shadi erkundet in ihren Performances und Filmen, die im Kindl-Kunstzentrum gezeigt werden, hochbrisante Fragen zu Identität, Sprache und Körper. Hochprozentig, aber nicht weniger subversiv dürfte es am Tresen von Slavs and Tatars zugehen: Das Künstler­­ko­l­lektiv eröffnet eine Bar, an der mit speziellen Rezepturen der Kapitalismus überwunden wird (diesmal wirklich!). An die Tristesse des Sozialismus und manche schrägen Typen des Ost-Berliner Untergrunds erinnern die Fotos von Harald Hauswald bei C/O Berlin. Und in der Berlinischen Galerie zeichnet Gasag-Preisträger Marc Bauer die Geschichte des Internets. Wer Kunst kaufen will, besucht die Messe Positions in den spektakulären Hangars des Flughafens Tempelhof. Oder macht sich auf Galerien-Tour: Wegen des Corona-Lockdowns im Frühjahr findet das Gallery Weekend erstmals im September statt und lockt mit Namen wie Isa Genzken, Olafur Eliasson oder Andreas Gursky.

Berlin Art Week, bis 13. September


Robert Capa in Berlin 

Der Kriegsreporter Robert Capa (1913-1954) gehört zu den bekanntesten Fotografen der Geschichte. Eine neue Ausstellung im Berliner Centrum Judaicum zeigt nun mit rund 120 Fotografien aus Capas Berlin-Konvolut seinen Blick auf die Stadt kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Ein Großteil der Bilder sei erstmals zu sehen, erklärten die Organisatoren. Die Ausstellung "Robert Capa. Berlin Sommer 1945" läuft bis Frühjahr 2021.

Sie folge Capa in seinem imaginierten fotografischen Streifzug durch die Stadt: "Von West nach Ost, vom Kurfürstendamm zum Boulevard Unter den Linden, vom Bahnhof Zoo entlang des Tiergartens zum Brandenburger Tor, Alexanderplatz und Potsdamer Platz", hieß es.

Geboren wurde Robert Capa in Ungarn, damals noch unter anderem Namen. Er machte etwa Bilder von der Landung alliierter Soldaten in der Normandie. In Leipzig dokumentierte er die letzten Kriegstage. Im Auftrag des "Life"-Magazins habe er später das Leben im zerstörten Berlin festgehalten - etwa den Schwarzmarkt am Brandenburger Tor, wie die Ausstellungsmacher erklärten. Diese Aufnahmen sind nun zu sehen. (dpa) 

"Robert Capa. Berlin Sommer 1945", Centrum Judaicum, Berlin, bis 9. Mai 2021

Ausstellung "Robert Capa. Berlin Sommer 1945" in der Stiftung Neue Synagoge Berlin
Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Ein Mann betrachtet in der Ausstellung "Robert Capa. Berlin Sommer 1945" in der Stiftung Neue Synagoge Berlin die Fotografien. 75 Jahre nach der Befreiung Europas vom Nationalsozialismus werden 120 Fotografien aus Capas Berlin-Konvolut bis Ende April 2021 gezeigt.


Mediengeschichte von Luther bis Twitter in Berlin

Vom Alten Testament bis Twitter: Texte und Bilder sind seit Jahrhunderten zentrales Instrument der politischen Kommunikation. Martin Luthers (1483-1546) Bibelübersetzung verhalf dem Buch zum Durchbruch und leitete damit die Reformation ein. Über Twitter schafft Donald Trump ein direkte Verbindung zu seinen Anhängern - an den traditionellen Medien vorbei. Das Deutsche Historische Museum (DHM) zeichnet nach, wie sich politische und gesellschaftliche Botschaften in der Moderne entwickelt und damit maßgeblich zum gesellschaftlichen Wandel beigetragen haben.

Die Ausstellung "Von Luther zu Twitter" zeigt mit historischen Dokumenten - etwa Flugschriften aus Luthers Zeit, einer preußischen Zensurakte, der Erstausgabe des Kommunistischen Manifests oder den "Volksempfängern" der Nationalsozialisten -, wie Öffentlichkeit entsteht.

Jede technologische Innovation führe früher oder später auch zum Wandel der politischen Kommunikation und werde von Machthabern und ihren Gegnern entsprechend benutzt, sagt der Soziologe Harald Welzer, einer der Kuratoren der Ausstellung. Ob die Flugblätter zur bürgerlichen Revolution 1848/1849, die Pressepolitik des Reichskanzlers Otto von Bismarck oder der Umgang der heutigen Protestgeneration in Hongkong - Medien spielten eine entscheidende Rolle bei der Sicherung von Macht und auch im Kampf dagegen.

