Corona-Maßnahmen

Nach den Museen gehen jetzt auch die Galerien in den Lockdown

Galerie Max Hetzler "Glenn Brown. And thus we existed", Ausstellungsansicht, 2020
Foto: Courtesy Galerie Hetzler

Die Ausstellung "Glenn Brown. And thus we existed" ist bis zum 23. Januar in der Berliner Galerie Max Hetzler zu sehen. Wenn alles gut geht, öffnet die Galerie wieder ab dem 10. Januar

Weil die Museen coronabedingt geschlossen haben, waren private Galerie in den letzten Wochen die einzig verbliebenen Ausstellungsorte. Mit dem harten Lockdown gehen nun auch sie in die verfrühte Weihnachtspause

In einer guten Galerie wird man sich selten wie in einem Shop fühlen. Die Inszenierung der einzelnen Werke als Ausstellung lenkt davon ab, dass Kunst hier als Ware angeboten wird. Deshalb überraschte es auch zunächst, dass die deutschen Galerien Anfang November beim "Lockdown Light" geöffnet blieben, weil sie unter Geschäfte des Einzelhandels fielen, Museen und andere öffentliche Ausstellungsorte hingegen dichtmachten. Galerien haben immer hart und zu Recht dafür gekämpft, als Kulturstätten vom Staat ernstgenommen und gefördert zu werden. Aber stimmt natürlich: Galerien sind Shops, verwaltungstechnisch gesehen.

Ihre Funktion als soziale Orte, an denen man sich trifft, trinkt und redet, haben sie leider mit dem Beginn der Pandemie verloren. Aber gerade in den museumsfreien vergangenen Wochen konnten wir wieder erleben, wie großartig Galerien auch als Räume ohne großen Publikumsverkehr sind: als Räume der Konzentration, als Räume für besondere Erfahrungen und nicht zuletzt als Räume, die relativ infektionssicher sind.

Mit vorsichtigen Initiativen haben die Galerien nochmal das Beste aus der schwierigen Lage herausgeholt: die Berliner Anfang Dezember mit einem offenen Kunstsonntag, die Kölner mit einem langen Samstag am vergangenen Wochenende, alle Art-Basel-Aussteller mit Online Viewing Rooms als Ersatz für die Messe in Miami Beach.

Kristian Jarmuschek, Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Galerien und Kunsthändler (BVDG), berichtet von großem Zuspruch für seine Mitglieder durch Käuferinnen, Käufer und andere Kunstinteressierte in den letzten Wochen. "Nicht nur durch die Schließung anderer Kulturstätten, sondern auch durch die allgemeine Lage, die fehlenden Möglichkeiten zu Begegnung, Austausch und Reisen war ein Galeriebesuch eine der wenigen Möglichkeiten, überhaupt etwas Außergewöhnliches zu erleben."

Laut der neuen Beschlüsse von Bund und Ländern vom Sonntag soll der Einzelhandel nun bis mindestens zum 10. Januar geschlossen bleiben. Während Buchhandlungen in Berlin öffnen dürfen, weil sie, so Kultursenator Klaus Lederer, "geistige Tankstellen" seien, müssen die Galerien, die doch nicht weniger "Auftankorte" sind, von Mittwoch an wie alle Läden schließen. 

Wiedersehen im neuen Normal

"Wie bei der Schließung der Museen verstehe ich nicht, welcher politische Gestaltungsgedanke dahintersteckt: Kunst und Kultur ist ein Lebensmittel! Aufgrund der allgemeinen Lage der Pandemie akzeptiere ich natürlich diese Entscheidung", so Jarmuschek. "Galerien sind krisenerprobt und die Zeit von Dezember bis Ende Februar ist ohnehin nicht die Top-Zeit für Galerien. Sofern wir für den März und darüberhinaus eine Perspektive haben, werden wir es überstehen."

Auch Werner Tammen, Vorsitzender des Landesverbandes Berliner Galerien, bleibt zuversichtlich: "Geschäftlich haben und werden sich viele Kollegen*innen auf ein verstärktes Online-Geschäft vorbereiten, sicherlich auch den jetzigen Lockdown für die Weiterentwicklung ihres Online-Angebotes nutzen. Insgesamt erwartet die Galerienszene zu Weihnachten als besondere Freude den Zuwendungsbescheid zu ihren Anträgen im Förderprogramm 'Neustart Kultur' des Bundeskulturministeriums in der Regie von Frau Grütters." Dieses Programm wird den bundesdeutschen Galerienstandort gerade zu Beginn des kommenden Jahres positiv beeinflussen, ist sich Tammen sicher. 

Den Galerien wurde in 2020 viel abverlangt. Viele von ihnen schauen dennoch optimistisch ins neue Jahr, weil sie die Zeit genutzt haben: um ihre Lobbyarbeit zu verbessern, sich online neu aufzustellen oder ihr Reiseverhalten zu überdenken. Wir sehen uns hoffentlich im nächsten Jahr im neuen Normal.