Hans Bussert

Personal Shopper

Auf dem Flohmarkt mit Gregor Hildebrandt

10/22/2018 - 11:46

Hans Bussert geht gerne einkaufen, sehr gerne sogar. Weil er aber gar nicht so viel braucht, wie er kaufen könnte, begleitet er für uns in einer neuen Kolumne jeden Monat Konsumwillige beim Shoppen. Im Sommer war er mit dem Künstler Gregor Hildebrandt auf dem Flohmarkt

Drei Euro für eine Roland-Kaiser-Kassette? Ihm geht es ja nicht um die Aufnahme, sagt Gregor. Obwohl "Schachmatt", ein Kaiser-Hit von 1979, natürlich ganz passend sei. Gregor Hildebrandt stimmt mich auf unseren bevorstehenden Flohmarktbummel ein. Wir haben Gnocchi und Löwenzahnsalat gegessen (sehr bissfest) und gehen in Richtung Arkonaplatz-Flohmarkt.

Als Gregor Hildebrandts Personal Shopper hatte ich mich darauf vorbereitet, viele Kassetten tragen zu müssen. Zwei Nylonbeutel habe ich dabei, um darin BASFs, Maxells und andere Tapes zu verstauen. Der kunstmäßig wahrscheinlich größte Verwerter von analogen Datenträgern soll in Ruhe stöbern können. Es kommt anders, schon allein deshalb, weil Gregor hauptsächlich Schachfiguren kaufen will.

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Die Monopol-Redaktion

Kunstbuchmesse "Friends with Books" in Berlin

Nichts erklären. Sehen und denken reicht!

10/22/2018 - 08:18

Was am Wochenende auf der Kunstbuchmesse "Friends with Books" in Berlin an Energie, Wissen, Intelligenz und Freude zusammenkam, ist in Zahlen nicht auszudrücken. Silke Hohmann versucht es mit Worten 

Je mehr Bücher man hat, desto höhere Mauern kann man überwinden. Das ist kein semi-schlauer Wohlfühl-Aphorismus, sondern letztlich eine Frage von Statik und Balance. Bücher aufeinanderstapeln, draufklettern, sich drüber schwingen –  so macht es der Künstler und Spezialist für Alltagsskulpturen Brad Downey auf einem Poster vor, das auf der Messe "Friends with Books" für 10 Euro zu kaufen war.

Um zu entkommen, nutzen viele Leser von einst heute Serien von Streamingdiensten, ergab eine kürzlich erschienene Studie des Börsenvereins. 6,3 Millionen Käufer hat der Buchmarkt seit 2013 verloren. Die Menschen sind zu lange online, sie swipen und tippen und lesen umsonst, anstatt zu kaufen und zu blättern. Über Mauern klettern sie auch nicht mehr.

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Die Monopol-Redaktion

"Carnegie International" in Pittsburgh

15 Minuten Ruhm, dann allgemeiner Aufbruch

10/15/2018 - 11:09

Der Industrielle Andrew Carnegie gründete 1896 eine Ausstellung, die alle zwei bis fünf Jahre in Pittsburgh den Stand der Kunst in der Gegenwart abbilden sollte. Die "Carnegie International" wurde am Wochenende zum 57. Mal eröffnet - und auch in dieser Traditionsschau stellen sich neue Fragen nach dem Kanon. Ein Besuch

Pittsburgh ist bekannt für seine Stahlindustrie, die über 400 Brücken über die unaussprechlichen Flüsse Allegheny und Monongahela, sowie die Produktionsstätten des Heinz-Ketchup, den die Bewohner schon zum Frühstück in großzügigen Mengen verzehren. Allerdings lässt sich in der zweitgrößten Stadt des Bundesstaates Pennsylvania auch einiges an Kunst entdecken. Das Andy Warhol Museum zeugt davon, dass im Stadtteil Oakland vor 90 Jahren der polnische Immigrantensohn Andy Warhola geboren wurde, der schon während seines Illustrationsstudiums an der Pittsburger Universität das zweite a seines Nachnamens verschwinden ließ und später in New York seine 15 Minuten Ruhm zu ein paar Jahrzehnten ausweitete. 

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Die Monopol-Redaktion

Wenn Erhabenheit krank macht

Gibt es das Stendhal-Syndrom eigentlich wirklich?

10/11/2018 - 17:13

Schwindel, Panik, Wirrnis: Das Stendhal-Syndrom beschreibt Überwältigungserlebnisse im Angesicht der Kunst. Doch ob es diese psychosomatische Störung wirklich gibt, ist umstritten. Daniel Völzke hat in Florenz, wo das Phänomen vor über 200 Jahren zum ersten Mal beschrieben wurde, einen Selbstversuch gestartet

Erhabenheit, Immersion und Überwältigung sind ja eigentlich etwas Schönes: sich auflösen wie ein Zuckerwürfel in der Kunst, eintauchen, loslassen. Mich erfüllt diese Vorstellung allerdings mit Entsetzen. 