Die Schau zeigt auch den Einfluss des Fernsehens auf die politische Kultur, etwa mit einem Video-Ausschnitt von 1960 aus der Debatte zwischen den US-Präsidentschaftskandidaten John F. Kennedy und Richard Nixon. Kennedy, so die Analyse, soll seinen Sieg maßgeblich seinem TV-Auftritt verdankt haben. Noch offen sei, wie das Internet die politische Kommunikation umgestalten werde, sagte Welzer. US-Präsident Donald Trump hat in Twitter das geeignete Medium für sich gefunden. Besucher der Ausstellung können auf einem großen Monitor Trumps Twitter-Account live verfolgen. (dpa)

"Von Luther zu Twitter - Medien und politische Öffentlichkeit", Deutsches Historisches Museum, Berlin, bis 11. April 2021

 

Berliner Szene auf Schloss Derneburg

Hochkarätige Kunst reist aus der Hauptstadt in die Provinz: Nach rund einem halben Jahr coronabedingter Schließung öffnet das Privatmuseum Schloss Derneburg wieder für Besucher. Unter dem Motto "Berlin kommt nach Niedersachsen" präsentieren die Hall Art Foundation und die König Galerie eine Ausstellungsreihe. In einer umgebauten Scheune, in der früher Schafe standen, sind Werke von Norbert Bisky, Ólafur Elíasson und Jonathan Meese unter dem Titel "Szene Berlin" zu sehen. Zudem werden Katharina Grosse, Karl Horst Hödicke sowie Johannes Kahrs in Einzelausstellungen präsentiert.

Die Burganlage im Landkeis Hildesheim hat ihre Ursprünge im 13. Jahrhundert und war lange ein Kloster. Der frühere Ölhändler Hall kaufte sie 2006 dem Maler Georg Baselitz samt dessen Kunstsammlung ab und restaurierte sie aufwendig. "Dieser Teil Deutschlands ist wie ein geheimer Schatz", ließ Hall zur Eröffnung am Samstag mitteilen. Wegen der Pandemie sitzen er und seine Frau Christine in den USA fest. Galerist Johann König kennt das Schloss aus Kindertagen, als er mit seiner Familie Baselitz besuchte. "Es gibt so viel zu sehen, man schafft gar nicht alles an einem Tag", sagte er. In den vergangenen Jahren entstand unter anderem ein Skulpturenpark.

Zur Wiedereröffnung gibt es ein neues Besucherkonzept. Die Gäste können freitags, samstags und sonntags ohne Führung die Ausstellungen erkunden, Tickets müssen allerdings vorab erworben werden. (dpa)

"Szene Berlin; Johannes Kahrs; Karl Horst Hödicke; Katharina Grosse", Museum Schloss Derneburg, bis 31. August 2021

Foto: dpa
Foto: dpa

Schloss Derneburg im Landkreis Hildesheim

 

Thomas Ruff in Düsseldorf

Er ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen Fotokünstler, doch eine Kamera nimmt Thomas Ruff nur noch selten zur Hand. Die Kunstsammlung NRW zeigt eine umfangreiche Ausstellung mit rund 150 Werken aus 13 Serien des 62-jährigen Künstlers. Die Schau vermittelt nach Angaben der Kunstsammlung nicht nur einen Überblick über Ruffs Schaffen der vergangenen Jahrzehnte, sondern auch über fast 170 Jahre Fotogeschichte. Denn Basis seiner Kunst sind etwa alte Fotoarchive, Zeitungsfotos oder auch wissenschaftliche Aufnahmen von Raumsonden. Ruff bedient sich bei Bildquellen des 19. Jahrhunderts und bei Techniken aus den 1920er Jahren. Zugleich benutzt er Hochleistungscomputer für die Bearbeitung seiner Bilder.

Zu sehen sind in Düsseldorf etwa Ruffs Bearbeitungen von chinesischen Propagandabildern, Verfremdungen von Porno- und Katastrophenbildern aus dem Internet, eigenhändige Retuschen sowie die jüngste Serie zarter Blumenbilder, die Ruff in einem komplizierten Computerverfahren erstellte. Ruff gehört neben Andreas Gursky und Thomas Struth zu den wichtigsten Künstlern der auf die Fotografen Bernd und Hilla Becher zurückgehenden Düsseldorfer Fotoschule. (dpa)

Thomas Ruff, Kunstsammlung NRW, 12. September bis 7. Februar 2021

Thomas Ruff "press++21.11" 2016, C-Print, Edition 02/04, 260 x 185 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2020 

Thomas Ruff "press++21.11" 2016, C-Print, Edition 02/04, 260 x 185 cm


Open Art in München

Zum 32. Mal eröffnen die Münchner Galerien mit der Open Art den Kunstherbst in der bayerischen Metropole - die älteste Veranstaltung dieser Art in Deutschland. Die Initiative Münchner Galerien zeitgenössischer Kunst, gegründet 1988, ist ein Zusammenschluss Münchner Galerien mit Schwerpunkt Gegenwart. Zusammen mit Partner-Institutionen und Museen bieten sie auch in diesem Jahr und unter Corona-Bedingungen ein Programm vor Ort.

