"Biografie missbraucht"

Gerhard Richter rechnet mit "Werk ohne Autor" ab

Gerhard Richter fühlt sich vom Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck hintergangen: Das Künstlerdrama "Werk ohne Autor" missbrauche seine Biografie

Das Magazin "New Yorker" beschreibt in seiner aktuellen Ausgabe die Entstehungsgeschichte des Films und hat dafür auch Richter angefragt. Der lehnte ein Statement zunächst ab: "Um mir die Ereignisse in Erinnerung zu rufen, musste ich mir den ziemlich umfangreichen Ordner über den Fall Donnersmarck anschauen. Meine Abneigung gegen den Film und der Person ist dadurch wieder so sehr gewachsen, dass es mir unmöglich ist, Ihnen zu antworten."

"Werk ohne Autor" mit den Schauspielern Tom Schilling und Sebastian Koch ist in diesem Jahr auf der Shortlist für den Auslands-Oscar. Ob er tatsächlich nominiert wird, wird am kommenden Dienstag bekanntgegeben. Der Film, der im Oktober in die deutschen Kinos kam, erzählt von einem Maler namens Kurt Barnert, der während der NS-Zeit aufwächst, in der DDR erste Erfolge feiert, dann aber in der BRD einen Neuanfang wagt. Das Drama basiert lose auf der Lebensgeschichte Gerhard Richters.

Schon vor dem deutschen Filmstart kritisierte der 86 Jahre alte Künstler den dreistündigen Epos als "zu reißerisch", obwohl er bis dahin nur den Trailer gesehen hatte. Eine DVD des Films habe der Regisseur ihm verweigert und ins Kino gehe der Maler wegen seines Alters nie. 

Im "New Yorker" wird nun beschrieben, dass Florian Henckel von Donnersmarck und Richter sich vor den Dreharbeiten mehrfach zu Gesprächen getroffen hätten. Laut Regisseur waren diese Treffen von Offenheit und Verbindlichkeit geprägt. Richter sei das Drehbuch vorgelesen worden, er habe es für gut befunden und sogar überlegt, selbst Bilder zum Film zu produzieren.

Der Maler, der schließlich doch noch ausführlicher auf die "New Yorker"-Anfrage antwortete, stellt das ganz anders da: Er habe dem Regisseur nach einem oder zwei Treffen mitgeteilt, dass er mit einem Richter-Film nicht einverstanden sei und schlug stattdessen vor, der Hauptfigur einen anderen Beruf zu geben, da die Familiengeschichte ohnehin im Fokus steht.

Darauf sei Henckel von Donnersmarck nicht eingegangen, weshalb Richter ihm schriftlich verbot, sowohl seinen Namen als auch seine Werke zu verwenden oder zu veröffentlichen. Das wollte der Regisseur tun: "Er versicherte mir, dass er meine Wünsche respektieren würde. In Wirklichkeit hat er aber alles getan, um meinen Namen mit seinem Film in Verbindung zu bringen und die Presse hat ihm dabei nach besten Kräften auch noch geholfen. Zum Glück haben die wichtigsten Zeitungen hier sein Machwerk skeptisch und kritisch besprochen. Dennoch hat er es geschafft, meine Biografie zu missbrauchen und übel zu verzerren."

Henckel von Donnersmarck ist von Richters Ablehnung überrascht. Er habe viele Details in den Film eingebaut, "kleine Liebesbriefe" an Richter. Dennoch zeigt der Regisseur auch Verständnis für die Kritik Richters: "Wenn jemand meine Lebensgeschichte nähme und ihr einen Dreh gäbe, wäre das entweder total schmerzhaft, weil es den schmerzhaften Kapiteln meines Lebens so nahekäme, oder es wäre schmerzhaft, weil es ihnen nicht nahe genug käme."