Anika Meier

Debatte

Warum man Netzkünstlerinnen den Feminismus abspricht

01/15/2019 - 16:55

Mit Selfies gegen das Patriarchat? Netzkünstlerinnen, die sich in sozialen Medien inszenieren, wird häufig eine feministische Haltung abgesprochen. Es ist an der Zeit, mit einigen Vorurteilen aufzuräumen, findet Anika Meier

Arvida Byström ist genervt. Ach, eigentlich ist es ihr herzlich egal. Erstaunt trifft es vielleicht besser als genervt. Die schwedische Künstlerin, Jahrgang 1991, wundert es, welche Ansprüche an Künstlerinnen wie sie gestellt werden, die über die sozialen Medien groß geworden sind.

Wenn sie sich die Beine rasiert, ist sie keine Feministin. Wenn sie sich die Beine nicht rasiert, ist sie eine feministische Künstlerin, die nach Aufmerksamkeit giert. Und spätestens jetzt werden sich die ersten Kommentatoren denken: Heul doch! Das macht sie nicht. Sie lacht viel, sehr viel, und schüttelt oft den Kopf während unseres Gesprächs über Feminismus, Kunst und das Internet.

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Anna Gien

Das wird schon

Mach es zu deinem Projekt!

01/11/2019 - 15:49

Neues Jahr, neue Vorsätze: Auf in den Baumarkt! Wie Monopol-Kolumnistin Anna Gien begeisterte Hobby-Handwerkerin wurde

Ich hatte schon immer ein Ding für Hände. Vielleicht, weil ich mit meinen eigenen nicht so viel anfangen kann. Alles, was auch nur im entferntesten Sinne mit Basteln oder Bauen zu tun hat, habe ich seit einer traumatischen Erfahrung im Handarbeitsunterricht, die mit einer Blattsäge und einem Plexiglasfisch begann und mit einer Narbe in Form eines kleinen silbrigen Monds auf der Rückseite meines Daumens endete, erfolgreich aus meinem Leben verbannt. Weil ich es aber karrieretechnisch noch immer nicht zu einem Leben gebracht habe, in dem ich mir einen Personal Facility Manager leisten könnte, kommt es doch vor, dass ich ab und zu, wenn auch nur äußerst widerwillig, selbst Hand anlegen muss. So wie jetzt.

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Anika Meier

Performance in London

Kann dieser Künstler den Brexit noch stoppen?

01/09/2019 - 15:15

Jonas Lund möchte den Brexit in letzter Sekunde abwenden. Dafür richtet der schwedische Künstler ein Propagandabüro in einer Londoner Galerie ein. Ist das alles ernst gemeint? Monopol-Kolumnistin Anika Meier hat Lund getroffen

Jonas Lund hat acht Stunden Bewerbungsgespräche vor sich. Der schwedische Künstler führt sie via Skype von seinem Studio in Berlin aus. Über 80 Bewerbungen sind bei ihm eingegangen, nachdem er mit zwei Videos im Internet nach Mitarbeitern für ein Propagandabüro suchte. Das Ziel: die Brexit-Umkehr. Die Bezahlung: 125 Pfund pro Tag.

 

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Anne Waak

Stil-Kolumne

Das Bauhaus und die Ästhetik des Alltags

01/02/2019 - 14:09

Anne Waak hat Objekte von Designern, neue Orte, Fundstücke und die Zukunft im Blick. Diesmal schreibt die Monopol-Kolumnistin über das Bauhaus und das Erbe der legendären Kunstschule

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Anika Meier

IG-Performerin Leah Schrager

"Ich will die Männerhände"

12/31/2018 - 18:24

Leah Schrager wurde als sexpositive Performancekünstlerin bekannt – und kritisiert. Jetzt arbeitet die Amerikanerin an einem neuen Image und nimmt dafür die Hilfe eines männlichen Förderers in Anspruch, der eine Million Dollar in sie und ihre Kunst investiert. Warum sie das Gefühl nicht los wird, gescheitert zu sein, hat sie Monopol-Kolumnistin Anika Meier erzählt

Man kennt diese Frage aus Filmen. Was würden Sie machen, wenn Ihnen jemand eine Million Dollar gibt? Ein schönes Gedankenspiel. Fiktion also, im richtigen Leben passiert das nicht. Der amerikanischen Künstlerin Leah Schrager ist jetzt aber genau das passiert. Sie bekam eine Mail von einem Mann, der über ihre Kunst auf sie aufmerksam wurde, wie er ihr schrieb. Das war am 16. Oktober 2018. Kurz darauf, am 30. Oktober flog sie von New York nach LA, um ihn zu treffen. Dort bot er ihr an, eine Million Dollar in sie und ihre Arbeit zu investieren. 

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Hans Bussert

Personal Shopper

Weihnachtseinkäufe mit Aino Laberenz

12/20/2018 - 15:45

Personal Shopper und Monopol-Kolumnist Hans Bussert erledigt mit der Kostüm- und Bühnenbildnerin Aino Laberenz in dem Berliner Geschäft International Wardrobe Weihnachtseinkäufe

Die Almstadtstraße in Berlin-Mitte ist keine typische Einkaufsstraße. Es gibt hier kaum nennenswerte Geschäfte. Zwischen Fußgängerzonenfeeling an ihrem unteren Ende, der Münzstraße, und zugigem Hier-schnell-weiter-Charme am nördlichen Ausgang finden sich aber ein paar Versprengte. Letzte Bastionen des bis vor ein paar Jahren total gehypten Scheunenviertels: Robert Stranz, der Starfriseur der Berliner Kreativszene, die sehr schlaue Buchhandlung Pro qm und eben International Wardrobe.

