"Werk ohne Autor" im Ersten

Schwer genießbare Kunst-Schmonzette

Foto: Disney/dpa
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Künstler Kurt Barnert (Tom Schilling) und Studentin Elizabeth (Paula Beer) in einer Szene des Films "Werk ohne Autor"

Für "Werk ohne Autor" hat sich Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck bei der Biografie des Malers Gerhard Richters bedient. Herausgekommen sind zähe Stunden voller Kunst-Klischees. Jetzt läuft der Film im Ersten

Das Leben schreibt keine Drehbücher. Wer also die Wirklichkeit in Fiktion überführen will, muss sich einiges einfallen lassen – und wird hier und da von realen Begebenheiten abweichen und überspitzen. Das ist erlaubt, weil das Ergebnis zählt. Das Problem bei Biopics über große Künstlerinnen und Künstler ergibt sich aus der möglichen Fallhöhe zwischen Werk und Produzent*in. Das Werk ist in diesen Fällen vielbewundert, aber lohnt die Geschichte der Person dahinter?

"Werk ohne Autor" ist die Filmadaption der frühen Jahre Gerhard Richters. Die Besetzung kann sich sehen lassen: Tom Schilling spielt den jungen Künstler vor seinem kometenhaften Aufstieg, Paula Beer verkörpert seine große Liebe, Sebastian Koch ist in der Rolle des Schwiegervaters mit Nazivergangenheit zu sehen. Gute Nebendarsteller hat Florian Henckel von Donnersmarck für seinen dritten Spielfilm nach "Das Leben der Anderen" und "The Tourist" ebenfalls gefunden. Angefangen mit Lars Eidinger, der im Dresden des Jahres 1937 einen Museumsführer gibt: "Das könntest Du auch", sagt er zu dem Jungen, der fasziniert auf lauter Kandinskys, Marcs und Mondrians blickt. Obwohl es das Kind, wenn es um den ganz großen "Führer" und die Reichskunstkammer ginge, vielleicht auch gruseln sollte.

Unzweifelhaft Deutschlands berühmtester Gegenwartskünstler

Gut möglich, dass Gerhard Richter die perfide "Entartete Kunst"-Ausstellung in seiner Heimatstadt Dresden wirklich gesehen hat. Hier heißt er Kurt Barnert, doch hinter der Figur steckt unzweifelhaft Deutschlands berühmtester Gegenwartskünstler. Es sind 30 Jahre Lebens- und Kunstgeschichte, von denen in 188 überaus zähen Filmminuten erzählt wird.

In die Kunst wird der kleine Kurt von seiner geliebten Tante eingeführt, die in einer psychischen Krise Opfer der Euthanasie-Morde der Nazis wird. In der DDR-Zeit verliebt sich der Kunststudent ausgerechnet in Ellie, die Tochter jenes Professors Seeband, der Kurts Tante ermorden ließ. Gegen den Willen des Schwiegervaters in spe, der nun unerkannt dem Sozialismus dient, heiraten die beiden. Doch Ellies Nazi-Vater sabotiert das junge Glück.

Der Film verliert nach Punkten

Donnersmarck, der auch das Drehbuch schrieb, verdichtet die in ihren Grundzügen wahre Geschichte zur schwer genießbaren Schmonzette um einen Hochbegabten, den Fleiß und Leidensfähigkeit zum Erfolg führen. Interessiert sich der Filmemacher überhaupt für Kunst? In den Szenen an der Kunstakademie Düsseldorf, Richter hat hier wirklich in den 60ern studiert, reiht sich ein Kunstklischee an das andere, bis am Ende doch Kurts "Können" (von dem wahre Kunst ja kommen soll) triumphiert.

Dessen Professor van Verten (Oliver Masucci als Joseph-Beuys-Verschnitt) spachtelt riesige Fettecken und erzählt nochmal die beliebte – bei Donnersmarck nun wieder wahre – Tataren-Legende, während sein Student nach einer schlimmen Schaffenskrise endlich zur fotorealistischen Malerei findet. Zum Heureka erklingt Max Richters wabernde "Rheingold"-Musik. Wenn Kurt schließlich ein Bild malt, mit dem er den Schwiegervater-Schurken entlarvt, ist die Rosamunde-Pilcher-Höchstmarke erreicht. Das Ergebnis zählt? Mit "Werk ohne Autor“ verliert Florian Henckel von Donnersmarck nach Punkten.

Wie viel Gerhard Richter wirklich in "Werk ohne Autor" steckt, lesen Sie hier