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Anne Waak

Stil-Kolumne "Elementarteilchen"

Dosentomaten, Britney und die Farbe Violett

10/10/2018 - 15:28

Anne Waak beobachtet Menschen, Waren und das, was zwischen ihnen passiert. Als Kolumnistin hat sie Objekte von Designern, neue Orte, Fundstücke und die Zukunft im Blick

 

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Anika Meier

Martin Parr in Berlin

"Mein Job besteht darin, zu unterhalten"

10/02/2018 - 13:09

Der britische Fotograf Martin Parr war anlässlich des European Month of Photography für einen Artist Talk in Berlin. Auf der Bühne sprach er über Fotografie in Zeiten sozialer Medien, über digitalen Durchfall und darüber, warum viele schlechte Fotobücher und viel schlechte Fotografie nicht schaden

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Anika Meier

Gallery.Delivery

Wenn der Fahrradkurier eine Ausstellung liefert

09/24/2018 - 15:31

Während der Berlin Art Week präsentiert die Züricher Galerie Roehrs & Boetsch mit Gallery.Delivery eine per Fahrradkurier lieferbare Gruppenausstellung. Monopol-Kolumnistin Anika Meier hat die Ausstellung bestellt

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Die Monopol-Redaktion

"Between Points"

Nachtfahrt mit Waschbär

09/24/2018 - 12:35

Wie bringt man Fluxus in die Gegenwart? Mit einer Bootsfahrt! Unterwegs durch Berlin mit der Performance Agency und dem Archivio Conz

Waschbären sollen ja sehr scheu sein. Die beiden im Archivio Conz schauen jedenfalls nur sehr kurz um die Ecke und hoppeln dann sofort hinter die Regale – etwas unbeholfen, denn ein Mensch in einem Waschbärkostüm erreicht einfach niemals die huschende Eleganz des Originaltiers. Macht nichts, der Effekt ist trotzdem lustig.

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Anna Gien

Das wird schon

Tuscheln mit Michel Würthle

09/20/2018 - 15:33

Ich liebe Charlottenburg. Für die alten Damen mit den fleischfarbenen Strumpfhosen, die geschmeidig dahintippelnden Swarovski-Hündchen, das Wohlstandsgrün der kleinen Tischdecken zwischen den vollgestopften Auslagen bei Rogacki, die sanfte Ruhe der Werbeplakate für Privatpraxen ästhetischer Chirurgie auf dem Ku’damm und für die Paris Bar.

Ja, für die Paris Bar.

Ich weiß, dass ich die Paris Bar eigentlich hassen müsste. Da sitzen die meiste Zeit eingewachsene, alte Herren in – viel zu jugendlichen – Maßanzügen herum, die den Frauen, mit denen sie da sind, nicht richtig zuhören, urprollige, Le-Pliage-behangene Grüppchen, die ungestüm ihr Halbwissen über die weißen Tischdecken hinweg proklamieren oder seichte Intellektualitäten in ihre Bouillabaisse brabbeln. Ich weiß. Ich weiß. Ich kann aber einfach nicht anders. Etwas an diesem Ort finde ich wirklich hinreißend.

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Die Monopol-Redaktion

Various Others in München

Wer reinkommt, ist drin

09/17/2018 - 16:50

Junge Galeristen wollen den Kunststandort München über die Stadtgrenzen bekannter machen. Das Rezept: Internationale Kooperationen und ein neues Galerienwochende. Ein Bericht

"Mir kommt es ein bisschen so vor, als ob Sie hier mit Papas Mercedes vorfahren", sagte die Galeristin Gudrun Spielvogel zu Johannes Sperling in einem Streitgespräch, das die Münchner "Abendzeitung" abgedruckt hat. Sperling gehört zu den Mitorganisatoren von Various Others, dem Galerienwochenende in München. Eigentlich müsste man genauer sagen, einem Galerienwochenende. Denn in der bayerischen Hauptstadt gibt es außerdem noch die Open Art. 

Sperling, junger Galerist, gründete den "Verein zur Förderung der Außenwirkung Münchens als Kunststandort", und damit hänge er sich an die Open Art, findet Spielvogel. Daher der Mercedes-Vergleich. "Im Grunde ist alles schon da", sagt sie. Damit meint sie: die Infrastrukturen, die Sammler. 

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Anne Waak

Elementarteilchen

Der beste Entertainer der Gegenwart, neue Musik und Bauhaus-Mode

09/11/2018 - 16:59

Anne Waak beobachtet Menschen, Waren und das, was zwischen ihnen passiert. Als Kolumnistin hat sie Objekte von Designern, neue Orte Fundstücke und die Zukunft im Blick

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