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Anika Meier

Kunst in sozialen Netzwerken

Können Künstler auch ohne Instagram erfolgreich werden?

12/14/2018 - 12:10

Wie hat sich aber der Kunstbetrieb durch Instagram verändert? Monopol-Kolumnistin Anika Meier sucht mit dem Fotojournalisten Christoph Bangert und dem Unternehmer Magnus Resch nach Antworten, was der Künstler der Zukunft braucht - oder eben nicht

Christoph Bangert hat digitalen Selbstmord begangen. Das schon vor ein paar Jahren, lange bevor Digital Detox hip und in aller Munde wie vegane Ernährung war. Christoph Bangert ist Fotojournalist, er dokumentierte beispielsweise den Krieg im Irak für die "New York Times". Auf seiner Website findet sich dieser Hinweis: "Christoph Bangert arbeitet ausschliesslich für redaktionelle Kunden. Er fotografiert keine Handtaschen oder Uhren." Im Krieg fotografiert er oft das, was nicht einmal Redaktionen sehen wollen. Verletzte Menschen, stark blutende Menschen, Menschen mit abgetrennten Gliedmaßen, Menschen ohne Kopf. Diese Bilder, die keine Redaktion drucken wollte, zeigt er in seinem Fotobuch "War Porn" (Kehrer Verlag, 2014).

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Anika Meier

Athen Biennale

Überall nur noch fragmentierte Erzählungen

11/30/2018 - 17:35

Athen ist das neue Berlin, heißt es. Deshalb vielleicht erinnert die 6. Athen Biennale an die 9. Berlin Biennale. Warum sich der Besuch anfühlt wie zwei Tage Binge Watching, berichtet Monopol-Kolumnistin Anika Meier

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Anika Meier

Kunst in sozialen Medien

Da hängt ein Pferd an der Decke

11/28/2018 - 12:31

Im Kunstbetrieb reichen die Provokationen des italienischen Superstarkünstlers Maurizio Cattelan oft nur noch für ein müdes Schulterzucken. Auf Instagram sorgt sein totes Pferd an einer Museumsdecke für helle Aufregung. Was sagt das über die Wirkung von Kunst in sozialen Medien?  

Es passiert ja selten, dass ein Posting auf Instagram durch die Decke geht. Vor allem einem selbst nicht, also, mir zumindest nicht. Bisher jedenfalls nicht. Die Likes sammeln sonst die anderen ein, die schwangere Beyoncé beispielsweise, der verliebte Justin Bieber und die verliebte Heidi Klum. Happy Knutscherei vor Sonnenuntergangskitsch das ist schön, klar, da wird einem bei Heidi und Tom, bei Justin und Hailey ganz warm ums Herz. Das habe ich mit einem Posting gerade auch geschafft. Nur andersrum. Und schön war das auch nicht. 

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Anna Gien

Das wird schon

Das Schloss

11/26/2018 - 13:36

Monopol-Kolumnistin Anna Gien hat sich ein paar Tage auf ein heruntergekommenes Künstlerschloss in Sachsen-Anhalt zurückgezogen. Ein wenig Elendstourismus hat noch niemandem geschadet und Leid ist bekanntlich die Nahrung der Kunst

Ich muss weg. Weg aus Berlin, dachte ich, in dieser Stadt kommt man zu nichts. Immer ist irgendwas, man muss seine Freunde sehen, "muss" klingt jetzt hart, mein ich nicht so, aber doch: muss, weil sonst hat man irgendwann keine mehr. Dann endet man ganz allein, versumpft bis zum Anschlag in diesem Kollateralschaden aus Umständen, den man Persönlichkeit nennt, als Katzenoma, so eine mit Trolley und einem großen Hut, einem, der die Persönlichkeit unterstreicht, von dem tote Eichhörnchen hängen, läuft dann schimpfend und sabbernd die Potsdamer Straße runter, und ab und zu rupft man eins von der Krempe und schleudert es auf die schwarzbejackten Menschenansammlungen vor den Galerien, die man hasst, weil einem sonst nicht anderes mehr einfällt.

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Hans Bussert

Personal-Shopper-Kolumne

Blumenkauf mit dem Galeristen Robert Grunenberg

11/22/2018 - 15:21

Hans Bussert geht gerne einkaufen, sehr gerne sogar. Weil er aber gar nicht so viel braucht, wie er kaufen könnte, begleitet er für uns in einer neuen Kolumne jeden Monat Konsumwillige beim Shoppen. Mit Robert Grunenberg war er in der Berliner Blumenhandlung Marsano, um Blumensträuße für dessen Galerie auszusuchen

Um 10.09 Uhr erreicht mich eine Mail von Robert: "Bin hier, die Blumenauswahl ist aktuell ein wenig limitiert, wollen wir lieber zu Marsano?" Robert Grunenberg und ich sind zum Blumenkaufen bei Brutto Gusto verabredet. Ich hatte zehn Uhr vorgeschlagen, mir den Termin aber für eine Stunde später in meinen iCal eingetragen. Roberts Nachricht kommt mir also sehr entgegen. Nicht mal dreißig Minuten später betritt der Galerist den Blumenladen in der Charlottenstrasse. Hinter sich zieht er einen Rollkoffer, er hat ein paar Tage in Norddeutschland verbracht und erzählt vom herbstlichen Camouflage der Heidelandschaft dort. Das Angebot von Marsano, vor dem wir jetzt stehen, ist im Gegensatz dazu allerdings mehr Emil Nolde als Horst Janssen – rein formalästethisch betrachtet, wie Robert bemerkt.

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