32. Open Art, München, bis 13. September


Various Others in München

Institutionen und Galerien arbeiten für das Münchner Kunstwochenende Various Others eng zusammen. "Es geht um Solidarität, und die ist in diesem Jahr wichtiger denn je", kommentiert die Kuratorin des Museums Brandhorst Patrizia Dander. Zahlreiche Münchner Galerien geben Ausstellungen von internationalen Gastgalerien Raum, und die Museen kooperieren mit vielen Talks und Events.

Einen Rundgang durch die Ausstellungen von Various Others finden Sie hier.

Various Others, bis 11. Oktober

Nir Altman hosting Sultana, Paris & Peres Projects, Berlin
Foto: Lyon Biennale 2019, Courtesy of the artist Rebecca Ackroyd and Peres Projects, Berlin

Nir Altman hosting Sultana, Paris & Peres Projects, Berlin


Max Klinger in Naumburg

Eine Sonderausstellung mit zeitgenössischen Kunstwerken beleuchtet von Samstag an das Schaffen des Bildhauers Max Klinger (1857-1920) im Naumburger Dom. Vier Stipendiaten hätten sich acht Monate lang intensiv mit den Arbeiten des vielseitigen Künstlers beschäftigt. Unter dem Motto "Druck und Hingabe: Eine Widmung an Max Klinger" sind bis zum 31. Oktober die Resultate ihrer künstlerischen Auseinandersetzung in der auf der Unesco-Welterbeliste stehenden Kathedrale zu sehen.

Unter anderem schufen die vier Künstler von Klinger inspirierte Skulpturen, Grafiken und Zeichnungen, hieß es. Für die Zeit des Stipendiums residierten die von der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt geförderten Männer und Frauen in der einst von Max Klinger erworbenen Villa Romana im italienischen Florenz.

Anlass für das Projekt war der 100. Todestag des am 5. Juli 1920 in Großjena bei Naumburg gestorbenen Künstlers, hieß es. Mit der Sonderschau treffe zugleich zeitgenössische Kunst auf das 13. Jahrhundert, sagt Stiftsdirektor Holger Kunde mit Verweis auf den im Mittelalter erbauten Naumburger Dom. Die Kathedrale ist vor allem wegen ihrer zwölf, von einem unbekannten Meister erschaffenen Stifterfiguren im Westchor des Doms bekannt. Seit 2018 steht der Dom auf der Unesco-Weltkulturerbe-Liste. Neben seinem Wirken als Bildhauer machte sich der in Leipzig geborene Künstler Max Klinger auch als Maler und Grafiker verdient. (dpa)

"Druck und Hingabe: Eine Widmung an Max Klinger", Naumburger Dom, bis 31. Oktober


Anke Eilergerhard in Neubrandenburg

Mit akkurat gespritzten Kunstwerken aus Silikon in Verbindung mit anderen Materialien startet die Kunstsammlung Neubrandenburg in die Herbstsaison. Die Werkschau der Künstlerin Anke Eilergerhard (Berlin) zeigt zum Teil großformatige Fantasie-Arbeiten, die an unterschiedlich gestaltete Sahnehäubchen bei Torten erinnern. Sie stammen aus den Jahren 1994 bis 2020. Es ist nach Angaben von Pretzel die erste größere Werkschau von Eilergerhard in den östlichen Bundesländern.

Zu den zehn Ausstellungsobjekten gehört auch das sogenannte Pollenarchiv, das bereits vor der Corona-Pandemie begonnen worden war. Seine Teile erinnern Betrachter aber zum Teil an das Aussehen des Corona-Erregers, verdeutlichte Pretzel. Die Schau wird bis zum 29. November in der Kunstsammlung Neubrandenburg gezeigt, die zu den wichtigsten Galerien für zeitgenössische Kunst nördlich von Berlin gezählt wird. (dpa)

"Eilergerhard You and Me", Kunstsammlung Neubrandenburg, bis 29. November


Kunstwochenende am Zürichsee

Die dritte Ausgabe des Zurich Art Weekend, zu dem sich die Züricher Galerien und Institutionen zusammenschließen, war ursprünglich für Juni geplant. Jetzt versucht man es im September, mit einem weit gespannten Programm, das von Georg Baselitz bei der Galerie Lévy Gorvy über Ugo Rondinone bei Eva Presenhuber bis zu der kürzlich verstorbenen Elisabeth Wild bei Karma International reicht. Dazu gibt es ein umfangreiches Programm mit Führungen und Talks - und die Gastgalerien aus Peking kommen diesmal eben digital.

Zurich Art Weekend, bis 13. September